Holger Grosser, ISO-9001-Berater

Holger Grosser

Ihr Berater · seit 1994

  • Über 1.000 erfolgreiche Audits
  • 100 % Erfolgsquote
  • BAFA-gelisteter Berater
  • Pragmatisch statt Bürokratie
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Internes Audit nach ISO 9001: Ablauf, Anforderungen und Praxis-Tipps

Kurz erklärt: Ein internes Audit ist die von der ISO 9001 (Kapitel 9.2) geforderte Selbstprüfung Ihres Qualitätsmanagementsystems. Ein unparteiischer Auditor prüft in geplanten Abständen, ob Ihre Prozesse so gelebt werden, wie sie beschrieben sind – und deckt Schwachstellen auf, bevor der Zertifizierer sie findet. Üblich ist mindestens ein internes Audit pro Jahr, durchgeführt von einem geschulten Mitarbeiter oder einem externen Auditor.

Das interne Audit hat einen schlechten Ruf: Kontrolle, Bürokratie, „Bespitzelung“. In über 30 Jahren habe ich gelernt: Richtig gemacht ist es das Gegenteil – das wirksamste Werkzeug, um Probleme zu finden, solange sie noch nichts kosten. Auf dieser Seite zeige ich Ihnen, wie ein internes Audit abläuft, wer es durchführen darf, welche Fehler ich immer wieder sehe und wie Sie es mit minimalem Aufwand normkonform erledigen. Nach meinem Motto: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Was verlangt die ISO 9001 beim internen Audit?

Kapitel 9.2 der ISO 9001 fordert drei Dinge:

  1. Ein Auditprogramm – die Planung, welche Bereiche wann auditiert werden. Bei kleinen Firmen genügt eine einfache Jahresübersicht.
  2. Die Durchführung in geplanten Abständen – in der Praxis mindestens einmal jährlich; alle Prozesse müssen innerhalb des Zertifizierungszyklus abgedeckt sein.
  3. Dokumentierte Ergebnisse – ein Auditbericht mit Feststellungen und daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Was die Norm nicht verlangt: seitenlange Checklisten, ein mehrköpfiges Auditorenteam oder eine teure Auditoren-Ausbildung. Der Auditor muss kompetent und unparteiisch sein – mehr nicht.

Wer darf das interne Audit durchführen?

Jeder geschulte Mitarbeiter – mit einer wichtigen Einschränkung: Niemand auditiert seinen eigenen Arbeitsbereich. Die Unparteilichkeit ist Normforderung und Erfolgsfaktor zugleich, denn nur ein neutraler Auditor wird von den Kollegen ernst genommen.

Was muss ein interner Auditor können?

Eine formale Zertifizierung verlangt die ISO 9001 nicht – wohl aber nachweisbare Kompetenz. In der Praxis heißt das:

Normverständnis: Der Auditor muss die Anforderungen der ISO 9001 kennen und auf die Abläufe des Unternehmens übertragen können – auswendig lernen muss er die Norm nicht.

Prozesskenntnis: Er sollte verstehen, wie das Unternehmen arbeitet, ohne im auditierten Bereich selbst tätig zu sein. Nur wer die Abläufe einordnen kann, stellt Fragen, die zu echten Erkenntnissen führen.

Gesprächsführung: Auditieren ist Fragetechnik, nicht Verhör. Ein guter Auditor bleibt bei Tatsachen, ermittelt Ursachen statt Schuldige, konzentriert sich auf das Wesentliche und verhält sich partnerschaftlich – fair und kollegial, aber durchsetzungsfähig, wenn es nötig ist.

Nachweis der Schulung: Für das Zertifizierungsaudit sollten Sie belegen können, dass Ihr interner Auditor qualifiziert wurde – etwa durch eine interne Auditorenschulung, ein Seminar oder eine dokumentierte Einweisung. Ein Tagesnachweis genügt in der Regel; ein mehrtägiger Lehrgang ist für KMU selten nötig.

Genau hier liegt das Problem kleiner Unternehmen: Mit 5, 10 oder 20 Mitarbeitern gibt es oft niemanden, der diese Kompetenz mitbringt und unbeteiligt ist. Die Lösung ist ein extern durchgeführtes internes Audit – ein erfahrener Auditor von außen übernimmt die Rolle des internen Auditors. Das ist ausdrücklich normkonform und in der Praxis oft günstiger als Ausbildung und Freistellung eines eigenen Mitarbeiters.

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Ablauf: Internes Audit in 5 Schritten

1

Auditprogramm erstellen

Legen Sie fest, welche Prozesse in welchem Jahr auditiert werden. Kleine Firmen auditieren meist alles in einem Termin pro Jahr; größere verteilen die Bereiche über den Zertifizierungszyklus.

2

Audit vorbereiten

Der Auditor liest die Prozessbeschreibungen des Bereichs, sieht sich die Ergebnisse des letzten Audits an und stellt praxisnahe Fragen zusammen – keine abgetippten Normkapitel. Eine bewährte Basis: unsere kostenlose Audit-Checkliste mit 147+ echten Auditorenfragen.

3

Audit durchführen

Das Audit ist ein Gespräch am Arbeitsplatz, kein Verhör am Konferenztisch. Lassen Sie sich die Abläufe direkt am PC oder an der Maschine zeigen. Der wichtigste Satz jedes Auditors: „Zeigen Sie mir das mal.“

4

Bericht schreiben

Feststellungen, Abweichungen und Verbesserungspotenziale kurz dokumentieren – eine Seite genügt oft. Wichtig: immer bei Tatsachen bleiben und Ursachen benennen, nicht Schuldige.

5

Maßnahmen umsetzen und nachverfolgen

Aus jeder Abweichung wird eine Maßnahme mit Verantwortlichem und Termin. Erst mit der Wirksamkeitsprüfung ist das Audit abgeschlossen – und genau danach fragt der Zertifizierer im externen Audit.

Die 4 häufigsten Fehler beim internen Audit

1. Routine statt Erkenntnis. Jedes Jahr dieselben Fragen an dieselben Personen – das Audit läuft ins Leere, und alle Beteiligten fragen sich zu Recht, wozu es dienen soll. Befragen Sie bei jedem Audit andere Mitarbeiter; so entsteht über die Jahre ein vollständiges Bild des Unternehmens, ohne dass Langeweile aufkommt.

2. Nur auf die Norm schauen. Wer Normkapitel abfragt, statt reale Arbeit anzusehen, produziert Papier ohne Nutzen. Praxisnahe Fragen zeigen dem Mitarbeiter außerdem, dass sich der Auditor mit seinem Arbeitsfeld beschäftigt hat.

3. Personen statt Prozesse auditieren. Sobald sich Mitarbeiter angegriffen fühlen, gehen sie in Abwehrhaltung – und das Audit liefert keine ehrlichen Erkenntnisse mehr. Ein internes Audit richtet sich immer auf Abläufe, nie auf Menschen. Die Grundhaltung ist Partnerschaft: gemeinsam Störungen beseitigen, nicht Schuldige suchen.

4. Audit nur, wenn etwas passiert ist. Regelmäßige Audits finden Probleme, bevor sie sich verfestigen, im Zertifizierungsaudit auffallen oder das Zertifikat gefährden. Anlassbezogene Feuerwehr-Audits kommen zu spät.

„Wir haben keine Zeit für QM“

Dieser Satz fällt in fast jedem Unternehmen. Die Antwort darauf ist nicht Druck, sondern Nutzen: Ein gutes internes Audit spart Zeit, weil es die Störungen beseitigt, die im Alltag täglich Zeit kosten. Mitarbeiter, die erleben, dass ihre Hinweise zu echten Verbesserungen führen, weichen dem Audit nicht mehr aus – sie nutzen es.

Internes Audit und ISO 9001:2026

Mit der Revision der ISO 9001 rücken Themen wie Qualitätskultur, Ethik und die Betrachtung des Klimawandels in den Fokus – und damit auch in Ihre internen Audits. Wer sein Auditprogramm jetzt fortschreibt, sollte die neuen Anforderungen bereits einplanen. Alles Wichtige zur Umstellung: ISO 9001:2026 – was sich ändert.

Häufige Fragen zum internen Audit

Wie oft muss ein internes Audit durchgeführt werden?

Die ISO 9001 sagt „in geplanten Abständen“. In der Praxis erwarten Zertifizierer mindestens ein internes Audit pro Jahr; alle Prozesse müssen innerhalb des dreijährigen Zertifizierungszyklus abgedeckt sein.

Wer darf ein internes Audit durchführen?

Jede kompetente, unparteiische Person – ein geschulter Mitarbeiter, der nicht seinen eigenen Bereich auditiert, oder ein externer Auditor. Eine formale Auditoren-Zertifizierung verlangt die Norm nicht.

Welche Qualifikation braucht ein interner Auditor?

Die ISO 9001 verlangt Kompetenz, keine formale Zertifizierung. Nachweisbar sein sollten Normkenntnis, Kenntnis der Unternehmensprozesse und eine Schulung – z. B. eine eintägige interne Auditorenschulung mit Teilnahmebestätigung. Der Auditor darf nicht seinen eigenen Arbeitsbereich prüfen.

Darf das interne Audit extern vergeben werden?

Ja. Gerade kleine Unternehmen lassen das interne Audit von einem externen Auditor durchführen – normkonform, unparteiisch und oft günstiger als die Ausbildung eines eigenen Mitarbeiters.

Ist ein internes Audit auch als Remote-Audit zulässig?

Ja. Online- bzw. Remote-Audits per Videocall sind anerkannt, sofern die Prozesse angemessen bewertet werden können – etwa per Bildschirmfreigabe für Dokumente und Systeme. Sie sparen Anfahrtskosten und lassen sich kurzfristig terminieren.

Wie lange dauert ein internes Audit?

Bei kleinen Unternehmen bis etwa 20 Mitarbeiter genügen meist 2–4 Stunden inklusive Auditbericht. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern dass alle Prozesse im Zyklus abgedeckt werden.

Was passiert mit den Ergebnissen des internen Audits?

Feststellungen werden im Auditbericht dokumentiert, Abweichungen mit Maßnahmen, Verantwortlichen und Terminen versehen. Die Ergebnisse fließen in die Managementbewertung ein – beides prüft der Zertifizierer im externen Audit.

Fazit

Ein internes Audit ist keine Pflichtübung, sondern Ihre Generalprobe vor dem Zertifizierungsaudit – und im Alltag das ehrlichste Feedback-Instrument, das Ihr Unternehmen hat. Halten Sie es schlank, praxisnah und partnerschaftlich, dann liefert es jedes Jahr echte Verbesserungen statt Papier.

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