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Was denkt der Auditor wirklich? 10 Sätze aus 1.000 Audits

KURZ GESAGT

Nach 30 Jahren und über 1.000 Audits weiß ich: Die meisten Firmen bereiten sich auf das falsche Audit vor. Sie polieren Dokumente, üben Antworten und verstecken Schwächen – dabei zählt genau das Gegenteil. Hier sind 10 Sätze, die ich in Audits denke, aber selten laut sage. Keine Norm-Theorie, sondern das, was zwischen den Zeilen des Auditberichts steht.

Holger Grosser, ISO-9001-Berater seit 1994
GEPRÜFT09·26H. Grosser
Stand 01.09.2026 · Von Holger Grosser, QM-Berater seit 1994 · über 1.000 begleitete Zertifizierungsaudits · Quelle: Über 1.000 begleitete Zertifizierungsaudits seit 1994
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SATZ 1Die meisten QM-Handbücher sind zu dick

Nicht zu dünn – zu dick. Wer 80 Seiten braucht, um einen Betrieb mit 15 Mitarbeitern zu beschreiben, hat abgeschrieben statt nachgedacht. Ich erkenne kopierte Musterhandbücher auf den ersten Blick: Sie beschreiben eine Firma, die es nicht gibt.

Mein Grundsatz seit 1994: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Ein Handbuch, das die eigene Firma in klarer Sprache auf 20 bis 30 Seiten beschreibt, schlägt jedes 80-Seiten-Werk – im Audit und im Alltag.

SATZ 2Wer im Audit redet, verrät das System

Ich erkenne ein gelebtes QM-System nicht an den Dokumenten, sondern daran, wer im Audit antwortet. Wenn auf jede Frage nur der QM-Beauftragte reagiert und alle anderen zu Boden schauen, ist das System seins – nicht das der Firma.

Umgekehrt gilt: Wenn der Lagerist erklären kann, warum er Wareneingänge prüft, und die Sachbearbeiterin weiß, wo Reklamationen landen, ist das mehr wert als jede perfekte Verfahrensanweisung. Genau dorthin gehen meine Fragen.

SATZ 3Die beste Verfahrensanweisung ist die, die keiner braucht

Dokumentieren Sie, was strittig ist – nicht, was selbstverständlich ist. Eine Verfahrensanweisung „Telefonannahme“ in einem Drei-Personen-Büro hilft niemandem. Eine Anweisung für den Fall, den es zweimal im Jahr gibt und bei dem jedes Mal diskutiert wird, hilft allen.

Die ISO 9001 schreibt seit 2015 kaum noch dokumentierte Verfahren vor. Was Sie dokumentieren, entscheiden Sie – nach Risiko, nicht nach Gewohnheit.

SATZ 4Abweichungen sind billiger als ihre Vermeidung

Firmen stecken Wochen in die Auditvorbereitung, um zwei Nebenabweichungen zu verhindern, die in einer Stunde behoben wären. Eine Nebenabweichung kostet Sie einen Maßnahmenplan und etwas Papier – kein Zertifikat ist je an einer Nebenabweichung gescheitert.

Die teure Variante ist die andere: ein System, das nur für das Audit aufgehübscht wird und danach wieder einschläft. Das kostet jedes Jahr Vorbereitung – und bringt der Firma nichts.

SATZ 5Kein Kunde hat je Ihr QM-Handbuch gelesen

Ihr Kunde will das Zertifikat für die Ausschreibung – nicht Ihr Handbuch. Er wird es nie öffnen. Wer sein QM-System für den Kunden schreibt, schreibt für die Ablage.

Bauen Sie das System für sich: als Nachschlagewerk für neue Mitarbeiter, als Gedächtnis für Abläufe, die sonst nur im Kopf des Chefs existieren. Dann trägt es sich selbst – und das Zertifikat fällt nebenbei ab.

SATZ 6Ein internes Audit ohne Feststellungen ist keins

Null Feststellungen im internen Audit heißt fast nie „alles perfekt“. Es heißt: Es wurde nicht geprüft, sondern abgehakt. Kein Betrieb der Welt arbeitet ein Jahr lang fehlerfrei.

Ein internes Audit, das drei echte Schwachstellen findet, ist Gold wert – im Zertifizierungsaudit zeigt es mir, dass die Firma sich selbst ernst nimmt. Ein Null-Bericht zeigt mir das Gegenteil.

SATZ 7Wer sein System selbst aufbaut, versteht es am besten

Der Geschäftsführer, der sein QM-System selbst aufgebaut hat, beantwortet im Audit jede Frage aus dem Stand. Der, der es sich komplett hat bauen lassen, blättert. Man hört den Unterschied nach zwei Minuten.

Deshalb gebe ich alles heraus, was man zum Selbstaufbau braucht – Vorlagen, Anleitungen, Antworten. Wer Unterstützung will, bekommt sie; wer es selbst kann, soll es selbst machen. Beides führt zum Zertifikat, wenn das System echt ist.

SATZ 8„Das verlangt die ISO“ ist der meistmissbrauchte Satz der Branche

Die Norm fordert weniger, als die meisten Berater behaupten. Kein vorgeschriebenes Handbuch, keine sechs dokumentierten Verfahren, kein Formular für alles. Vieles, was als „Normforderung“ verkauft wird, ist Beratergewohnheit – oder Umsatzinteresse.

Mein Rat: Wer Ihnen eine Anforderung nennt, soll die Kapitelnummer dazu nennen. Steht es nicht in der Norm, entscheiden Sie selbst, ob Sie es brauchen.

SATZ 9Kennzahlen, die niemand anschaut, sind keine Kennzahlen

Ich frage im Audit nicht, welche Kennzahlen Sie erheben. Ich frage, wann Sie zuletzt wegen einer Kennzahl etwas geändert haben. Da wird es oft still.

Drei Zahlen, die monatlich auf den Tisch kommen und jemanden ärgern, schlagen zwanzig, die quartalsweise in eine Excel-Tabelle wandern und dort sterben. Streichen Sie, was niemand liest – das ist gelebte Verbesserung.

SATZ 10Gescheitert wird am Verstecken, nie am Fehler

In über 30 Jahren ist keine einzige Firma an der Zertifizierung gescheitert, die ehrlich mit ihren Schwächen umging. Alle meine begleiteten Firmen haben das Audit im ersten Anlauf bestanden – nicht, weil sie fehlerfrei waren, sondern weil sie ihre Baustellen kannten und benennen konnten.

„Das klappt bei uns noch nicht, daran arbeiten wir so“ ist die stärkste Antwort, die es im Audit gibt. Vertuschen fliegt auf – und dann wird aus einer Kleinigkeit ein Vertrauensproblem.

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SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen

Worauf achten Auditoren im Zertifizierungsaudit wirklich?

Nicht auf perfekte Dokumente, sondern darauf, ob das System gelebt wird: Können Mitarbeiter ihre Abläufe erklären? Passt das, was im Handbuch steht, zu dem, was im Betrieb passiert? Wird offen über Fehler und Schwächen gesprochen? Ein Auditor merkt in den ersten Minuten, ob er ein echtes System oder eine Kulisse vor sich hat.

Wie erkennt ein Auditor, ob ein QM-System nur auf dem Papier existiert?

An drei Dingen: Nur der QM-Beauftragte kann Fragen beantworten, das interne Audit hat keine einzige Feststellung, und die Dokumente beschreiben eine Firma, die mit dem sichtbaren Betrieb wenig zu tun hat. Jedes dieser Signale für sich ist ein Hinweis – alle drei zusammen sind eindeutig.

Fällt man durch das Audit, wenn Abweichungen gefunden werden?

Nein. Nebenabweichungen sind normal und gefährden das Zertifikat nicht – sie werden mit einem Maßnahmenplan behoben. Kritisch wird es nur bei Hauptabweichungen, etwa wenn ganze Normkapitel nicht umgesetzt sind oder Nachweise fehlen. Wer sein System ehrlich betreibt, besteht das Audit auch mit Feststellungen.

Wie viel Dokumentation verlangt die ISO 9001 wirklich?

Deutlich weniger als oft behauptet. Seit der Revision 2015 schreibt die Norm weder ein QM-Handbuch noch eine feste Zahl dokumentierter Verfahren vor. Gefordert ist dokumentierte Information dort, wo sie für die Wirksamkeit nötig ist – den Umfang bestimmt das Unternehmen selbst, nach Größe und Risiko.

Ist ein internes Audit ohne Feststellungen ein gutes Zeichen?

In der Regel nicht. Null Feststellungen bedeuten fast immer, dass oberflächlich geprüft wurde. Ein internes Audit, das echte Schwachstellen findet und Maßnahmen anstößt, zeigt dem Zertifizierungsauditor, dass die Firma ihr System ernst nimmt – und macht das externe Audit entspannter.

Sollte man vor dem Audit Antworten mit den Mitarbeitern einüben?

Nein. Einstudierte Antworten wirken künstlich, und Auditoren fragen ohnehin nach dem Alltag, nicht nach auswendig gelernten Sätzen. Besser: Die Mitarbeiter wissen, wo ihre Dokumente liegen und warum sie tun, was sie tun. Ehrliche Antworten – auch ein „das läuft bei uns noch nicht rund“ – sind im Audit stärker als perfekte.

Was würde der Auditor zu Ihrem System sagen? Fragen Sie ihn – der KI-Auditor antwortet mit dem Wissen aus über 1.000 Audits, kostenlos und ohne Anmeldung. Oder direkt persönlich: Beratung zum Festpreis.

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Holger Grosser, ISO-9001-Berater seit 1994

Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor
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