Verfahrens- und Arbeitsanweisungen schreiben: kurz, brauchbar, auditfest
Darum geht es
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Was die Norm wirklich verlangt: keine Verfahrensanweisung ist Pflicht
Bis zur Ausgabe 2008 verlangte die ISO 9001 sechs dokumentierte Verfahren (Dokumentenlenkung, Aufzeichnungen, internes Audit, fehlerhafte Produkte, Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen). Seit 2015 gibt es keine einzige vorgeschriebene Verfahrensanweisung mehr. Kap. 7.5.1 b) sagt: Die Organisation bestimmt die dokumentierte Information, die sie für die Wirksamkeit ihres QMS als notwendig erachtet. Die Anmerkung zu 7.5.1 ergänzt, dass Umfang und Form von Größe, Komplexität und Kompetenz der Mitarbeiter abhängen.
| Muss dokumentiert sein (Norm nennt es ausdrücklich) | Entscheidet der Betrieb |
|---|---|
| Geltungsbereich (4.3), Qualitätspolitik (5.2), Qualitätsziele (6.2) | Prozessbeschreibungen, Verfahrensanweisungen, Arbeitsanweisungen |
| Nachweise: Prüfmittel, Kompetenz, Freigaben, Fehler, Reklamationen, Audit, Managementbewertung, Lieferantenbewertung | Formblätter, Checklisten, Fotos, Videos |
| „Dokumentierte Information zur Unterstützung der Prozesse, soweit erforderlich“ (4.4.2) | Wie viel „soweit erforderlich“ ist |
Der einzige Maßstab: Was passiert, wenn es nicht aufgeschrieben ist? Macht ein neuer Mitarbeiter es dann falsch, und ist der Fehler teuer (Nacharbeit, Reklamation, Gefahr)? Dann Anweisung. Macht er es richtig, weil es offensichtlich ist oder gezeigt wurde und die Prüfung den Fehler sowieso fängt? Dann keine.
Drei Fehler, die fast jeder Kleinbetrieb macht: (1) Anweisungen schreiben, weil „der Auditor das will“ – er will Nachweise, nicht Papier. (2) Anweisungen aus einem gekauften Mustersatz übernehmen, die nicht zum Betrieb passen – im Audit die sicherste Abweichung („Sie schreiben X, tun aber Y“). (3) Jede Anweisung als Word-Datei mit Deckblatt, Verteiler, Änderungshistorie – drei Seiten Verwaltung für fünf Zeilen Inhalt.
Prozessblatt, Verfahrensanweisung, Arbeitsanweisung – oder nichts: die Entscheidungsregel
| Ebene | Beantwortet | Beispiel | Liegt |
|---|---|---|---|
| Prozessblatt (im Handbuch) | Wer macht was in welcher Reihenfolge, mit welchen Nachweisen? – über den ganzen Prozess | Auftragsabwicklung: Anfrage → Angebot → AB → Ausführung → Prüfung → Lieferung → Rechnung | Handbuch, Kapitel 3 |
| Verfahrensanweisung (VA) | Wie läuft ein Teilablauf zwischen mehreren Stellen, der im Prozessblatt zu grob wäre? | Reklamationsbearbeitung; Änderung am laufenden Auftrag; Freigabe von Sonderanfertigungen | Anhang zum Handbuch oder Ablage „VA“ |
| Arbeitsanweisung (AA) | Wie genau wird eine Tätigkeit an einem Arbeitsplatz ausgeführt? | Drehmomente an der Presse; Prüfmaße am Endprüfplatz; Ticket anlegen im Service; Verpacken der Glasware | Am Arbeitsplatz (Aushang, Tablet, Mappe) |
| Nichts | – | Alles, was Fachkräfte gelernt haben und die Prüfung abfängt | – |
Entscheidungsbaum (vier Fragen, von oben nach unten):
- Beschreibt es die Reihenfolge von Schritten über mehrere Personen? → Prozessblatt (reicht fast immer).
- Ist ein Teilablauf so verzweigt, dass das Prozessblatt ihn nicht trägt (mehr als drei Wenn-dann)? → VA.
- Geht es um einen Handgriff, bei dem ein falscher Wert teuer ist (Maß, Zeit, Temperatur, Reihenfolge, Einstellung)? → AA – und zwar dort, wo die Hand ist.
- Lässt sich der Handgriff in einem Foto, einer Skizze oder einer Checkliste zeigen? → Das statt Text.
Was keine Anweisung braucht: Fachliche Grundfertigkeiten (Schweißen, Buchen, Programmieren), Dinge, die der Lieferant vorgibt (Montageanleitung des Herstellers – darauf verweisen, nicht abschreiben), Einzelfälle, die nie wiederkehren.
Faustzahlen Kleinbetrieb: 0 bis 3 Verfahrensanweisungen, 3 bis 8 Arbeitsanweisungen, dazu Checklisten. Wer über 15 Anweisungen hat, hat entweder ein Prozessblatt vergessen oder Musterdokumente gekauft.
📄 Entscheidungsbaum mit vier Fragen, Abgrenzung der drei Ebenen, Beispiele und Faustzahlen
Der Aufbau auf einer Seite: Zweck, Geltung, Ablauf, Verantwortung, Nachweis, Stand
Eine Anweisung hat sechs Felder – mehr nicht:
| Feld | Inhalt | Beispiel (VA Reklamation) |
|---|---|---|
| Kopf | Nummer, Titel, Stand (Datum), Freigabe (Funktion, Kürzel), Seite x von y | VA-03 Reklamationsbearbeitung · Stand 2026-10 · Freigabe GL/hg · Seite 1 von 1 |
| Zweck | Ein Satz: Was soll erreicht werden, welcher Fehler wird vermieden? | Jede Kundenreklamation wird innerhalb eines Arbeitstags beantwortet und mit Ursache abgeschlossen. |
| Geltungsbereich | Für welche Fälle, welche Stellen, was nicht? | Alle Beanstandungen von Kunden zu gelieferten Produkten; nicht: Preisverhandlungen. |
| Ablauf | Nummerierte Schritte: Schritt – Wer – Wie/Womit – Nachweis | 1 Eingang erfassen – Vertrieb – Reklamationsblatt – R-Nummer … |
| Verantwortung | Wer entscheidet, wer vertritt | Entscheidung über Kulanz: GL; Vertretung: Vertriebsleitung |
| Mitgeltend / Nachweis | Formblätter, Listen, Verweise | Reklamationsblatt F-07, Fehlersammelliste, Prozess U4 |
Der Ablauf als Tabelle ist die wichtigste Entscheidung: vier Spalten, eine Zeile je Schritt, kein Fließtext. Jeder Schritt beginnt mit einem Tätigkeitswort (erfasst, prüft, gibt frei, meldet). Was nicht in eine Zeile passt, ist zwei Schritte.
Bei Arbeitsanweisungen schrumpft das Feld „Verantwortung“ auf eine Zeile („Ausführung: Endprüfer; Freigabe bei Abweichung: Meister“) und das Feld „Ablauf“ wird zu Schritt – Wie – Sollwert/Prüfung – Hilfsmittel.
Weglassen: Deckblatt, Verteilerliste, Änderungshistorie (steht im Dokumentenverzeichnis), Begriffsdefinitionen, Normzitate, Inhaltsverzeichnis, Unterschriftenfelder auf jeder Seite. Eine Anweisung, die nicht auf eine Seite passt, beschreibt entweder zwei Dinge oder zu viel.
