Korrekturmaßnahmen nach ISO 9001
Eine Korrekturmaßnahme beseitigt die Ursache eines Fehlers, damit er nicht wieder auftritt – die Korrektur behebt nur den Fehler selbst. Seit der ISO 9001:2015 gibt es keine separaten „Vorbeugungsmaßnahmen" mehr; Vorbeugung steckt im risikobasierten Denken (Kap. 6.1). Nachweis: eine Zeile pro Fall in der Maßnahmenliste.
BEGRIFFE · KAP. 10.2Korrektur vs. Korrekturmaßnahme
Korrektur: das fehlerhafte Teil nacharbeiten, die falsche Rechnung stornieren – das Symptom beheben. Korrekturmaßnahme: die Prüfanweisung ändern, die Vorlage korrigieren, die Schulung ergänzen – die Ursache beseitigen, damit der Fehler nie wieder durchrutscht. Im Audit müssen Sie an einem Beispiel beides zeigen können; genau diesen Unterschied fragen Auditoren gern ab.
DOKUMENTATIONDie Ein-Zeilen-Dokumentation
Eine Maßnahmenliste mit sechs Spalten genügt: Fehler · Ursache · Maßnahme · Verantwortlicher · Termin · Wirksamkeitsprüfung. Auslöser sind typischerweise Reklamationen, Abweichungen aus dem internen Audit oder verfehlte Kennzahlen. Die Wirksamkeitsprüfung nach angemessener Frist (tritt der Fehler noch auf?) wird am häufigsten vergessen – und am häufigsten vom Auditor gesucht.
HISTORIE · 2008 → 2015Wohin die Vorbeugungsmaßnahmen verschwunden sind
Die ISO 9001:2008 kannte eigene Vorbeugungsmaßnahmen (Kap. 8.5.3). Seit 2015 sind sie im risikobasierten Denken aufgegangen: Risiken und Chancen werden vorab bewertet (Kap. 6.1), statt hinterher vorzubeugen. Wer noch ein altes Formular „Korrektur-/Vorbeugungsmaßnahmen" nutzt, kann es einfach umbenennen – die Logik dahinter bleibt gültig.
SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen
Was ist eine Korrekturmaßnahme nach ISO 9001?
Eine Maßnahme, die die Ursache einer Nichtkonformität beseitigt, damit sie nicht erneut auftritt (Kap. 10.2) – im Unterschied zur bloßen Korrektur des Fehlers.
Gibt es in der ISO 9001:2015 noch Vorbeugungsmaßnahmen?
Als eigene Forderung nicht mehr. Vorbeugung erfolgt über das risikobasierte Denken in Kapitel 6.1 – Risiken werden bewertet, bevor Fehler entstehen.
Wie dokumentiere ich Korrekturmaßnahmen am einfachsten?
Eine Maßnahmenliste mit Fehler, Ursache, Maßnahme, Verantwortlichem, Termin und Wirksamkeitsprüfung – eine Zeile pro Fall reicht dem Auditor.
Braucht jede Reklamation eine Korrekturmaßnahme?
Nein – erst wenn die Ursachenanalyse zeigt, dass der Fehler systematisch ist oder wiederkommen kann. Einmalige Ausrutscher werden korrigiert und dokumentiert, mehr nicht.
Was prüft der Auditor bei Korrekturmaßnahmen?
Die komplette Kette an einem Beispiel: Fehler → Ursache → Maßnahme → Wirksamkeit. Besonders die Wirksamkeitsprüfung wird gezielt gesucht.
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Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor