Ziele, Risiken und Chancen: Kapitel 6 aus der Projektliste – in zwei Stunden
Darum geht es
Sie haben diesen Kurs bereits begonnen.
Was dieser Kurs nicht leistet (aufklappen)
Kapitel 6: das Steuerkapitel – und warum es aus dem Internet nicht funktioniert
Kapitel 6 ist kurz – zwei Seiten in der Norm – und entscheidet, ob ein QM-System den Betrieb steuert oder nur beschreibt. Es verlangt drei Dinge: Risiken und Chancen bestimmen und Maßnahmen dazu planen (6.1), Qualitätsziele setzen, die messbar sind und zur Politik passen (6.2), und Änderungen am System geplant durchführen (6.3). Alles drei hängt an einer Kette, die der Auditor in Stufe 2 entlanggeht:
| Glied | Dokument | Frage des Auditors |
|---|---|---|
| Kontext, interessierte Parteien (4.1, 4.2) | Handbuch Kap. 1 | „Welche Themen beeinflussen Sie?“ |
| Risiken und Chancen (6.1) | Risiken- und Chancenanalyse | „Was tun Sie dagegen – und wo steht das?“ |
| Maßnahmen (6.1.2, 10) | Maßnahmenplan, Projektliste | „Ist das umgesetzt? Hat es gewirkt?“ |
| Qualitätsziele (6.2) | Zieltabelle | „Wo stehen Sie heute gegenüber dem Ziel?“ |
| Kennzahlen (9.1) | Kennzahlenblatt | „Womit messen Sie das?“ |
| Managementbewertung (9.3) | Bericht | „Was hat die Leitung daraus beschlossen?“ |
Warum die Internet-Liste scheitert: Eine kopierte Risikoanalyse hat zwanzig Zeilen („Fachkräftemangel“, „Cyberangriff“, „Konjunktur“), überall Bewertung 2 × 2, und keine Maßnahme, die im Betrieb jemand kennt. Der Auditor nimmt eine Zeile und fragt: „Was haben Sie dazu zuletzt getan?“ – Schweigen ist eine Abweichung gegen 6.1.2 (Maßnahmen planen und umsetzen). Das Gegenteil ist eine Liste mit acht Zeilen, in der hinter jeder ein Projekt steht, das der Chef ohnehin gerade macht: die neue Fräse, die E-Fahrzeuge, der zweite Lieferant, die Schulung der Objektleiter. Das ist risikobasiertes Denken, wie die Norm es in Anhang A.4 beschreibt – ohne formale Methode, ohne Risikoregister nach ISO 31000.
Die Methode dieses Kurses in einem Satz: Die Projekt- und Investitionsliste des Betriebs ist die Quelle; jedes Projekt wird als Maßnahme eingetragen, und die Themenspalte beantwortet die Frage, welches Risiko es verhindert oder welche Chance es nutzt. So entsteht in zwei Stunden eine Analyse, die jeden Audittag übersteht, weil sie den Betrieb beschreibt – nicht die Welt.
Zeitbedarf im Jahr: Erstellung zwei Stunden, Fortschreibung vor der Managementbewertung eine Stunde. Mehr ist in einem Betrieb bis 50 Mitarbeiter nicht angemessen – und Verhältnismäßigkeit verlangt die Norm ausdrücklich (6.1.2: Maßnahmen „verhältnismäßig zu den möglichen Auswirkungen“).
Die Projekt- und Investitionsliste als Quelle
Jeder Betrieb hat sie – als Zettel am Schreibtisch des Chefs, als Investitionsplan für die Bank oder nur im Kopf: die Liste dessen, was gerade läuft und was als Nächstes kommt. Diese Liste ist die Risiken- und Chancenanalyse, bevor sie geschrieben ist. Denn niemand investiert ohne Grund: Die neue Maschine kommt, weil die alte ausfällt (Risiko) oder weil ein Kunde mehr bestellen will (Chance). Die Schulung kommt, weil die Vorschrift es verlangt (Risiko) oder weil ein neues Geschäftsfeld lockt (Chance).
Die Liste in zwei Teilen – das steuert später den Status:
| Teil | Beispiele (Gebäudeservice, 38 Mitarbeiter) | Status in der Analyse |
|---|---|---|
| Bereits umgesetzt (letzte 12 Monate) | Zwei E-Fahrzeuge angeschafft · Tourenplanungssoftware eingeführt · Objektleiter-Schulung „Reklamationsgespräch“ · Mindestlohn-Dokumentation umgestellt | erledigt |
| Geplant (nächste 12 bis 24 Monate) | Dritter Standort · Einweisungs-App für neue Reinigungskräfte · Reinigungsmittel auf Konzentrate umstellen · Zweiter Objektleiter für Nachtschicht · Zertifizierung ISO 9001 | in Arbeit |
Was hineingehört: Maschinen und Anlagen · Fahrzeuge · Software und IT · Gebäude und Standorte · Personal (Einstellung, Nachfolge, Schulung) · Organisation (neue Rolle, neue Leistung, Auslagerung) · Zertifizierungen und Zulassungen · Energie und Umwelt (PV, LED, Heizung) · Vertrieb und Markt (neue Kundengruppe, Website, Messe). Richtwert: acht bis fünfzehn Einträge. Ein Betrieb mit drei Einträgen hat nicht zu wenig Risiken – er hat die Liste nicht vollständig aufgeschrieben.
Was nicht hineingehört: Tagesgeschäft („Aufträge pünktlich liefern“), Wünsche ohne Entscheidung („irgendwann mal digitalisieren“), Normforderungen als Projekt („Risikoanalyse erstellen“). Und: Jedes Projekt wörtlich übernehmen, wie der Chef es nennt – nicht in Normsprache übersetzen. „Neue Fräse Hersteller X“ bleibt „Neue Fräse Hersteller X“.
📄 Vorlage Projekt- und Investitionsliste (Excel, zwei Teile)
Für die Fortschreibung: Die Liste wird jedes Jahr vor der Managementbewertung um die neuen Projekte ergänzt; umgesetzte wandern von „geplant“ nach „umgesetzt“. Das ist zugleich der Nachweis für 6.1.2 b (Wirksamkeit bewerten) und 9.3.2 e (Wirksamkeit der Maßnahmen zu Risiken und Chancen).
Die Zuordnungsregel: Risiko oder Chance – nie beides
Die eine Regel, die fast jeder beim ersten Mal verletzt: Ein Projekt steht genau einmal in der Analyse – als Maßnahme, in genau einer der beiden Tabellen. Nicht als Risiko und Chance, nicht in der Themenspalte wiederholt, nicht zweimal mit verschiedenen Worten. Sonst entsteht eine Liste, in der jede zweite Zeile dieselbe ist, und der Auditor fragt, warum die neue Software ein Risiko sein soll.
Die Kontrollfrage: Was passiert, wenn wir das Projekt nicht machen?
| Antwort | Zuordnung | Themenspalte (der Grund) | Maßnahmenspalte (das Projekt, wörtlich) |
|---|---|---|---|
| Ein Schaden, Ausfall, Verstoß, Verlust | Risiko | „Ausfall der Fertigung durch überalterte CNC-Anlage ohne Ersatzteilversorgung“ | Neue CNC-Fräse Hersteller X |
| Ein entgangener Vorteil, Wachstum, Einsparung | Chance | „Senkung der Energiekosten und Nutzung der Förderung für Elektromobilität“ | Zwei E-Fahrzeuge für die Objektleiter |
| Beides denkbar | Das, was überwiegt – im Zweifel Risiko, wenn Vorschrift, Sicherheit oder Kunde dahinterstehen |
Die Themenspalte ist immer der Grund – ein bis zwei Sätze, als Risiko oder Chance formuliert, mit den Rollen, Kunden und Vorschriften der Branche, ohne Projektnamen. Falsch: „Risiko: neue Software“. Richtig: „Doppelte Datenpflege und Terminfehler durch Tourenplanung auf Papier; Kunden erwarten verlässliche Einsatzzeiten.“
Beispiele – so sieht die Zuordnung in der Praxis aus:
| Projekt (wörtlich) | Zuordnung | Grund in der Themenspalte |
|---|---|---|
| Zweiter Lieferant für Aluminiumprofile | Risiko | Lieferengpass durch Einzellieferant; Lieferzeiten für Kundenaufträge nicht haltbar |
| Website mit Online-Anfrage | Chance | Neue Kundengruppen und mehr Anfragen ohne zusätzlichen Vertriebsaufwand |
| Nachfolge Meister (geht 2028 in Rente) | Risiko | Verlust von Fertigungswissen und Kundenkontakten; Betrieb ohne Meister nicht arbeitsfähig |
| Schulung Objektleiter Reklamationsgespräch | Chance | Höhere Kundenbindung und weniger Vertragskündigungen durch professionelle Reklamationsbearbeitung |
| Ersthelfer-Ausbildung für drei Mitarbeiter | Risiko | Verstoß gegen DGUV Vorschrift 1 und Gefahr für Mitarbeiter bei Unfällen ohne Ersthelfer |
| PV-Anlage auf dem Hallendach | Chance | ESG: Senkung der Stromkosten und Unabhängigkeit von Preissteigerungen; Nachweis für Kunden mit Nachhaltigkeitsanforderungen |
| Backup-System mit täglicher Sicherung | Risiko | Datenverlust bei Ausfall oder Angriff; Auftragsdaten und Kundendaten nicht wiederherstellbar |
| Dritter Standort | Chance | Erschließung einer neuen Region und Aufträge aus Ausschreibungen mit Anfahrtsbegrenzung |
Zwei ähnliche Projekte (etwa zwei Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung) dürfen auf beide Tabellen verteilt werden, damit beide gefüllt sind – dann muss der Grund jeweils zur Tabelle passen.
📄 Zuordnungsregel mit 30 Beispielprojekten aus vier Branchen
Der Test: Lesen Sie die Themenspalte einer Zeile vor, ohne die Maßnahme. Erkennt ein Kollege, warum das Projekt nötig ist? Dann ist die Zeile richtig.
Risiken bewerten: Wahrscheinlichkeit × Eskalationsstufe
Die Norm verlangt keine Zahlen. Aber ohne Zahlen kann niemand sagen, welches der acht Risiken zuerst eine Maßnahme braucht – und genau das fragt der Auditor. Die Skala, die sich in Kleinbetrieben bewährt hat, ist bewusst grob: zwei Faktoren, Produkt, Ampel.
Wahrscheinlichkeit (wie oft tritt das Ereignis ohne die Maßnahme ein?):
| Stufe | Bedeutung |
|---|---|
| 1 gering | höchstens einmal im Jahr |
| 2 mittel | zwei- bis dreimal im Jahr |
| 3 hoch | viermal im Jahr und öfter |
Eskalationsstufe (was richtet ein Eintritt an?):
| Stufe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 gering | bis etwa 500 €, sofort behebbar | Lieferverzug um zwei Tage, Nacharbeit einer Position |
| 2 mittel | greift liquide Mittel an, Betrieb kurz beeinträchtigt | Maschinenstillstand eine Woche, Auftrag verloren |
| 3 kritisch | greift Rücklagen an, Betrieb vorübergehend nicht arbeitsfähig | Ausfall des Meisters drei Monate, Datenverlust |
| 4 katastrophal | nicht behebbar | Verlust der Zulassung, Unfall mit Personenschaden, Verlust des Hauptkunden |
Ergebnis = Wahrscheinlichkeit × Eskalationsstufe (1 bis 12). Ampel: bis 3 grün (beobachten), 4 bis 5 gelb (Maßnahme planen), ab 6 rot (Maßnahme mit Termin in den Maßnahmenplan).
Drei Plausibilitätsregeln, die der Auditor im Kopf hat:
- Ein beauftragtes Projekt hat ein Ergebnis von mindestens 4. Sonst hätte der Chef das Geld nicht ausgegeben. Wer hinter einer 30.000-Euro-Investition 1 × 2 schreibt, widerspricht sich selbst.
- 1 × 1 gibt es praktisch nicht, wenn ein Projekt dahintersteht; die Standardzeile „kein Risiko erkannt“ bekommt keine Bewertung (die Zellen bleiben leer).
- Vorschriften- und Sicherheitsrisiken bekommen Eskalationsstufe 4 – fehlende Qualifikation (Ersthelfer, Elektrofachkraft, Fahrerlaubnis), Arbeitszeitverstöße, Gefahrstoffe, Mindestlohn, Datenschutz. Nicht, weil der Schaden immer katastrophal ist, sondern weil ein Verstoß nicht „ein bisschen“ behoben werden kann.
Bewertung vor oder nach der Maßnahme? Vor der Maßnahme – die Analyse begründet, warum die Maßnahme nötig ist. Dass die Maßnahme wirkt, zeigt die Statusspalte („erledigt“) und die Wirksamkeitsbewertung in der Managementbewertung. Wer „nach Maßnahme“ bewertet, hat lauter grüne Zeilen und kann nicht erklären, warum er investiert hat.
📄 Bewertungsskala für Risiken und Chancen – Legende zum Ausdrucken
Chancen bewerten: Realisierung × Nutzen
Chancen sind in der Norm gleichberechtigt mit Risiken – in den meisten Analysen stehen sie trotzdem als Nachgedanke mit zwei Zeilen am Ende. Dabei sind Chancen das, was der Chef gern erzählt: der neue Kunde, der dritte Standort, die Website, die Förderung. Die Projektliste liefert sie frei Haus; die Bewertung ist einfacher als bei Risiken.
Realisierung (wie wahrscheinlich tritt der Nutzen ein, wenn wir das Projekt machen?): 1 gering · 2 mittel · 3 hoch.
Nutzen (was bringt es?):
| Stufe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 gering | spürbar, aber klein | Website-Relaunch bringt einzelne Anfragen |
| 2 mittel | merklicher Beitrag zu Umsatz, Kosten oder Zufriedenheit | Tourenplanung spart je Objektleiter eine Stunde täglich |
| 3 hoch | verändert ein Geschäftsfeld oder die Kostenstruktur | Dritter Standort erschließt neue Ausschreibungen |
| 4 sehr hoch | einmalige Gelegenheit – sparsam vergeben | Übernahme eines Wettbewerbers mit Kundenstamm; Zulassung, die Wettbewerber nicht haben |
Ergebnis = Realisierung × Nutzen (1 bis 12); ab 6 gehört die Chance mit Termin in den Maßnahmenplan, weil sie sonst versandet. Die Stufe 4 beim Nutzen gibt es höchstens einmal je Analyse; wer sie dreimal vergibt, hat keine Prioritäten.
Typische Chancen in Kleinbetrieben (aus über 1 000 Analysen): Neue Kundengruppe oder Region · Digitalisierung eines Ablaufs (Zeitersparnis) · Energie- und Kosteneinsparung (ESG) · Qualifikation für neues Leistungsangebot · Zertifizierung als Marktzugang · Mitarbeiterbindung (Sozialleistungen, Arbeitszeitmodelle) · Förderprogramme (BAFA, KfW, Landesprogramme) · Partnerschaften und Kooperationen.
Warum unterbewertet: Chancen haben keine Deadline und keinen Schmerz. Deshalb die Regel: Jede Chance mit Ergebnis ≥ 6 bekommt einen Termin und einen Verantwortlichen wie ein Risiko – sonst steht sie nächstes Jahr unverändert in der Liste, und der Auditor fragt, was daraus geworden ist (9.3.2 e).
Die Tabelle füllen: Spalten, Bereiche, Status, Standardzeilen
Zwei Tabellen, ein Blatt Legende – mehr ist die Analyse nicht. Die Spalten sind so gewählt, dass jede Zeile die Fragen des Auditors beantwortet: Wen betrifft es? Was ist das Risiko? Wie schlimm? Was tun wir? Bis wann? Wer? Steht es schon?
Risikenanalyse (10 Spalten):
| Spalte | Inhalt | Regel |
|---|---|---|
| A Interessierte Partei / Bereich | Wen betrifft es? | Aus dem Vorrat (unten); Kombinationen mit „/“ erlaubt |
| B Risiken / interne und externe Themen | Der Grund | 1–2 Sätze, kein Projektname, branchennah |
| C Wahrscheinlichkeit | 1–3 | Modul 4 |
| D Eskalationsstufe | 1–4 | Modul 4 |
| E Ergebnis | Formel C × D | Ampel in der Vorlage |
| F Vorbeugemaßnahmen | Das Projekt, wörtlich | Aus der Projektliste |
| G Korrekturmaßnahmen | leer | Wird nur nach eingetretenem Schaden gefüllt (Kap. 10.2) |
| H Termin | Nur wenn im Projekt genannt | Sonst leer – nicht raten |
| I Verantwortlicher | GF | Im Kleinbetrieb immer die Geschäftsführung; Delegation steht im Maßnahmenplan |
| J Status | erledigt / in Arbeit | Aus der Zweiteilung der Projektliste; nur diese beiden Werte |
Chancenanalyse (9 Spalten): Bereich · Chance · Realisierung · Nutzen · Ergebnis · Maßnahme · Termin · Verantwortlicher · Status – ohne Korrekturmaßnahmen.
Vorrat der Bereiche: Mitarbeiter · Kunden / Endnutzer · Lieferanten / Partner · Markt · Mitbewerber · Produkte · Standort · Geschäftsführung · Unternehmen / Gesellschafter · Behörden · Banken · Umwelt · Umfeld / Nachbarschaft · Verbände · Datenschutz · QM-System · Ziele · Soziales · Mitarbeiter / Arbeitsschutz. Derselbe Vorrat wie bei den interessierten Parteien im Handbuch – so greifen 4.2 und 6.1 ineinander.
Standardzeilen: Für Banken, Lieferanten / Partner, Umfeld / Nachbarschaft und Verbände je eine Zeile am Ende jeder Tabelle: „Es wurde kein Risiko erkannt.“ bzw. „Es wurde keine Chance erkannt.“, Bewertung leer, Status erledigt. Das belegt, dass die Partei betrachtet wurde – die Norm verlangt Bestimmung, nicht Erfindung. Ist einer dieser Partei bereits ein Projekt zugeordnet (etwa ein Lieferant), entfällt ihre Standardzeile.
Lückenregel: Was sich nicht belegen lässt (Status unklar, Termin unbekannt), wird nicht geraten, sondern als „[bitte ergänzen – Grund]“ eingetragen und vor der Freigabe geklärt. Geratene Termine sind die häufigste Abweichung bei Fortschreibungen: Der Auditor fragt nach dem Termin, der längst vorbei ist.
📄 Vorlage Risiken- und Chancenanalyse (Excel: Legende, Risiken, Chancen, Formeln und Ampel)
Reihenfolge der Zeilen: erst die Projektzeilen in der Reihenfolge der Projektliste, dann die Standardzeilen. Keine Sortierung nach Ergebnis – die Liste soll sich mit der Projektliste lesen lassen.
ESG mitdenken: Energie, Umwelt, Soziales und der Klimawandel im Kontext
Seit dem Amendment 2024 steht in Kapitel 4.1 der Satz, dass die Organisation bestimmen muss, ob der Klimawandel ein relevantes Thema ist – und in 4.2, dass interessierte Parteien Anforderungen zum Klimawandel haben können. Die Ausgabe 2026 greift Nachhaltigkeit ausdrücklich auf. Für einen Kleinbetrieb heißt das nicht Umweltmanagement; es heißt, dass die Analyse zeigt, dass man die Frage gestellt hat.
Praktische Regel: Jedes Projekt, das Energie, Umwelt, Klima, Arbeitsschutz oder Soziales berührt, bekommt in der Themenspalte das Präfix „ESG:“ (bei Sozialem „ESG (Soziales):“). Die Zuordnung Risiko/Chance ändert sich dadurch nicht.
| Projekt | ESG-Aspekt | Themenspalte (Auszug) |
|---|---|---|
| Zwei E-Fahrzeuge | Energie, Klima | „ESG: Senkung von Kraftstoffkosten und CO₂; Kunden mit Nachhaltigkeitsanforderungen in Ausschreibungen“ (Chance) |
| PV-Anlage, LED-Umrüstung, Wärmepumpe | Energie | „ESG: Steigende Strompreise belasten die Kalkulation“ (Risiko) oder „ESG: Einsparung …“ (Chance) |
| Reinigungsmittel auf Konzentrate umstellen | Umwelt, Gefahrstoffe | „ESG: Weniger Verpackung und Transport; geringere Gefahrstoffmengen in Objekten“ (Chance) |
| Ersthelfer, Gefährdungsbeurteilung, Schutzausrüstung | Arbeitsschutz | „ESG (Soziales): Verstoß gegen DGUV-Vorschriften, Gefahr für Mitarbeiter“ (Risiko, Stufe 4) |
| Homeoffice-Regelung, Jobrad, Zusatzversicherung | Soziales | „ESG (Soziales): Mitarbeiterbindung bei Fachkräftemangel“ (Chance) |
| Klimawandel: Hitze in der Halle, Starkregen am Standort | Klimaanpassung | „ESG: Produktionsausfall an Hitzetagen; Hochwasserschutz am Standort“ (Risiko) |
Klimawandel als Kontextthema – die Minimalantwort: Eine Zeile in der Kontexttabelle des Handbuchs („Externe Themen: Klimawandel – Hitzetage in der Halle, Energiepreise, Kundenanforderungen zur Nachhaltigkeit“) und, wenn ein Projekt dazu existiert, eine ESG-Zeile in der Analyse. Existiert keins, steht in der Managementbewertung ein Satz: „Klimawandel betrachtet; derzeit kein Handlungsbedarf über die ESG-Maßnahmen hinaus.“ Das genügt der Norm.
Abgrenzung: Eine Umweltaspektebewertung (ISO 14001) oder energetische Bewertung (ISO 50001) ist etwas anderes – mit eigenen Skalen und Pflichten. Wer nur ISO 9001 zertifiziert, braucht sie nicht; wer ISO 14001 dazu nimmt, führt die ESG-Zeilen in dieselbe Tabelle und ergänzt die Umweltaspekte als eigenes Blatt.
📄 ESG-Checkliste: 19 Projekte, die Energie, Umwelt und Soziales berühren – mit Zuordnung
Qualitätsziele messbar: die sechs Spalten und die sechs Standardziele
Kapitel 6.2 ist präzise: Ziele müssen im Einklang mit der Politik stehen, messbar sein, überwacht, kommuniziert und aktualisiert werden (6.2.1) – und zu jedem Ziel ist festzulegen, was getan wird, welche Ressourcen, wer, bis wann und wie bewertet wird (6.2.2). Das sind genau die sechs Spalten der Zieltabelle:
| Bereich / Prozess | Ziel | Messgröße | Maßnahmen / Ressourcen | Verantwortlich / Termin | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Finanzen / Wertschöpfung | Umsatzsteigerung um 5 % | Umsatz (BWA) | Bestandskunden halten, Neukunden, zwei Marketingaktionen | GF / 31.12. | (leer bis Jahresende) |
| Angebote / Wertschöpfung | 40 % der Angebote werden Aufträge | Angebotsquote | Angeboten nachtelefonieren, Vertriebszeiten blocken | GF / 31.12. | |
| Reklamationen / Wertschöpfung | Höchstens 2 Reklamationen | Anzahl Reklamationen | Prüfpunkt vor Lieferung, Fehlersammelliste | GF / 31.12. | |
| Kundenzufriedenheit / Wertschöpfung | Bewertung besser als 4 (Schulnote) | Note aus Kundenbewertung | Maßnahmen aus Rückmeldungen umsetzen | GF / 31.12. | |
| Lieferanten / Unterstützung | Lieferantenbewertung besser als 4 | Note | Gespräche mit C-Lieferanten, Alternativen | GF / 31.12. | |
| QM / Führung | Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 | Zertifikat | Berater, internes Audit, Zertifizierer beauftragt | GF / 31.12. |
Das sind die sechs Standardziele, mit denen fast jeder Kleinbetrieb startet – weil sie messbar sind, ohne dass neue Zählungen eingeführt werden müssen: Umsatz steht in der BWA, Angebote und Reklamationen in der Ablage, Noten in der Kunden- und Lieferantenbewertung. Dazu kommen ein bis drei betriebseigene Ziele aus der Projektliste: Chancen mit Ergebnis ≥ 6 werden Ziel („Dritter Standort eröffnet bis 30.09.“), Risiken mit Stufe 4 ebenso („Alle Objektleiter Ersthelfer bis 31.03.“).
Drei Fehler, die Auditoren sofort sehen: Ein Ziel ohne Zahl („Kundenzufriedenheit steigern“) · ein Ziel ohne Maßnahme (dann ist es eine Hoffnung) · ein Ziel, das nicht zur Politik passt (Politik verspricht Termintreue, kein Ziel misst sie).
📄 Vorlage Ziele und Prozesskennzahlen (Excel) mit den sechs Standardzielen
Verantwortlich ist im Kleinbetrieb die GF – auch wenn der Meister die Maßnahme umsetzt. Die Delegation steht in der Maßnahmenspalte oder im Maßnahmenplan; die Verantwortung für das Ziel bleibt oben. So fragt der Auditor die richtige Person.
Ziele aus Politik und Prozesskennzahlen – und die Zielterminregel
Die Norm verlangt, dass Ziele „im Einklang mit der Qualitätspolitik“ stehen (6.2.1 a) und dass die Politik „einen Rahmen für das Festlegen von Qualitätszielen“ bietet (5.2.1 b). Der einfachste Test: Jeder Versprechenssatz der Politik muss ein Ziel haben, jedes Ziel einen Satz in der Politik.
| Satz in der Politik | Ziel | Kennzahl (aus der Prozessliste) |
|---|---|---|
| „Termintreue ist unser wichtigstes Versprechen.“ | Termintreue ≥ 95 % | K1 Termintreue (W1) |
| „Schnelle Reaktion … ist der Maßstab.“ | Rückruf binnen 30 min bei 90 % | K3 Reaktionszeit (W2) |
| „Wir wählen Lieferanten sorgfältig aus und bewerten sie.“ | Lieferantenbewertung besser als 4 | Note (U5) |
| „Wir verbessern unser QM-System fortlaufend.“ | Alle Auditmaßnahmen termingerecht | Termintreue Maßnahmen (F4) |
Kennzahl je Prozess: Eine je Prozess reicht (Modul „Prozessliste“ im Handbuch-Kurs). Die Kennzahlen der Wertschöpfung (Termintreue, Reklamationen, Angebotsquote) werden fast immer Ziele; die Kennzahlen der Führungs- und Unterstützungsprozesse (Auditabdeckung, Kalibriertermintreue) werden nur dann Ziel, wenn sie im Vorjahr verfehlt wurden.
Die Zielterminregel – damit nicht jedes Ziel einen anderen Termin hat und die Managementbewertung alle auf einmal bewerten kann:
| Datum der Zieltabelle (Stand) | Termin aller Ziele | Jahr im Kopf der Tabelle |
|---|---|---|
| Januar bis September | 31.12. des laufenden Jahres | laufendes Jahr |
| Oktober bis Dezember | 31.12. des Folgejahres | Folgejahr |
Beispiel: Zieltabelle mit Stand Oktober 2026 → alle Termine 31.12.2027, Kopf „Ziele 2027“. Keine anderen Termine – nicht „12/2026“, nicht „laufend“, nicht „Q2“. Ausnahme: ein Projektziel mit echtem Termin aus der Projektliste („Standort eröffnet bis 30.09.“) darf seinen Termin behalten.
Überwachen und kommunizieren (6.2.1 e, f): Ist-Werte quartalsweise in die Spalte „Ergebnis“ oder auf das Kennzahlenblatt, Besprechung mit Protokollzeile. Der Auditor fragt: „Wo stehen Sie heute?“ – ein Ziel, dessen Ist-Wert niemand kennt, ist eine Abweichung gegen 6.2.1 e, nicht gegen das Ziel selbst.
Zwei Versionen jedes Jahr: Rückblick mit Ergebnis, Vorschau mit Termin
Ziele „müssen aktualisiert werden, sofern angemessen“ (6.2.1 g), und die Managementbewertung muss das „Ausmaß, in dem Qualitätsziele erfüllt wurden“ berücksichtigen (9.3.2 c 2). Beides zusammen ergibt einen Jahresrhythmus mit zwei Versionen derselben Tabelle:
| Version | Kopf | Spalte Ergebnis | Termine | Wann |
|---|---|---|---|---|
| Rückblick | Ziele 2026 | gefüllt: „erreicht (Ist 96 %)“ oder „nicht erreicht (Ist 88 %) – siehe Managementbewertung“ | unverändert | vor der Managementbewertung |
| Vorschau | Ziele 2027 | leer | nach der Zielterminregel | nach der Managementbewertung, als Beschluss |
Rückblick ausfüllen – Regeln: Nur leere Ergebniszellen füllen, bestehende Einträge nie überschreiben. Jedes Ergebnis mit dem Ist-Wert, nicht nur mit „erreicht“. Ein nicht erreichtes Ziel ist keine Abweichung – ein nicht erreichtes Ziel ohne Bewertung in der Managementbewertung ist eine. Dort steht dann: Ursache, Beschluss (Ziel übernehmen, anpassen, streichen), Maßnahme.
Vorschau erstellen – drei Entscheidungen je Ziel:
| Ergebnis im Rückblick | Übliche Entscheidung | Beispiel |
|---|---|---|
| erreicht, Ziel bleibt wichtig | übernehmen, Zielwert anheben oder halten | Termintreue 96 % → Ziel 97 % |
| erreicht, Ziel ist Dauerzustand | in die Kennzahlen überführen, aus den Zielen streichen | Zertifizierung erreicht → Kennzahl „Zertifikat gültig“ |
| nicht erreicht | übernehmen mit neuer Maßnahme; Zielwert realistisch prüfen | Reklamationen 5 statt 2 → Ziel 3, Maßnahme Prüfpunkt |
| Neues aus Projektliste | aufnehmen (Chancen ≥ 6, Risiken Stufe 4) | Einweisungs-App bis 30.06. |
Bewertungszeiträume, damit Ziele, Lieferantenbewertung und Kundenzufriedenheit zusammenpassen: Stand der Dokumente Januar bis Juni → Bewertungszeitraum ganzes Vorjahr; Juli bis Dezember → erstes Halbjahr des laufenden Jahres. Im Kopf der jeweiligen Tabelle steht der Zeitraum ausdrücklich.
Ablage: Beide Versionen mit Stand im Dateinamen (Ziele_2026_Rueckblick_2027-01-15.xlsx, Ziele_2027_2027-01-15.xlsx) im Ordner 05 Führung. Die Rückblick-Datei ist die Aufzeichnung nach 9.1.1, die Vorschau die dokumentierte Information nach 6.2.1.
Die Verbindung zum Maßnahmenplan: was ab Ergebnis 6 passiert
Die Analyse bewertet, der Maßnahmenplan verfolgt. Beide Dokumente zu pflegen, ohne dass sie sich widersprechen, gelingt mit einer Regel: Jede Zeile der Analyse mit Ergebnis ≥ 6 und Status „in Arbeit“ ist zugleich eine Zeile im Maßnahmenplan – mit Quelle „Risiko R3“ oder „Chance C2“, Verantwortlichem (hier darf delegiert werden), Termin und Wirksamkeitsbewertung.
| Analyse (Risiko R3) | Maßnahmenplan |
|---|---|
| Bereich: Mitarbeiter / Arbeitsschutz | Nr. M-2026-07 · Quelle: Risiko R3 |
| Risiko: ESG (Soziales): Verstoß gegen DGUV Vorschrift 1 – keine Ersthelfer in der Nachtschicht | Maßnahme: Ersthelfer-Ausbildung für drei Mitarbeiter der Nachtschicht |
| Bewertung 2 × 4 = 8 | Verantwortlich: Objektleitung Nacht · Termin 31.03. |
| Vorbeugemaßnahme: Ersthelfer-Ausbildung für drei Mitarbeiter | Status: in Arbeit → erledigt am … |
| Status: in Arbeit | Wirksamkeit (nach 3 Monaten): Ersthelfer in jeder Schicht laut Dienstplan – wirksam |
Der Ein-Plan-Regel folgen: Ein Maßnahmenplan für alles – Audit, Reklamation, Risiko, Chance, Ziel, Managementbewertung – mit einer Spalte „Quelle“. Fünf Listen an fünf Orten sind der häufigste Grund, warum Maßnahmen im Audit als „nicht verfolgt“ auffallen.
Korrekturmaßnahmen (Spalte G der Risikenanalyse) bleiben leer, solange das Risiko nicht eingetreten ist. Tritt es ein (die Maschine fällt aus, der Lieferant liefert nicht), wird die Reaktion dort eingetragen und als Nichtkonformität nach 10.2 behandelt: Ursache, Maßnahme, Wirksamkeit. Die Vorbeugemaßnahme bleibt stehen – sie war offenbar nicht ausreichend, und das steht in der nächsten Managementbewertung.
Wirksamkeit bewerten (6.1.2 b): drei Monate nach „erledigt“ eine Zeile: Was hat sich messbar geändert? Kein Ausfall mehr, Reklamationen von 5 auf 2, Kraftstoffkosten minus 18 %. Ohne diese Zeile ist die Maßnahme erledigt, aber nicht bewertet – und 9.3.2 e verlangt genau die Bewertung.
Der Kurs „Managementbewertung und Jahreswechsel“ zeigt den Maßnahmenplan im Detail; hier reicht die Regel ≥ 6.
Was der Auditor zu Kapitel 6 fragt – und welche Nachweise er sehen will
Auditoren prüfen Kapitel 6 nicht am Dokument, sondern an der Kette: Sie nehmen eine Zeile und verfolgen sie bis zur Wirkung. Wer die Zeile belegen kann, hat Kapitel 6 bestanden; wer nur das Dokument zeigt, nicht.
Die Normstellen, die geprüft werden:
| Stelle | Anforderung in einem Satz | Nachweis im Kleinbetrieb |
|---|---|---|
| 6.1.1 | Risiken und Chancen aus Kontext und interessierten Parteien bestimmen | Analyse mit Bereich je Zeile; Verbindung zu Handbuch Kap. 1 |
| 6.1.2 a) | Maßnahmen planen | Spalte Vorbeugemaßnahme / Maßnahme gefüllt |
| 6.1.2 b) | Maßnahmen in die Prozesse integrieren und Wirksamkeit bewerten | Status, Maßnahmenplan, Managementbewertung 9.3.2 e |
| 6.2.1 | Ziele messbar, politikkonform, überwacht, kommuniziert, aktualisiert | Zieltabelle Rückblick und Vorschau, Protokollzeile |
| 6.2.2 | Was, Ressourcen, Wer, Wann, Bewertung | Die sechs Spalten |
| 6.3 | Änderungen geplant: Zweck, Folgen, Ressourcen, Verantwortung | Protokoll der Teambesprechung, Änderungsverzeichnis |
Typische Fragen (aus echten Audits, anonymisiert):
- „Zeigen Sie mir Ihre Aufstellung der Risiken und Chancen: Welchen Eintrag haben Sie zuletzt angepasst, warum, und was ist daraus im Tagesgeschäft geworden?“ → Analyse mit Stand, Maßnahmenplan-Zeile, Beleg der Umsetzung.
- „Nehmen wir Ihre letzte größere Investition: Welche Risiken und Chancen haben Sie vorher bewertet?“ → Die Zeile der Analyse, in der das Projekt als Maßnahme steht.
- „Nehmen wir Ihr wichtigstes Qualitätsziel vom Jahresanfang: Wo stehen Sie heute, und was haben Sie unternommen, als Sie gemerkt haben, dass es eng wird?“ → Ist-Wert, Protokollzeile, Maßnahme.
- „Nehmen wir Ihre kritischste Komponente, die nur von einem Lieferanten kommt: Was passiert bei Ausfall?“ → Zeile Risiko mit Maßnahme „zweiter Lieferant“ oder bewusste Entscheidung mit Begründung.
- „Wie haben Sie die Einführung der neuen Software geplant – Zweck, Folgen, Zuständigkeiten?“ (6.3) → Protokoll.
Die vier häufigsten Abweichungen: Risiken ohne Maßnahme (6.1.2 a) · Maßnahmen ohne Wirksamkeitsbewertung (6.1.2 b) · Ziele ohne Ist-Wert (6.2.1 e) · Ziele ohne Messgröße (6.2.1 b). Alle vier sind in zehn Minuten behoben, wenn die Tabellen nach diesem Kurs aufgebaut sind.
📄 Zwanzig Auditfragen zu Kapitel 6 mit Nachweis – zur Selbstprüfung
Antwort in fünf Minuten: Analyse öffnen, Projektliste daneben, Maßnahmenplan dazu, Zieltabelle Rückblick und Vorschau. Mit diesen vier Dateien ist Kapitel 6 in jedem Audit in fünf Minuten erledigt – das ist der Maßstab.
Planung von Änderungen (6.3): das vergessene Kapitel in einem Absatz
Kapitel 6.3 ist drei Zeilen lang und wird in jedem zweiten Audit gefragt – meist mit dem Satz: „Sie haben im letzten Jahr die Software gewechselt. Wie haben Sie das geplant?“ Die Norm will vier Dinge: Zweck und mögliche Folgen, Integrität des Systems (läuft der Rest weiter?), Ressourcen, Verantwortung.
Welche Änderungen gemeint sind: Änderungen am QM-System – neue Leistung oder Produktgruppe, neuer Standort, neue Software für Aufträge oder Tickets, neue Rolle oder Wegfall einer Rolle, Auslagerung eines Prozesses, Wechsel des Zertifizierers, Umstellung auf eine neue Normausgabe. Nicht gemeint: Änderungen an einem einzelnen Auftrag – das ist 8.5.6 und steht in der Auftragsmappe.
Die Vier-Fragen-Zeile – im Protokoll der Teambesprechung, mehr braucht ein Kleinbetrieb nicht:
| Änderung | Zweck / Folgen | Was bleibt unverändert | Ressourcen | Verantwortlich / Termin |
|---|---|---|---|---|
| Tourenplanungssoftware einführen | Weniger Terminfehler, Einsatzzeiten für Kunden verlässlich; Folge: Objektleiter brauchen Schulung, zwei Wochen Doppelbetrieb | Einsatzplan-Freigabe durch Objektleitung, Leistungsnachweis | Lizenz, 2 Schulungstage, Tablets | GL / 30.04. |
Die Projektliste liefert auch hier die Kandidaten: Jedes Projekt, das einen Prozess im Handbuch verändert, bekommt diese Zeile. Nach der Umsetzung kommt der neue Stand ins Änderungsverzeichnis des Handbuchs – und damit ist 6.3 belegt, ohne ein einziges neues Formular.
Die Verbindung zur Normumstellung 2026: Die Umstellung auf ISO 9001:2026 ist selbst eine Änderung nach 6.3 – Zweck (Zertifikat behalten), Folgen (neue Anforderungen zu Klimawandel, Qualitätskultur, Ethik), Ressourcen (Schulung, Anpassung Handbuch), Verantwortung (GL). Der Kurs „Umstellung auf ISO 9001:2026“ zeigt den Weg.
Die zehn häufigsten Fehler in Risikoanalysen und Zieltabellen
Zehn Fehler, die zusammen über 90 % der Feststellungen zu Kapitel 6 ausmachen – mit dem Satz, der sie verhindert.
| Nr. | Fehler | Woran der Auditor ihn erkennt | Regel |
|---|---|---|---|
| 1 | Internet-Risiken ohne Betriebsbezug | „Konjunktur“, „Cyberangriff“, „Pandemie“ ohne Maßnahme, die jemand kennt | Nur Zeilen, hinter denen ein Projekt oder ein belegter Vorfall steht |
| 2 | Alles 2 × 2 | Zwanzig Zeilen, alle Ergebnis 4, keine Priorität | Beauftragtes Projekt ≥ 4; Vorschriften Stufe 4; Nutzen 4 nur einmal |
| 3 | Projekt in der Themenspalte | „Risiko: neue Software“ | Themenspalte ist der Grund, Maßnahmenspalte das Projekt |
| 4 | Risiko und Chance doppelt | Dieselbe Maßnahme in beiden Tabellen | Genau eine Zuordnung – Kontrollfrage „Was, wenn nicht?“ |
| 5 | Termine geraten | Termin ist vorbei, Status „in Arbeit“ | Termin nur aus der Projektliste; sonst leer |
| 6 | Verantwortliche delegiert | „Verantwortlich: Azubi“ für das Risiko Datenverlust | Analyse: GF; Delegation im Maßnahmenplan |
| 7 | Ziele ohne Zahl | „Kundenzufriedenheit verbessern“ | Jedes Ziel hat Messgröße und Zielwert |
| 8 | Ziele ohne Maßnahme | Spalte Maßnahmen leer | Ohne Maßnahme ist es eine Hoffnung; streichen oder Maßnahme eintragen |
| 9 | Rückblick ohne Ist-Wert | „erreicht“ ohne Zahl | „erreicht (Ist 96 %)“ |
| 10 | Analyse ohne Stand und Änderung | Datei von 2022, nie geändert | Stand im Dateinamen; jährlich vor der Managementbewertung fortgeschrieben; Änderungen genannt |
Der Zehn-Minuten-Check vor dem Audit: Nehmen Sie die Analyse und streichen Sie jede Zeile, zu der Sie keine Antwort auf „Was haben wir dazu zuletzt getan?“ haben. Was übrig bleibt, ist Ihre Analyse. Wenn weniger als fünf Zeilen übrig bleiben, haben Sie nicht zu wenig Risiken, sondern die Projektliste nicht genutzt – zurück zu Modul 2.
Was kein Fehler ist: Eine kurze Liste. Sechs Risiken, vier Chancen und vier Standardzeilen sind für einen Betrieb mit 15 Mitarbeitern angemessen – und die Norm verlangt Angemessenheit, keine Vollständigkeit.
Praxisfall: Klarblick Gebäudeservice GmbH – zwölf Projekte, eine Analyse, acht Ziele
Die Klarblick Gebäudeservice GmbH (erfunden) in Regensburg bietet mit 38 Mitarbeitern Unterhaltsreinigung, Glasreinigung, Hausmeisterdienste und Objektsicherheit für Büro- und Industriekunden. Zwei Objektleiter, eine Nachtschicht, drei Fahrzeuge, Stand der Dokumente: Oktober 2026. Die Geschäftsführung hat für die Managementbewertung diese Projektliste aufgeschrieben:
Bereits umgesetzt (2026): 1. Zwei E-Fahrzeuge für die Objektleiter angeschafft 2. Tourenplanungssoftware eingeführt 3. Schulung Objektleiter „Reklamationsgespräch“ 4. Mindestlohn-Dokumentation auf Zeiterfassungs-App umgestellt 5. Ersthelfer-Ausbildung für drei Mitarbeiter der Nachtschicht 6. Zweiter Lieferant für Reinigungsmittel aufgenommen
Geplant (2027): 7. Dritter Standort im Nachbarlandkreis 8. Einweisungs-App für neue Reinigungskräfte (mehrsprachig) 9. Reinigungsmittel auf Konzentrate umstellen 10. Zweiter Objektleiter für die Nachtschicht 11. Zertifizierung nach ISO 9001 12. Jobrad-Angebot für alle Mitarbeiter
Ihre Aufgabe (60 Minuten): Ordnen Sie jedes Projekt genau einmal zu (Risiko oder Chance), formulieren Sie den Grund in der Themenspalte mit Rollen und Kunden der Branche, bewerten Sie nach Modul 4 und 5, setzen Sie Status und ESG-Präfixe, ergänzen Sie die Standardzeilen, und leiten Sie daraus die Ziele 2027 ab (Stand Oktober → Termin 31.12.2027). Erstellen Sie außerdem den Rückblick 2026 für die sechs Standardziele mit diesen Ist-Werten: Umsatz +7 %, Angebotsquote 34 % (Ziel 40 %), Reklamationen 9 (Ziel max. 6), Kundenzufriedenheit 3,8 (Ziel besser als 4 – kleinere Zahl ist besser), Lieferantenbewertung 2,9, Zertifizierung noch nicht.
📄 Klarblick: Projektliste, Musterlösung der Analyse mit Begründung je Zeile
📄 Klarblick: Ziele 2026 Rückblick und Ziele 2027 Vorschau – Musterlösung
Die drei Stellen, an denen die meisten Teilnehmer abweichen: Projekt 5 (Ersthelfer) ist ein Risiko mit Stufe 4, auch wenn es „nur“ drei Personen betrifft · Projekt 7 (Standort) ist eine Chance mit Nutzen 3, nicht 4 – die 4 wäre eine einmalige Gelegenheit, ein Standort ist wiederholbar · Projekt 12 (Jobrad) ist eine Chance „ESG (Soziales)“, kein Risiko „Fachkräftemangel“ – die Kontrollfrage „Was, wenn nicht?“ ergibt entgangenen Nutzen, keinen Schaden.
Zeitbilanz: Analyse 90 Minuten mit Begründungen, Ziele 30 Minuten, Übertrag in den Maßnahmenplan (vier Zeilen ≥ 6) 15 Minuten. Im Stufe-2-Audit der Übungsfirma wurde Kapitel 6 in acht Minuten geprüft – ohne Feststellung.
Nachweise: Was aus Kapitel 6 in der Managementbewertung landet
Am Ende stehen fünf Dokumente – und genau diese fünf nimmt die Geschäftsführung in die Managementbewertung mit:
| Nr. | Dokument | Normstelle | Aufgabe in der Managementbewertung |
|---|---|---|---|
| 1 | Projekt- und Investitionsliste (umgesetzt / geplant) | 6.1.1, 6.3 | Eingabe: Änderungen bei externen und internen Themen (9.3.2 b) |
| 2 | Risiken- und Chancenanalyse mit Stand | 6.1.1, 6.1.2 | Eingabe: Wirksamkeit der Maßnahmen zu Risiken und Chancen (9.3.2 e) |
| 3 | Maßnahmenplan-Zeilen mit Quelle Risiko/Chance | 6.1.2 b, 10 | Eingabe: Status der Maßnahmen aus vorherigen Bewertungen (9.3.2 a) |
| 4 | Ziele Rückblick mit Ist-Werten | 6.2.1, 9.1.1 | Eingabe: Ausmaß der Zielerreichung (9.3.2 c 2) |
| 5 | Ziele Vorschau (Entwurf) | 6.2.1, 6.2.2 | Ergebnis: Beschluss der neuen Ziele (9.3.3) |
Der Jahreskalender für Kapitel 6 (Betrieb mit Managementbewertung im Januar):
| Monat | Tätigkeit | Dauer |
|---|---|---|
| Dezember | Projektliste aktualisieren: Umgesetztes verschieben, Neues ergänzen | 30 min |
| Dezember | Analyse fortschreiben: Status, neue Zeilen, Wirksamkeit der erledigten Maßnahmen | 60 min |
| Dezember | Ziele Rückblick mit Ist-Werten füllen | 30 min |
| Januar | Managementbewertung: Beschlüsse, Ziele Vorschau freigeben | im Termin |
| Januar | Maßnahmenplan ergänzen (Analyse ≥ 6, nicht erreichte Ziele) | 30 min |
| April, Juli, Oktober | Ist-Werte der Ziele und Status der Maßnahmen in der Teambesprechung | je 15 min |
Drei Stunden im Jahr plus die Quartalsminuten – das ist der gesamte Aufwand für Kapitel 6 in einem Betrieb bis 50 Mitarbeiter.
Was Sie jetzt haben und was folgt: Kapitel 6 ist der Motor; die Managementbewertung (eigener Kurs) ist das Lenkrad, der Maßnahmenplan die Kupplung. Wer die drei zusammen betreibt, hat das, was Auditoren „ein lebendes System“ nennen – und was sich in Überwachungsaudits als die kürzesten Audittage zeigt.
Verfahren im eigenen Haus
Dieses Modul füllt Ihr Unternehmen aus. Der allgemeine Teil der Schulung endet hier; was folgt, kennt nur Ihr Betrieb:
| Punkt | Was festgehalten wird |
|---|---|
| Ansprechpartner | Wer ist QM-Beauftragter bzw. Ansprechpartner für QM-Fragen? Wer vertritt ihn? |
| Dokumente und Vorlagen | Wo liegen Handbuch, Prozessblätter und die Vorlagen, die zu diesem Thema benutzt werden (Ordner, Cloud, Papier)? |
| Nachweise | Wo werden die Nachweise zu diesem Thema abgelegt, und wie lange werden sie aufbewahrt? |
| Freigabe | Wer gibt Dokumente, Änderungen und Entscheidungen zu diesem Thema frei? |
| Termine | Welche festen Termine gelten (internes Audit, Managementbewertung, externes Audit)? |
Betriebe mit Firmenkonto der Akademie erhalten dieses Modul mit ihren eigenen Angaben; die Teilnehmer sehen dann Namen, Termine und Ablageorte ihres Unternehmens. Ohne Anpassung gilt: Fragen Sie Ihre Geschäftsführung oder Ihren QM-Beauftragten, wo diese Angaben in Ihrem Betrieb festgelegt sind – in der Regel im QM-Handbuch.
Abschlusstest
38 Fragen, je eine richtige Antwort. Zum Bestehen brauchen Sie 31 richtige (80 %). Die Auswertung erfolgt auf dem Server — hier auf der Seite steht keine Lösung.
Ihr Ergebnis
Zertifikat auf LinkedIn
Wie hilfreich war dieser Kurs?
Kolleginnen und Kollegen auch unterweisen?
Schicken Sie den Kurslink weiter – kostenlos, ohne Anmeldung. Mit Firmencode landen alle Nachweise im selben Firmenkonto.
Wie es weitergeht
Analyse erstellen lassen: Aus Ihrer Projekt- und Investitionsliste erstellen wir die Risiken- und Chancenanalyse und die Ziele zum Festpreis – als Teil des Dokumentenpakets oder einzeln zur Fortschreibung.
Betriebsspezifischer Zusatzteil: Modul „Verfahren im eigenen Haus“ mit Ihrer Vorlage und Ihrer Bewertungsskala.
Die nächsten Kurse: „Managementbewertung und Jahreswechsel“ und „Reklamationen, Kennzahlen, Kundenzufriedenheit“ in der Akademie – beide nutzen die Ergebnisse dieses Kurses.
Weitere kostenlose Unterweisungen finden Sie in der Online Akademie. Fragen zur Umsetzung im eigenen Betrieb beantworten wir über das Kontaktformular.
Fachliche Rückfragen zu dieser Unterweisung: Holger.grosser@iso9001.info · Telefon 0911-49522541. Eine Online-Unterweisung erfüllt die Unterweisungspflicht nur, wenn Rückfragen an eine unterweisende Person möglich sind.