📄 Vorlage Verfahrensanweisung (eine Seite, sechs Felder, Ablauftabelle) in Word
📄 Vorlage Arbeitsanweisung (eine Seite, Schritt – Wie – Sollwert – Hilfsmittel, Bildfeld) in Word
Schreibregeln: Tätigkeitsform, Zahlen statt Adjektive, ein Satz je Schritt
| Regel | Schlecht | Gut |
|---|---|---|
| Tätigkeitsform | Die Prüfung ist durchzuführen. | Der Endprüfer prüft die drei Maße. |
| Zahl statt Adjektiv | ausreichend anziehen | mit 25 Nm anziehen |
| Ein Satz je Schritt | Nach dem Entgraten und Reinigen wird geprüft und freigegeben. | 4 Entgraten. 5 Reinigen. 6 Prüfen. 7 Freigeben. |
| Funktion statt Name | Herr Müller gibt frei. | Der Meister gibt frei. |
| Sollwert mit Toleranz | Maß stimmt | 120,0 mm ± 0,2 |
| Was tun wenn | – | Außer Toleranz: Teil sperren (roter Aufkleber), Meister rufen. |
| Keine Modalverben | sollte, kann, möglichst | prüft, sperrt, meldet |
| Lesbar aus zwei Metern (AA am Platz) | Schriftgröße 9, Fließtext | Schriftgröße 14, Tabelle, Bild |
Der Test: Geben Sie die Anweisung jemandem, der die Tätigkeit noch nie gemacht hat. Kann er sie morgen allein ausführen – ohne zu fragen? Wenn nein, fehlt ein Schritt, ein Wert oder ein Bild. Wenn er fragt „Warum?“, fehlt der Zweck-Satz.
Mitarbeiter mit wenig Deutsch: kurze Sätze, Bilder, Piktogramme, Zahlen; bei Bedarf die Tabelle zweisprachig (zwei Spalten „Wie“) – das ist kein Luxus, sondern die Anweisung, die gelesen wird. Keine automatische Übersetzung ohne Gegenlesen durch einen Muttersprachler im Betrieb.
Vorher–nachher: Eine typische Anweisung „Endkontrolle“ aus einem gekauften Mustersatz hat 1,5 Seiten, zwölf Sätze im Passiv, keinen Sollwert. Nach den Regeln: eine Tabelle mit sechs Zeilen, drei Maße mit Toleranz, ein Foto des Prüfplatzes, Stand und Freigabe. Beide sind normkonform; nur eine wird benutzt.
📄 Die acht Schreibregeln mit Beispielen und eine Endkontroll-Anweisung vorher/nachher
Bild, Foto, Video, Checkliste: wenn Text die falsche Form ist
Die Norm nennt Grafiken und elektronische Medien ausdrücklich als Format. Für viele Tätigkeiten ist ein Bild die bessere Anweisung – vor allem dort, wo „richtig“ ein Zustand ist, kein Ablauf.
| Form | Wann | Was dazu gehört |
|---|---|---|
| Foto des Sollzustands mit Pfeilen/Kreisen | Verpackung, Aufbau, Palette, Kabelführung, Werkzeugplatz, Sauberkeit | Nummer, Titel, Stand, Freigabe-Kürzel im Bild oder Rahmen; Sollwerte als Text im Bild |
| Gut/Schlecht-Fotos nebeneinander | Prüfentscheidungen (Grat, Lackfehler, Schweißnaht, Oberfläche) | Grenzmuster-Charakter: „so noch gut – so nicht mehr“; Foto ersetzt Grenzmusterteil |
| Skizze mit Maßen | Positionen, Abstände, Reihenfolge von Bohrungen | Toleranzen eintragen; Zeichnungsstand verweisen |
| Checkliste zum Abhaken | Rüsten, Inbetriebnahme, Fahrzeugkontrolle, Übergabe | Jede Zeile ein Prüfpunkt mit Sollwert; Datum/Kürzel → ist zugleich der Nachweis (7.5.3) |
| Video (30–90 Sekunden) | Reihenfolgen mit Bewegung: Maschine rüsten, Ticket anlegen, Software-Ablauf | QR-Code am Platz; Video-Stand und Freigabe in der Dokumentenliste; Ton nicht nötig |
Was jede Form braucht, egal ob Papier, Foto oder Video: eindeutige Kennzeichnung (Nummer, Titel), Stand (Datum oder Version), Freigabe (Funktion), Schutz vor unbeabsichtigter Änderung (Laminat, PDF, Leserechte) und einen Eintrag in der Dokumentenliste. Ein ausgedrucktes Foto ohne Stand ist im Audit „unkontrollierte Dokumentation“ – mit Stand in der Ecke ist es eine vorbildliche Arbeitsanweisung.
Praxis: Der Monteur fotografiert den fertigen Schaltschrank, der Meister malt drei Kreise hinein („Zugentlastung – Erdung – Beschriftung“), Stand und Kürzel in die Ecke, laminiert an die Wand. Zehn Minuten – und besser als jede Textseite.
Beispiele je Branche: welche drei bis acht Anweisungen ein Betrieb wirklich braucht
| Branche | Braucht fast immer (AA/VA) | Fast immer überflüssig |
|---|---|---|
| Produktion / Handwerk | AA Endprüfung (Maße, Toleranzen, Grenzmuster) · AA Rüsten der Hauptmaschine · AA Kennzeichnung gesperrter Teile · AA Verpacken/Versand · VA Änderung am laufenden Auftrag | VA „Herstellung“ (das ist das Prozessblatt) · AA für Standardwerkzeuge · VA Einkauf |
| Bau / Montage | AA Baustellenübergabe/Abnahmeprotokoll · AA Umgang mit Kundeneigentum (Schlüssel, Pläne, Bestand) · Checkliste Fahrzeug/Werkzeug · VA Nachtrag/Änderung durch Bauherrn | VA Angebotserstellung · AA für jedes Gewerk |
| Handel / Logistik | AA Wareneingang (Prüfstufen) · AA Kommissionierung/Versandkontrolle · VA Retouren · AA Kennzeichnung Sperrlager | VA Verkauf · AA Kassieren (Kassensystem führt) |
| Dienstleistung / IT / Beratung | AA Ticket anlegen und priorisieren · VA Kunden-Onboarding · AA Datensicherung und Wiederherstellung · VA Störungsinformation an Kunden (8.2.1, 2026) · Checkliste Projektübergabe | VA Beratungsgespräch · AA E-Mail schreiben |
| Alle | Checkliste Einweisung neuer Mitarbeiter · VA Reklamation (wenn Prozessblatt nicht reicht) | VA Dokumentenlenkung als Textseite (eine Regel im Handbuch reicht) · VA internes Audit (Programm + Plan sind die Dokumentation) |
Woran man erkennt, dass eine Anweisung fehlt: derselbe Fehler zweimal in der Fehlersammelliste; ein neuer Mitarbeiter fragt dreimal dasselbe; zwei Kollegen machen es unterschiedlich und beide „richtig“; der Kunde reklamiert etwas, das „eigentlich jeder weiß“.
Woran man erkennt, dass eine Anweisung weg kann: Stand älter als drei Jahre und niemand kann sagen, wo sie liegt; sie beschreibt, was die Software erzwingt; sie wiederholt das Prozessblatt; sie ist für eine Maschine, die es nicht mehr gibt.
Freigabe, Stand und Verteilung: so bleibt die Anweisung gültig
Freigabe: Freigeben darf, wer den Prozess verantwortet – der Meister seine AA, die Geschäftsleitung die VA mit Kundenwirkung. Der Schreiber (oft der QMB) gibt nicht selbst frei. Die Freigabe ist ein Kürzel mit Datum in der Kopfzeile oder ein Vermerk in der Dokumentenliste. Keine Unterschriftenmappe.
Stand: Datum im Format JJJJ-MM (bei mehreren Änderungen im Monat JJJJ-MM-TT) – im Dateinamen
(AA-04_Endpruefung_2026-10.docx) und in der Fußzeile. Versionsnummern (1.0, 1.1) sind erlaubt, aber ein Datum
sagt im Audit sofort, ob das Dokument aktuell ist.
Die Dokumentenliste ist das einzige Verzeichnis: Nummer · Titel · Art (HB/PB/VA/AA/FB/CL) · Stand · Freigabe · Ablageort · Aushang wo · letzte Prüfung. Keine Änderungshistorie in jedem Dokument – die Liste trägt „geändert am, was“ in einer Spalte.
Änderung in drei Schritten: (1) Datei kopieren, neuen Stand im Namen, ändern, freigeben lassen. (2) Liste aktualisieren. (3) Alte Aushänge einziehen – der häufigste Auditfund ist die alte AA an der Wand neben der neuen im System. Wer Aushänge hat, führt in der Liste die Spalte „hängt in“ und tauscht am selben Tag.
Verteilung digital: ein Ablageort (Cloud-Ordner, Wiki, Tablet am Platz) mit Leserechten für alle und Schreibrechten für den QMB; PDF für Aushänge; keine Kopien in privaten Ordnern. Die Regel dazu steht im Handbuch, Kapitel 7 – eine eigene VA „Dokumentenlenkung“ braucht der Kleinbetrieb nicht (Kurs „Dokumentenlenkung nach 7.5“ vertieft das).
Anweisung ist nicht Einweisung: wie die Anweisung in die Köpfe kommt
Eine Anweisung, die niemand kennt, ist ein Auditfund, kein Nutzen. Die Norm trennt sauber: 7.5 ist das Dokument, 7.2 die Kompetenz. Beides muss zusammenkommen.
Einweisung am Platz, in drei Schritten: (1) Der Meister zeigt die Tätigkeit mit der AA in der Hand und nennt die Sollwerte. (2) Der Mitarbeiter macht es selbst, der Meister sieht zu. (3) Der Mitarbeiter macht es allein, das Ergebnis wird geprüft. Dauer: 20 Minuten für eine AA. Nachweis: eine Zeile im Einweisungsprotokoll (Datum, AA-Nummer, Mitarbeiter, Einweisender, „selbständig ab“).
Bei jeder Änderung einer AA werden die betroffenen Mitarbeiter erneut eingewiesen – eine Zeile im Protokoll, fünf Minuten. Das ist der Nachweis, dass die Änderung angekommen ist (7.5.3: Änderungen gelenkt).
In der Qualifikationsmatrix steht je Tätigkeit die Stufe (eingewiesen / selbständig / darf einweisen); die AA-Nummer gehört in die Spaltenüberschrift. So sieht der Auditor in einer Tabelle, wer welche Anweisung kennt.
Was der Auditor den Mitarbeiter fragt: „Wo steht, wie Sie das machen?“ (er zeigt auf den Aushang) · „Was tun Sie, wenn das Maß nicht stimmt?“ (Was-tun-wenn-Zeile) · „Wann wurde das zuletzt geändert, und wie haben Sie es erfahren?“ (Einweisungsprotokoll). Drei Antworten in eigenen Worten – mehr ist nicht nötig.
Anweisungen im Audit: wonach der Auditor fragt – und die fünf häufigsten Feststellungen
Der Auditor prüft Anweisungen nicht am Schreibtisch, sondern am Arbeitsplatz, rückwärts: Er nimmt den letzten Auftrag, geht zur Station, fragt den Mitarbeiter, sieht den Aushang, vergleicht mit dem System und dem Prozessblatt.
| Nr. | Feststellung | Einstufung (Erfahrung) | Vermeidung |
|---|---|---|---|
| 1 | Am Platz hängt Stand 2024-03, im System steht 2026-05 | Nebenabweichung (7.5.3) | Spalte „hängt in“ in der Dokumentenliste; Tausch am Änderungstag |
| 2 | Die Anweisung sagt „Prüfung 100 %“, der Mitarbeiter prüft Stichprobe – und das ist richtig so | Haupt- oder Nebenabweichung (8.5.1) je nach Folge | Anweisung an die Praxis anpassen, nicht umgekehrt – wenn die Praxis gut ist |
| 3 | Foto-AA ohne Stand und Freigabe | Nebenabweichung (7.5.2) | Stand und Kürzel in jedes Bild |
| 4 | Keine Was-tun-wenn-Regel: Mitarbeiter entscheidet selbst, was mit Ausschuss passiert | Nebenabweichung (8.7) | Eine Zeile je AA: Abweichung → sperren → wer entscheidet |
| 5 | Anweisung vorhanden, Mitarbeiter hat sie nie gesehen | Nebenabweichung (7.2/7.3) | Einweisungsprotokoll; AA in der Matrix |
Der Zehn-Minuten-Check vor dem Audit: Rundgang mit der Dokumentenliste – jeden Aushang mit dem Stand in der Liste vergleichen; drei Mitarbeiter fragen „Wo steht, wie Sie das machen?“; den letzten Ausschuss suchen und fragen, welche Regel gegriffen hat.
Die beste Antwort im Audit auf „Warum haben Sie dafür keine Anweisung?“: „Weil die Prüfung in Schritt 6 den Fehler fängt und es in zwei Jahren keinen gab – hier ist die Fehlersammelliste.“ Das ist risikobasiertes Denken, und der Auditor notiert es als Stärke.
Praxisfall: Nordlicht IT-Service – zwei Anweisungen schreiben, elf aussortieren
Nordlicht IT-Service GmbH (erfunden; Ähnlichkeiten mit bestehenden Betrieben sind zufällig): IT-Support und Cloud-Einrichtung für Kleinunternehmen in Flensburg, 9 Mitarbeiter, zertifiziert seit 2023. Kurz vor dem Erstaudit hat die Geschäftsführung im April 2023 zusätzlich einen Mustersatz mit elf Verfahrensanweisungen gekauft und die Firmennamen eingesetzt. Stand aller elf: 2023-04. Niemand hat sie seitdem geöffnet; die Techniker arbeiten nach dem Ticketsystem und Erfahrung. Im letzten Audit gab es eine Nebenabweichung: VA-07 „Lenkung von Dokumenten“ beschreibt ein Freigabeverfahren mit Unterschriften, das nicht praktiziert wird. Zeitpunkt der Übung: Januar 2027 – mit der Umstellung auf ISO 9001:2026 (Umstellungstag 19.01.2027) räumt Nordlicht auch die Anweisungen auf.
Der Bestand: VA-01 Managementbewertung · VA-02 Internes Audit · VA-03 Korrekturmaßnahmen · VA-04 Beschaffung · VA-05 Kundenbezogene Prozesse · VA-06 Dienstleistungserbringung · VA-07 Lenkung von Dokumenten · VA-08 Lenkung von Aufzeichnungen · VA-09 Schulung · VA-10 Prüfmittel · VA-11 Lenkung fehlerhafter Dienstleistungen.
Was es außerdem gibt: ein Handbuch mit 13 Prozessblättern (Stand 2026-01, gut gepflegt), eine Qualifikationsmatrix, ein Ticketsystem mit Pflichtfeldern, und die Störung vom 14.07.2026 (Cloud-Ausfall, drei Kunden erfuhren es erst durch eigene Anrufe).
Aufgabe (60 Minuten):
- Sortieren Sie die elf VA mit dem Entscheidungsbaum: behalten – ins Prozessblatt – streichen. Begründen Sie jede Entscheidung in einem Satz.
- Schreiben Sie die AA „Ticket anlegen und priorisieren“ (Vorlage 03): Schritte, Prioritätsstufen mit Reaktionszeiten, Was-tun-wenn.
- Schreiben Sie die VA „Störungsinformation an Kunden“ (Vorlage 02): Zweck, Geltung, Ablauf mit Zeiten, Verantwortung, Nachweis – Bezug ISO 9001:2026, 8.2.1.
- Tragen Sie beide in die Dokumentenliste ein (Download 06).
Lernpunkt: Von elf Anweisungen bleiben zwei – und beide gab es vorher nicht. Der Mustersatz hat Papier erzeugt, das Audit eine Abweichung; die zwei neuen Anweisungen lösen ein echtes Problem (Störung vom 14.07.) und machen den Service für neue Techniker lernbar.
