QM-Guru – Holger Grosser /wissen/kundenzufriedenheit/

Wie weise ich Kundenzufriedenheit nach – ohne Fragebogen?

KURZ GESAGT

Sie bewerten selbst – wie der Kunde SIE sieht, nicht umgekehrt. Vier bis fünf Hauptkunden, Schulnoten 1–6 in Flexibilität, Zuverlässigkeit, Liefertreue, Kommunikation. Referenzschreiben, Dankes-Mails, Folgeaufträge und SAQ-Ratings kommen ins Bemerkungsfeld als Beleg. Maßnahmen nur, wenn eine Note 4 oder schlechter ist. Das ist besser als eine Umfrage, die niemand beantwortet – und der Auditor akzeptiert es, weil er sieht, dass Sie Ihre Kunden kennen.

Holger Grosser, ISO-9001-Berater seit 1994
GEPRÜFT08·26H. Grosser
Stand 30.08.2026 · Von Holger Grosser, QM-Berater seit 1994 · über 1.000 begleitete Zertifizierungsaudits · Quelle: ISO 9001:2015, Kap. 9.1.2, 9.1.3, 9.3 + Wissensbasis aus 342 Gesprächen
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IHRE LAGEWorum es geht

Ihre Kunden füllen keine Fragebögen aus – Konzerne, Behörden, Kliniken, Versicherungen. Manche dürfen aus Vertraulichkeitsgründen gar nichts Öffentliches sagen. Trotzdem verlangt die Norm, dass Sie wissen, wie zufrieden sie sind.

Nicht jede Unzufriedenheit ist eine Mängelrüge: der Unterschied zwischen Reklamation und Beschwerde entscheidet, wie Sie den Fall erfassen.

NORMDie Richtung: Der Kunde bewertet Sie – Sie schreiben es auf

Der häufigste Fehler in der Vorlage: Firmen bewerten den Kunden („schlechte interne Kommunikation beim Kunden“). Das gehört nicht hinein. Die Frage lautet: Wie zufrieden ist der Kunde mit Ihrer Flexibilität, Ihrer Qualität, Ihrer Kommunikation, Ihrer Planbarkeit? Wer keine Ahnung hat, wie der Kunde ihn sieht, kann einpacken – der bekommt irgendwann keine Aufträge mehr.

NORMEigenbewertung in einer Tabelle

Hauptkunden auswählen – vier, fünf, bei zehn noch in Ordnung, nicht hundert. Kriterien: Flexibilität, Zuverlässigkeit, Liefertreue, Qualität, Kommunikation – anpassen, was für Ihr Geschäft zählt. Schulnoten 1–6. Im Bemerkungsfeld: Referenzschreiben, positive E-Mails, Folgeaufträge, Rahmenverträge. Nur wenn eine Note 4 oder schlechter ist, tragen Sie eine Maßnahme ein; bei lauter Zweien bleibt die Spalte leer.

NORMWas Sie schon haben, zählt

Google-Bewertungen, Kundenbefragungen am Projektende, Feedback-Mails, ein SAQ- oder SQS-Rating eines Großkunden (89 Punkte sind ein Nachweis, kein Grund zur Kleinlichkeit) – alles Kundenrückmeldung. Wer nach jedem Auftrag ohnehin eine kurze Mail schickt: so dokumentieren, wie es läuft, nicht als Sonderprozess erfinden. Wichtig ist nicht das Rausschicken, sondern die Reaktion auf schlechte Rückmeldungen.

NORMZwei Kundenkreise? Zwei Bewertungen

Wer zahlt Sie? Das sind Ihre Kunden. Versicherungen zahlen den Schadensregulierer, also stehen die Versicherungen in der Eigenbewertung; die Versicherungsnehmer sind Endkunden – deren E-Mail-Feedback wird ausgewertet. Bei Personalvermittlern genauso: Auftraggeber in der Eigenbewertung, Kandidaten über kurzes Feedback nach Einsatzstart.

NORMUnd wenn der Auftrag verloren geht?

Auch ein verlorener Auftrag ist Kundenfeedback. Sie kennen danach die Leute, und mancher Auftrag kommt durch die Hintertür wieder. Einmal jährlich fließt die Tabelle in die Managementbewertung – zusammen mit Reklamationen. Das sind Standardprozesse, die bei tausend Firmen gleich aussehen.

TABELLEElf Nachweise für Kundenzufriedenheit – ohne Fragebogen

NachweisReicht dem Auditor?Beispiel aus der Praxis
Eigenbewertung Hauptkunden (Schulnoten 1–6)ja – Standard4–5 Hauptkunden, Kriterien Flexibilität, Zuverlässigkeit, Liefertreue, Kommunikation
Referenzschreibenja, als Beleg im BemerkungsfeldGroßkunde Bahnindustrie
Google-BewertungenjaBeratung, Handwerk
Dankes-/Feedback-Mailsjanach Projektende gesammelt
Folgeaufträge, RahmenverträgejaTiefbau, Energieversorger
SAQ- / SQS-Rating eines GroßkundenjaLogistik: B mit 89 Punkten
Kurzfeedback nach Einsatzstart (Kandidaten)ja, zweiter KundenkreisPersonalvermittlung
Monatlich gesammelte E-Mail-RückmeldungenjaVersicherungs-Schadensregulierung
Verlorene Ausschreibung mit Begründungja, als RückmeldungBau
Fragebogen an alle Kundenmöglich, meist unbeantwortet
Maßnahmennur ab Note 4bei lauter Zweien leer

WEITERLESENDas passt dazu

O-TON · AUS ÜBER 1.000 AUDITSAus der Beratungspraxis

So klingen die Fragen echter Kunden – und die Antworten, die sich im Audit bewährt haben:

„Wie erfassen wir Kundenzufriedenheit, wenn wir keine schriftlichen Bewertungen vom Kunden bekommen?"

„Dann macht ihr eine Selbsteinschätzung: Wie sieht euch der Kunde? Ihr bewertet nicht die Kunden, sondern wie der Kunde euch sieht – Flexibilität, Zuverlässigkeit, Liefertreue. Beschränkt euch auf vier, fünf Hauptkunden. Das ist besser als eine Kundenbefragung, die eh keiner beantwortet."

Anlagenbau / Kältetechnik

„Wie messen wir Kundenzufriedenheit, wenn Kunden aus Vertraulichkeitsgründen keine öffentlichen Bewertungen abgeben?"

„Macht eine Eigenbewertung. Nehmt vier, fünf wichtige Projekte und bewertet nach Schulnoten: Wie zufrieden war der Kunde mit uns? Wenn ihr Referenzschreiben oder E-Mails habt, referenziert die im Bemerkungsfeld."

M&A-Beratung

„Müssen wir nach jedem Schaden eine Kundenzufriedenheitsumfrage verschicken?"

„Nein, der Prozess soll der Realität entsprechen. Wenn ihr das einmal im Monat gesammelt macht, dokumentieren wir das so. Wichtig ist nicht nur rausschicken, sondern dass ihr auf schlechte Rückmeldungen reagiert."

Versicherungsdienstleistung

„Ist das SAQ-Rating als Kundenzufriedenheitsermittlung zu verstehen?"

„Seien Sie nicht so kleinlich. Sie haben 89 Punkte erreicht und damit viele Kundenanforderungen erfüllt – der Kunde ist zufrieden. Das können wir so verkaufen."

Logistik

„Wer sind unsere Kunden - die Versicherungen oder die Versicherungsnehmer?"

„Wer zahlt euch? Die Versicherungen zahlen, also sind das eure Kunden. Bei 10 Versicherungen können wir fast alle aufnehmen. Die Versicherungsnehmer sind Endkunden. Für die Kundenzufriedenheit machen wir zwei Bewertungen: 1) Eigenbewertung für die 10 Versicherungen (Flexibilität, Zuverlässigkeit, Liefertreue) und 2) Auswertung der Feedbacks von Versicherungsnehmern (E-Mail-Umfragen, Google-Bewertungen)."

Versicherungsdienstleistung / Schadensregulierung

SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen

Brauche ich einen Kundenfragebogen?

Nein. Eine Eigenbewertung der Hauptkunden mit Schulnoten reicht – belegt durch Referenzen, Mails, Folgeaufträge.

Wie viele Kunden muss ich bewerten?

Vier bis fünf Hauptkunden; bei zehn noch sinnvoll, bei hundert nicht mehr.

Bewerte ich den Kunden oder mich?

Sie schreiben auf, wie der Kunde Sie sieht – seine Zufriedenheit mit Ihrer Leistung, nie umgekehrt.

Zählen Google-Bewertungen oder ein SAQ-Rating?

Ja, beides ist Kundenrückmeldung und wird in die Bewertung aufgenommen.

Wann brauche ich Maßnahmen?

Erst ab Note 4. Bei zufriedenen Kunden mit regelmäßigen Gesprächen bleibt die Spalte leer.

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Holger Grosser, ISO-9001-Berater seit 1994

Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor
★★★★★ 5,0 · 97 Google-Bewertungen, alle von zertifizierten Kunden