Internes Audit ISO 9001 im Kleinbetrieb – Praxiskurs
Darum geht es
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Was dieser Kurs nicht leistet (aufklappen)
Was ein internes Audit wirklich ist – und die drei Fehler beim ersten Mal
Ein internes Audit ist kein Kontrollgang und keine Normprüfung. ISO 9001 Kap. 9.2.1 nennt zwei Fragen, mehr nicht: Entspricht das QM-System den eigenen Festlegungen des Betriebs und den Anforderungen der Norm – und wird es wirksam verwirklicht? Übersetzt für einen Betrieb mit zwölf Mitarbeitern: Tun wir, was wir im Handbuch sagen, und bringt es etwas?
Dieser Kurs ist der Praxisteil zum Online-Training „Interner Auditor ISO 9001“. Dort steht die Methode nach ISO 19011; hier geht es um einen Halbtag im eigenen Betrieb – mit Fragen, Checklisten und einer Übungsfirma, an der Sie alles einmal durchspielen, bevor Sie es im Ernstfall tun.
Die drei Fehler, die fast jeder beim ersten Audit macht
| Fehler | Woran Sie ihn erkennen | Was stattdessen hilft |
|---|---|---|
| Nach der Norm fragen statt nach dem Auftrag | „Haben Sie Kapitel 8.4 umgesetzt?“ – Schweigen | „Nehmen wir Ihre letzte Bestellung: Wie kam es zu diesem Lieferanten?“ |
| Alles bemängeln | 14 Feststellungen, davon 10 Geschmacksfragen | Nur was die Norm oder das Handbuch verlangt, ist eine Abweichung |
| Bericht, den keiner liest | 12 Seiten, Normkapitel als Überschriften | 2 bis 4 Seiten: Ergebnis in einem Satz, Stärken, Feststellungen mit Beleg |
Was der Kurs liefert
Acht Abschnitte entlang eines echten Audittages: planen, fragen, Branchen, Feststellungen, Bericht, externes Audit, Abschlussprojekt. Zu jedem Modul gehört ein Download. Alle Fragen und Nachweise stammen aus über 1 000 Audits in kleinen und mittleren Betrieben – anonymisiert, ohne Firmen- und Personennamen.
Übungsfirma: Die Schreinerei Waldner GmbH (erfunden, 14 Mitarbeiter, Fenster und Haustüren, Innenausbau und Möbel nach Maß, zertifiziert seit 2024). Laden Sie die Mappe jetzt herunter und lesen Sie sie einmal wie ein Auditor: Was ist festgelegt, was wird tatsächlich getan, wo klafft es? Sechs Beobachtungen sind darin versteckt.
📄 Übungsfirma Waldner – Unterlagenmappe (PDF, 8 Seiten)
Zum Merken
Ein internes Audit prüft, ob der Betrieb tut, was er sagt – nicht, ob er die Norm auswendig kann.
Was der Zertifizierer vom internen Audit erwartet
Kapitel 9.2.2 der ISO 9001 ist kurz. Es verlangt sechs Dinge – und nur diese sechs:
- ein Auditprogramm mit Häufigkeit, Methoden, Verantwortung, Planung und Berichterstattung, das die Bedeutung der Prozesse, Änderungen und frühere Auditergebnisse berücksichtigt;
- Kriterien und Umfang je Audit;
- Auditoren, die Objektivität und Unparteilichkeit sicherstellen;
- Berichterstattung der Ergebnisse an die zuständige Leitung;
- Korrekturen und Korrekturmaßnahmen ohne ungerechtfertigte Verzögerung;
- dokumentierte Information als Nachweis des Programms und der Ergebnisse.
