Das interne Audit nach ISO 9001
Das interne Audit (Kap. 9.2) ist die Generalprobe vor dem Zertifizierungsaudit: Ein qualifizierter, vom geprüften Bereich unabhängiger Auditor prüft mindestens einmal pro Jahr, ob Ihre Prozesse der Planung entsprechen und wirksam sind. Ergebnis: Auditbericht mit Abweichungen und Verbesserungen – der Rohstoff für Maßnahmenplan und Managementbewertung.
GRUNDSATZ · KAP. 9.2Zweck: Partner, nicht Polizei
Das interne Audit sucht keine Schuldigen, sondern Verbesserungen. Mitarbeiter sollen erleben, dass ihr Blick auf die Abläufe zählt – dann liefern sie die besten Hinweise von selbst. Ein Auditor, der nur die Norm abfragt, verschenkt den eigentlichen Wert: aktuelle Probleme des Bereichs aufzugreifen und zu lösen.
Wichtig für die Neutralität: Niemand auditiert den eigenen Arbeitsbereich. In kleinen Firmen löst man das über Ringtausch – oder über einen externen internen Auditor.
ABLAUFDurchführung in 4 Schritten
| Schritt | Inhalt | Nachweis |
|---|---|---|
| 1 · Planen | Auditprogramm (welche Bereiche, wann) + Fragenkatalog, unternehmensspezifisch statt Standard-Checkliste | Auditplan |
| 2 · Durchführen | Gespräche vor Ort oder remote, Stichproben an echten Vorgängen | Notizen |
| 3 · Berichten | Abweichungen + Verbesserungspotenziale festhalten, mit den Beteiligten besprechen | Auditbericht |
| 4 · Nachverfolgen | Korrekturmaßnahmen mit Termin und Wirksamkeitsprüfung | Maßnahmenliste |
QUALIFIKATION · ISO 19011Wer intern auditieren darf
Die Norm schreibt keinen Schein vor – gefordert ist nachgewiesene Kompetenz: Normkenntnis, Auditmethodik (DIN EN ISO 19011) und die wichtigste Eigenschaft überhaupt: Zuhören. Ein ein- bis zweitägiger Workshop oder Lehrgang genügt als Nachweis; die Qualifikation dokumentieren Sie in der Schulungsübersicht.
Alternative für kleine Unternehmen: das interne Audit extern vergeben – als Remote-Audit zum Festpreis. Das spart die eigene Ausbildung und bringt den unabhängigen Blick gleich mit.
ABWEICHUNGEN · KAP. 10.2Umgang mit Abweichungen
Eine Abweichung ist kein Versagen, sondern ein kostenloser Verbesserungshinweis vor dem echten Audit. Jede Abweichung bekommt: Beschreibung, Ursache, Korrekturmaßnahme, Verantwortlichen, Termin, Wirksamkeitsprüfung. Genau diese Kette prüft später auch der Zertifizierungsauditor – wer sie im internen Audit übt, besteht das externe entspannt.
SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen
Wie oft muss ein internes Audit durchgeführt werden?
Die Norm sagt „in geplanten Abständen" – bewährt hat sich mindestens einmal jährlich, vollständig vor dem Zertifizierungs- bzw. Überwachungsaudit.
Wer darf das interne Audit durchführen?
Jeder nachweislich qualifizierte Mitarbeiter, der nicht den eigenen Bereich prüft. Alternativ ein externer Dienstleister – auch remote.
Braucht der interne Auditor ein Zertifikat?
Nein, die Norm fordert Kompetenz, keinen bestimmten Schein. Ein dokumentierter Workshop (1–2 Tage) genügt als Qualifikationsnachweis.
Was passiert mit Abweichungen aus dem internen Audit?
Sie werden mit Ursache, Korrekturmaßnahme, Verantwortlichem, Termin und Wirksamkeitsprüfung in die Maßnahmenliste aufgenommen – dieselbe Kette, die auch der Zertifizierungsauditor sehen will.
Kann das interne Audit remote stattfinden?
Ja – Dokumente und Gespräche lassen sich vollständig online prüfen. Für viele KMU ist das Remote-Audit zum Festpreis die effizienteste Lösung.
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Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor