ISO 9001 als Lohnfertiger nach Kundenzeichnung: Wie wenig reicht wirklich?
Weniger, als Sie aus Automotive-Zeiten kennen. Wer nur nach Kundenzeichnung dreht, fräst oder erodiert, beschreibt fünf Abläufe: Anfrage, Auftrag mit richtigem Zeichnungsstand, Material und Fremdbearbeitung, Fertigung mit Prüfung, Versand und Reklamation. Entwicklung fällt weg, Arbeitsanweisungen für Fachkräfte auch – die Qualifikation Ihrer Leute ist der Nachweis. VDA 6.x oder IATF 16949 brauchen Sie nur, wenn Sie Serienteile direkt für die Autoproduktion liefern.
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LAGESo fängt es meistens an
Sie sind zu zweit oder zu dritt, fertigen Frästeile, Drehteile, Vorrichtungen oder kleine Baugruppen nach Zeichnung – oft seit Jahrzehnten für dieselben Kunden. In deren Lieferantenbewertung sind Sie mal A-, mal B-Lieferant. Der Unterschied ist selten die Qualität, sondern eine Zeile im Fragebogen: ISO 9001 ja oder nein. Und Neukunden fragen gleich im ersten Gespräch, nach welchem QS-System Sie arbeiten.
FRÜHERIch war schon mal zertifiziert – mit VDA. Wird das wieder so?
Nein. Was damals den Aufwand gemacht hat, kam meist nicht aus der ISO 9001, sondern aus der Automobilwelt: VDA 6.1 oder heute IATF 16949, Chargenrückverfolgung, Prüfanweisungen je Merkmal, Schweißparameter je Gerät. Das gilt für Serienteile, die direkt ins Auto gehen. Fertigen Sie heute Betriebsmittel, Vorrichtungen, Einzelteile oder Kleinserien, reicht die ISO 9001 allein.
Schweißen, Härten oder Beschichten haben eigene Normen (z. B. ISO 3834 fürs Schweißen). Die gelten nur, wenn Sie das selbst machen und Ihr Kunde es verlangt – sie kommen nicht automatisch mit der ISO 9001.
Das alte Handbuch brauchen Sie nicht wiederzubeleben. Für einen kleineren Betrieb ist ein neues, schlankes System schneller geschrieben als das alte entrümpelt.
PROZESSEDiese Abläufe stehen in Ihrem Handbuch
- Anfrage und Angebot – Zeichnung ansehen, Machbarkeit und Termin prüfen, Preis.
- Auftrag und Zeichnungsstand – Wie stellen Sie sicher, dass in der Werkstatt die aktuelle Zeichnung liegt? Änderungsindex auf dem Auftrag reicht meist.
- Material und Fremdbearbeitung – Materialbestellung, Werkszeugnis wenn der Kunde es fordert, Härterei und Beschichter als Lieferanten.
- Fertigung und Prüfung – Einrichten, Erstteil prüfen, Endprüfung. Messprotokoll nur dort, wo der Kunde eines will.
- Versand und Reklamation – Lieferschein, und was passiert, wenn ein Teil zurückkommt.
Im Handbuch steht bei der Fertigung am Ende sinngemäß: Drehen und Fräsen nach Kundenanforderung. Mehr ist es nicht. Kapitel 8.3 (Entwicklung) wird ausgeschlossen, weil Sie nichts selbst entwickeln – das steht dann so auf dem Zertifikat. Zeichnungen und beigestelltes Material Ihrer Kunden sind „Kundeneigentum“: ein Satz, wie Sie damit umgehen.
KÖNNENBrauche ich Arbeitsanweisungen, wie meine Leute drehen sollen?
Nein. Wenn Sie keine haben, brauchen Sie keine – und jede, die Sie schreiben, müssen Sie pflegen. Die ISO 9001 verlangt, dass Ihre Leute können, was sie tun. Bei Fachkräften, die Zeichnungen lesen und danach arbeiten, ist die Qualifikation die Arbeitsanweisung. Nachweis: Ausbildung, Erfahrung, Unterweisungen – in einer Qualifikationsmatrix auf einer Seite.
Eine Anweisung lohnt sich nur dort, wo ohne sie wirklich Fehler passieren – etwa ein besonderes Prüfverfahren, das ein Kunde vorschreibt. Wann eine Anweisung sinnvoll ist →
KUNDEWas der Einkauf Ihrer Kunden wirklich wissen will
Im Lieferantenfragebogen beantwortet das Zertifikat die meisten Zeilen auf einmal. Was danach noch kommt, haben Sie in der Regel schon: Welche Messmittel Sie haben und wie sie überwacht werden, ob Sie Werkszeugnisse liefern können, wie Sie mit Reklamationen umgehen, wer Ihre Vertretung ist. Ihr QM-System kann online liegen – wer es sehen will, bekommt einen Link. Ausdrucken und Ordner muss niemand mehr.
ZERTTÜV oder nicht akkreditiert – was reicht?
Das entscheidet Ihr Kunde, nicht die Norm. Viele Kunden fragen nur, ob Sie nach einem QM-System arbeiten. Einige verlangen ausdrücklich eine akkreditierte Stelle wie TÜV oder DEKRA. Fragen Sie Ihren wichtigsten Kunden, bevor Sie sich entscheiden.
Das QM-System ist in beiden Fällen dasselbe. Wer mit einem nicht akkreditierten Zertifikat startet, sagt das offen – es steht auch so auf dem Zertifikat. Verlangt ein Kunde später Akkreditierung, kommt eine akkreditierte Stelle mit denselben Dokumenten. Der Unterschied im Detail →
AUDITWas der Auditor bei Ihnen sehen will
Einen Auftrag von der Zeichnung bis zum Lieferschein, mit dem richtigen Zeichnungsstand. Ihre Prüfmittelliste – Messschieber, Bügelmessschrauben, Lehren, die über Gut und Schlecht entscheiden. Eine Reklamation mit dem, was Sie daraus gemacht haben. Und dass Sie erklären können, wie ein Teil durch Ihre Werkstatt läuft. Bei zwei, drei Leuten ist das ein halber Tag.
MITBRINGDas brauchen wir von Ihnen
- Ein abgeschlossener Auftrag: Zeichnung, Auftrag, Messprotokoll (falls vorhanden), Lieferschein
- Maschinenliste
- Prüfmittelliste – oder die Messmittel, dann schreiben wir sie auf
- Ihre Hauptkunden und Hauptlieferanten, Härterei und Beschichter eingeschlossen
- Wer was kann: Ausbildung, Jahre an der Maschine
Kein Formular. Sie erzählen, wir schreiben – gemeinsam online, am Ende gehören alle Dokumente Ihnen.
KOSTENFestpreis, fällig erst mit Zertifikat
Beratung für 1–3 Mitarbeiter 3.500 € Festpreis, BAFA-Zuschuss 50–80 % auf 3.500 € – in den neuen Bundesländern 80 %. Zertifizierung nicht akkreditiert ab 990 €, akkreditiert 3.000–8.000 € über drei Jahre. Kein Abo. Alle Zahlen mit Rechenbeispielen → · So funktioniert die BAFA-Förderung →
MEHRDas passt dazu
- ISO 9001 in der Produktion mit 10 Mitarbeitern
- Prüfmittel & Kalibrierung
- Lieferantenbewertung
- Akkreditiert oder nicht?
O-TON · AUS ÜBER 1.000 AUDITSAus der Beratungspraxis
So klingen die Fragen echter Kunden – und die Antworten, die sich im Audit bewährt haben:
„Brauche ich Arbeitsanweisungen, wie meine Leute drehen und fräsen müssen?"
„Wenn Sie keine haben, brauchen Sie keine. Wenn Sie welche schreiben, müssen Sie die pflegen. Sie haben Fachleute, die Zeichnungen lesen können und danach arbeiten – dann ist die Qualifikation die Arbeitsanweisung."
CNC-Lohnfertigung
„Muss ich die Dokumente am Schluss ausdrucken?"
„Nein, alles online. Sie können Ihren Kunden den Link schicken, wenn die sich das Handbuch anschauen wollen. Ausdrucken macht heute keiner mehr."
CNC-Lohnfertigung
„Erkennen TÜV oder DEKRA das später auch an?"
„Das schlanke System erfüllt die Forderungen bei TÜV und DEKRA. Die Hälfte unserer Kunden lässt akkreditiert zertifizieren, die andere nicht – es sind die gleichen Dokumente."
CNC-Lohnfertigung
SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen
Lohnt sich ISO 9001 bei zwei oder drei Mitarbeitern?
Ja, wenn Kunden danach fragen oder Sie neue gewinnen wollen. Das System wird so klein wie Ihr Betrieb, nicht so groß wie das Ihres Kunden.
Brauche ich IATF 16949 oder VDA 6.1?
Nur, wenn Sie Serienteile direkt für die Automobilproduktion liefern und Ihr Kunde es verlangt. Für Betriebsmittel, Vorrichtungen und Einzelteile reicht ISO 9001.
Muss jedes Teil gemessen und protokolliert werden?
Nein. Sie prüfen, wie Sie es heute schon tun – Erstteil und Endprüfung. Ein Protokoll schreiben Sie dort, wo Ihr Kunde eines verlangt.
Sind Härterei und Beschichter meine Lieferanten?
Ja. Sie kommen mit in die Lieferantenliste und werden einmal im Jahr bewertet – eine Zeile mit Schulnote genügt.
Wie viel Zeit kostet mich das?
Etwa zwei Tage über drei bis fünf Monate verteilt: erzählen, wie Sie arbeiten, Listen ergänzen, internes Audit, Prüftag.
Eine Stunde erzählen, wie Ihre Werkstatt arbeitet – wir schreiben daraus Ihr QM-System. Festpreis ab 3.500 €, Sie zahlen erst mit Zertifikat.
Angebot für ISO 9001 BeratungFestpreis · Zahlung erst mit Zertifikat
Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor
★★★★★ 5,0 · 97 Google-Bewertungen, alle von zertifizierten Kunden