Ein Zertifizierungsauditor liest Ihren internen Auditbericht schon in Stufe 1 – vor dem eigentlichen Audit. Er prüft dabei vier Dinge:
| Prüfpunkt | Frage des Zertifizierers | Reicht im Kleinbetrieb |
|---|---|---|
| Vollständigkeit | Wurden alle Prozesse im Zyklus geprüft, auch die Managementbewertung? | Ein Systemaudit über alles, einmal im Jahr |
| Unabhängigkeit | Hat jemand seinen eigenen Bereich auditiert? | Kreuzweise: QMB prüft die anderen, GF oder Kollege prüft den Bereich des QMB |
| Nachweis | Steht bei jeder Feststellung, was gesehen wurde und wogegen es verstößt? | Auftragsnummer, Datum, Normpunkt oder Handbuchstelle |
| Wirksamkeit | Haben die Maßnahmen des Vorjahres gewirkt, und steht das Ergebnis in der Managementbewertung? | Maßnahmenplan mit Erledigt-Datum und Wirksamkeitsprüfung |
Was nicht gefordert ist
Kein zertifizierter Auditor. Kein Fragenkatalog nach Normkapiteln. Kein Bericht über zehn Seiten. Kein Audit je Prozess mit eigenem Bericht. Keine Software. Eine Drei-Jahres-Matrix wünschen sich viele Auditoren – Pflicht ist nur ein Programm, aus dem hervorgeht, wann was geprüft wird.
Die drei Stellen, an denen externe Auditoren am häufigsten einhaken
- Der QMB hat sich selbst auditiert.
- Feststellungen ohne Beleg oder ohne Normbezug.
- Maßnahmen ohne Ursache und ohne Wirksamkeitsprüfung („Mitarbeiter sensibilisiert“).
📄 Checkliste Mindestanforderungen internes Audit (PDF)
Zum Merken
Vollständig, unabhängig, belegt, wirksam – mehr prüft der Zertifizierer an Ihrem internen Audit nicht.
Planen in einer Stunde: Auditprogramm und Auditplan
Zwei Dokumente, zwei Zwecke. Das Auditprogramm sagt, wann welcher Prozess drankommt – über ein Jahr oder über den Zertifikatszyklus von drei Jahren. Der Auditplan sagt, wie der Audittag abläuft.
Auditprogramm: ein Blatt für drei Jahre
Die Norm verlangt, dass das Programm die Bedeutung der Prozesse, Änderungen und frühere Auditergebnisse berücksichtigt. Im Kleinbetrieb heißt das: Prozesse mit Reklamationen, neuen Mitarbeitern oder einem Hinweis aus dem letzten externen Audit kommen jedes Jahr dran; stabile Nebenprozesse reichen alle zwei oder drei Jahre. Ein Betrieb unter 20 Mitarbeitern fährt am einfachsten mit einem Systemaudit pro Jahr über alle Prozesse – das Programm ist dann eine Zeile je Jahr plus die Schwerpunkte.
Auditplan: ein Halbtag reicht
Die Reihenfolge folgt dem Auftragsfluss, nicht den Normkapiteln: Führung – Vertrieb – Einkauf – Fertigung/Leistung – Montage/Übergabe – Reklamation. So wandert ein und derselbe Auftrag durch das ganze Audit, und jeder Gesprächspartner zeigt sein Stück davon.
| Zeit | Bereich | Gesprächspartner | Auditor |
|---|---|---|---|
| 08:00 | Eröffnung (15 min) | alle | QMB |
| 08:15 | Führung: Ziele, Risiken, Managementbewertung | GF | QMB |
| 09:00 | Vertrieb: drei Auftragsakten | Vertrieb | QMB |
| 09:45 | Einkauf: Lieferanten, Wareneingang | Einkauf | QMB |
| 10:30 | Fertigung, Prüfmittel, Einweisungen – vor Ort | Fertigungsleitung | QMB |
| 11:15 | Montage, Reklamationen | Leitung Montage | GF (weil der QMB die Montage leitet) |
| 11:45 | Auswertung der Auditoren | – | QMB + GF |
| 12:15 | Abschlussgespräch (15 min) | alle | QMB |
Drei Regeln für den Plan: je Bereich 30 bis 45 Minuten, nie mehr. Zeit für die Auswertung vor dem Abschlussgespräch einplanen. Auditor je Bereich eintragen – das ist der Nachweis der Unabhängigkeit.
Die Vorlagen für Auditprogramm (Excel) und Auditplan (Word) stellt die Akademie im Firmenpaket bereit; die Übung dazu kommt in Modul 5 an der Übungsfirma.
Zum Merken
Programm = wann was. Plan = wer, wann, wie lange, mit wem. Reihenfolge entlang des Auftrags.
Unabhängigkeit im Fünf-Mann-Betrieb
Die Norm verlangt nicht, dass ein Auditor „fremd“ ist. Sie verlangt, dass er nicht seine eigene Arbeit prüft. Das ist im Kleinbetrieb lösbar – wenn man es im Auditplan sichtbar macht.
Vier Wege
| Situation | Lösung | Nachweis |
|---|---|---|
| QMB leitet zusätzlich einen Bereich (z. B. Montage) | QMB auditiert alle anderen Bereiche; seinen Bereich prüft die Geschäftsführung oder ein Kollege | Spalte „Auditor“ im Auditplan |
| Zwei Personen, die alles machen | Kreuzaudit: A prüft die Bereiche von B und umgekehrt; Führung prüft, wer nicht GF ist | Auditplan |
| Ein-Personen-Betrieb oder niemand ist frei | Externer Auditor (Berater, Kollege aus einem befreundeten Betrieb) – zulässig und üblich | Auditbericht nennt den Externen |
| Geschäftsführer will selbst auditieren | Darf er – außer den Prozess „Führung“, den er selbst verantwortet | Auditplan: Führung durch QMB oder Externen |
Was der Zertifizierer sehen will
Im Bericht steht, wer was geprüft hat. Mehr nicht. Eine Zeile „Montage: auditiert durch M. Waldner (GF), weil T. Waldner (QMB) die Montage leitet“ beantwortet die Frage, bevor sie gestellt wird.
Der häufigste Fehler
Der QMB schreibt den ganzen Bericht allein, inklusive seines eigenen Bereichs – und der externe Auditor findet das in Stufe 1. Das ist die Abweichung, die am leichtesten zu vermeiden ist.
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Unabhängig heißt: nicht die eigene Arbeit prüfen. Im Auditplan steht, wer wen prüft.
Unterlagen sichten: 20 Minuten, nicht zwei Tage – und Übung 1
Vor dem Audit muss man nicht alles lesen – man muss die richtigen fünf Dinge lesen und daraus die Stichproben wählen. Richtwert für einen Betrieb bis 30 Mitarbeiter: 20 Minuten.
| Minuten | Was Sie lesen | Was Sie notieren |
|---|---|---|
| 3 | Letzter interner Bericht + Maßnahmenplan | Nummern der Maßnahmen, deren Wirksamkeit Sie prüfen |
| 3 | Letzter externer Bericht | Hinweise des Zertifizierers – die prüft er nächstes Mal zuerst |
| 4 | Prozessliste, Kernprozesse im Handbuch | 3–5 eigene Festlegungen, die man leicht nicht einhält („ohne X kein Y“, „jährlich“) |
| 4 | Reklamationsliste, Zieleblatt | Je 1 Reklamation und 1 Ziel als Gesprächsanlass |
| 3 | Auftragsliste | Drei Auftragsnummern: einer abgeschlossen, einer laufend, einer mit Problem |
| 3 | Lieferanten-, Prüfmittel-, Schulungsliste | Einträge älter als ein Jahr, Einträge ohne Datum, Neue ohne Eintrag |
Nicht vorher lesen: das ganze Handbuch (es ist die Behauptung – Sie prüfen die Wirklichkeit), die Norm, alle Auftragsakten, Berichte älter als zwei Jahre.
Die eine Frage nach den 20 Minuten: Welche drei Festlegungen würde ich am ehesten für nicht gelebt halten – und an welchem Vorgang sehe ich das? Das ist Ihr Auditplan in einem Satz.
📄 Checkliste Vorbereitung in 20 Minuten (PDF)
Übung 1: Auditplan für die Übungsfirma
Erstellen Sie aus der Waldner-Mappe einen Halbtags-Auditplan: Bereiche entlang des Auftragsflusses, Zeiten, Gesprächspartner, Auditor je Bereich. Achten Sie darauf, wer bei Waldner die Montage leitet. Vergleichen Sie erst danach mit der Musterlösung (Ü1).