Nachweise und Pflege: Dokumentenliste, jährliche Durchsicht, Streichliste
Nachweise, die der Auditor sehen will:
| Nachweis | Belegt |
|---|---|
| Dokumentenliste mit Stand, Freigabe, Ablageort, Aushang | 7.5.2, 7.5.3 – Kennzeichnung, Freigabe, Verfügbarkeit |
| Aushang am Platz = Stand in der Liste | Änderungen gelenkt, alte Stände eingezogen |
| Einweisungsprotokoll mit AA-Nummer | 7.2 – die Anweisung ist angekommen |
| Streichliste („entfernt am, warum“) | Risikobasiertes Denken; „so wenig wie möglich“ ist eine Entscheidung, kein Versäumnis |
| Fehlersammelliste ohne Wiederholfehler an Stellen mit AA | Wirksamkeit der Anweisung |
Jährliche Durchsicht (30 Minuten, vor dem internen Audit): Dokumentenliste ausdrucken, Rundgang: (1) Stand am Platz = Liste? (2) Macht der Mitarbeiter es so, wie es steht? Wenn nein: Anweisung ändern oder Mitarbeiter einweisen – entscheiden, nicht beides lassen. (3) Gab es im Jahr einen Grund für die Anweisung (Fehler, neuer Mitarbeiter, Änderung)? Wenn drei Jahre lang nein: streichen und in die Streichliste.
Streichliste: Nummer · Titel · entfernt am · Grund (im Prozessblatt enthalten / Software erzwingt es / Maschine weg / nie gebraucht). Sie liegt hinter der Dokumentenliste und ist im Audit die beste Antwort auf „Wo ist Ihre Verfahrensanweisung für …?“.
Verfahren im eigenen Haus
Dieses Modul füllt Ihr Unternehmen aus. Der allgemeine Teil der Schulung endet hier; was folgt, kennt nur Ihr Betrieb:
| Punkt | Was festgehalten wird |
|---|---|
| Ansprechpartner | Wer ist QM-Beauftragter bzw. Ansprechpartner für QM-Fragen? Wer vertritt ihn? |
| Dokumente und Vorlagen | Wo liegen Handbuch, Prozessblätter und die Vorlagen, die zu diesem Thema benutzt werden (Ordner, Cloud, Papier)? |
| Nachweise | Wo werden die Nachweise zu diesem Thema abgelegt, und wie lange werden sie aufbewahrt? |
| Freigabe | Wer gibt Dokumente, Änderungen und Entscheidungen zu diesem Thema frei? |
| Termine | Welche festen Termine gelten (internes Audit, Managementbewertung, externes Audit)? |
Betriebe mit Firmenkonto der Akademie erhalten dieses Modul mit ihren eigenen Angaben; die Teilnehmer sehen dann Namen, Termine und Ablageorte ihres Unternehmens. Ohne Anpassung gilt: Fragen Sie Ihre Geschäftsführung oder Ihren QM-Beauftragten, wo diese Angaben in Ihrem Betrieb festgelegt sind – in der Regel im QM-Handbuch.
Abschlusstest
31 Fragen, je eine richtige Antwort. Zum Bestehen brauchen Sie 25 richtige (80 %). Die Auswertung erfolgt auf dem Server — hier auf der Seite steht keine Lösung.
Ihr Ergebnis
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Wie es weitergeht
Dokumentation erstellen lassen: Unternehmens- und Prozesshandbuch mit Prozessblättern und den nötigen Anweisungen aus dem Fragebogen – Festpreis, in Word, damit Sie es selbst ändern können.
Bestehende Anweisungen entschlacken: Durchsicht Ihrer Dokumentation mit Streichliste: was weg kann, was zusammengelegt wird, was fehlt – als Festpreis-Baustein der ISO-9001-Beratung.
Weiter in der Reihe: Kurse „QM-Handbuch in 5 Tagen“ und „Dokumentenlenkung nach 7.5“ in der QM-Guru Akademie.
Weitere kostenlose Unterweisungen finden Sie in der Online Akademie. Fragen zur Umsetzung im eigenen Betrieb beantworten wir über das Kontaktformular.
Fachliche Rückfragen zu dieser Unterweisung: Holger.grosser@iso9001.info · Telefon 0911-49522541. Eine Online-Unterweisung erfüllt die Unterweisungspflicht nur, wenn Rückfragen an eine unterweisende Person möglich sind.