📄 Musterlösungen Ü1 bis Ü4 (PDF) – erst nach dem eigenen Versuch öffnen
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20 Minuten Vorbereitung, drei Auftragsnummern, drei Festlegungen – mehr braucht der Auditplan nicht.
Die Grundregel: „Nehmen wir Ihren letzten …“
Alle guten Auditfragen haben denselben Anfang: „Nehmen wir Ihren letzten …“ – Auftrag, Bestellung, Reklamation, neuen Mitarbeiter, Messschieber. Die Frage holt den Gesprächspartner dort ab, wo er sich auskennt, und endet immer beim Nachweis: dem Dokument, der Liste, dem Aufkleber am Gerät.
| Normfrage (vermeiden) | Vorgangsfrage (stellen) | Nachweis |
|---|---|---|
| „Haben Sie Kapitel 8.2.3 umgesetzt?“ | „Nehmen wir Ihren letzten Neukunden: Wie ist aus der Anfrage der Auftrag geworden, und wer hat geprüft, dass Sie liefern können?“ | Anfrage, Angebot, Auftragsbestätigung, Machbarkeitsvermerk |
| „Gibt es eine Lieferantenbewertung?“ | „Zeigen Sie mir Ihren wichtigsten Lieferanten: Warum kaufen Sie dort, und was passiert, wenn er morgen ausfällt?“ | Lieferantenliste mit Bewertung, Alternativlieferant |
| „Werden Prüfmittel kalibriert?“ | „Welcher Messschieber liegt gerade im Bankraum? Woran erkenne ich, dass er geprüft ist?“ | Kennzeichnung, Prüfmittelliste |
Drei Sätze, die den Audittag tragen
- „Nehmen wir Ihren letzten …“ – startet jedes Thema beim Vorgang.
- „Wie würden Sie mir das zeigen?“ – die eine Nachfrage, wenn jemand erklärt statt zeigt. Sie entscheidet alles: Entweder es gibt den Nachweis, oder es gibt ihn nicht.
- „Das notiere ich als Beobachtung; eingestuft wird nachher.“ – wenn etwas fehlt. Nie am Arbeitsplatz „Abweichung“ sagen.
Dann: schweigen. Die meisten Auditoren reden zu viel. Wer die Frage gestellt hat und still bleibt, bekommt den Vorgang gezeigt.
Nachhaken ohne zu verhören
Fehlt etwas, fragen Sie nach dem Ablauf, nicht nach der Schuld: „Wie läuft das normalerweise?“ – „Was müsste anders sein, damit es nicht wieder passiert?“ Die Antwort auf die zweite Frage ist später die Ursache im Maßnahmenplan – vom Betrieb selbst benannt.
📄 Fragenkatalog Teil 1 – Die Grundregel, 18 Fragen mit Nachweis (PDF)
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Vom Vorgang zum Nachweis, nie von der Norm zum Vorgang. Und dann schweigen.
Eröffnungs- und Abschlussgespräch: keine Überraschungen
Zwei Gespräche von je fünf bis zehn Minuten entscheiden, ob das Audit als Hilfe oder als Kontrolle erlebt wird.
Eröffnung (5 Minuten, alle Gesprächspartner anwesend)
- Zweck: „Heute schauen wir gemeinsam, ob das, was wir festgelegt haben, im Alltag so läuft – und wo wir es uns leichter machen können.“
- Vorgehen: „Ich bitte Sie, mir Dinge an einem konkreten Vorgang zu zeigen. Nicht erklären – zeigen.“
- Trennung von System und Person: „Ich prüfe Abläufe, keine Menschen. Wenn etwas fehlt, ist das ein Punkt für den Betrieb.“
- Spielregeln: „‚Weiß ich nicht‘ und ‚das macht jemand anders‘ sind gute Antworten. Raten hilft niemandem.“
- Ablauf und Zeit: Plan hängt aus, je Bereich 40 Minuten, Abschlussgespräch um 12:15 – keine Überraschungen im Bericht.
Abschluss (10 Minuten, Leitung und Prozessverantwortliche)
- Gesamtbild zuerst – ein Satz. Niemand soll auf das Urteil warten.
- Stärken – mindestens drei, konkret mit Beispiel.
- Feststellungen – jede mit Beleg und Forderung vorlesen, dann: „Sehen Sie das anders? Habe ich etwas übersehen?“ Widerspruch jetzt, nicht nach dem Bericht.
- Einstufung erklären – „Abweichung, weil wir im Handbuch festgelegt haben … und es in zwei von drei Akten fehlt. Hinweis, weil Einzelfall.“
- Ursachen anstoßen – „Woran liegt es Ihrer Meinung nach?“ Antworten notieren, nicht bewerten.
- Nächste Schritte – Bericht bis Freitag, Maßnahmenplan in zwei Wochen gemeinsam, Wirksamkeit nach drei Monaten, Ergebnis in die Managementbewertung.
Drei Dinge, die das Abschlussgespräch kaputt machen: Feststellungen, die vorher niemand gehört hat. Normkapitel vorlesen statt den Vorgang benennen. Streit über die Einstufung ohne Beleg – fehlt der Beleg, streichen Sie die Feststellung.
📄 Gesprächsleitfaden Eröffnung und Abschluss (PDF)
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Eröffnung nimmt die Angst, Abschluss nimmt die Überraschung. Beides dauert zusammen eine Viertelstunde.
Führung befragen: Ziele, Risiken, Managementbewertung
Der Geschäftsführer ist der Gesprächspartner, bei dem Normfragen am schnellsten scheitern. „Kennen Sie die Qualitätspolitik?“ bringt ein Nicken. „Was ist aus Ihrem wichtigsten Ziel vom Jahresanfang geworden?“ bringt ein Gespräch – und einen Nachweis.
Die vier Themen, die der Chef wissen muss
| Thema | Frage | Nachweis |
|---|---|---|
| Ziele (6.2) | „Nehmen wir Ihr wichtigstes Qualitätsziel: Wo stehen Sie heute, und was haben Sie getan, als es knapp wurde?“ | Zieleblatt mit Zielwert, aktuellem Wert, Datum, Maßnahme |
| Risiken und Chancen (6.1) | „Welchen Eintrag in Ihrer Risikoliste haben Sie zuletzt angepasst, warum, und was ist daraus im Tagesgeschäft geworden?“ | Risikoliste mit Änderungsdatum, ein Beleg für die umgesetzte Maßnahme |
| Managementbewertung (9.3) | „Welche Zahlen lagen auf dem Tisch, und welche Entscheidung ist daraus entstanden, die heute im Betrieb sichtbar ist?“ | Protokoll mit Eingaben, Beschlüssen, Verantwortlichen, Stand |
| Vertretung | „Wenn Sie morgen drei Wochen ausfallen: Wer macht was, und woher weiß diese Person, wie es geht?“ | Vertretungsregel, Zugriff auf Passwörter und Vorlagen, ein Beispiel |
Was der Chef delegieren darf
Die Pflege der Listen, das Schreiben des Protokolls, die Auswertung der Kennzahlen. Nicht delegieren kann er die Entscheidung: Die Managementbewertung ist nur dann eine, wenn aus ihr Beschlüsse mit Verantwortlichen und Terminen hervorgehen – und wenn beim nächsten Audit jemand sagen kann, was daraus geworden ist.
Typische Feststellung in diesem Gespräch
„Protokoll der Managementbewertung 2025 nennt Beschluss (2) zweiter Glaslieferant bis 09/2026; Stand 10/2026: Angebot liegt vor, Bemusterung offen; kein neuer Termin festgelegt.“ – Das ist ein Hinweis, kein Vorwurf: Der Beschluss wird verfolgt, aber nicht nachterminiert.
📄 Fragenkatalog Teil 2 – Führung, 18 Fragen mit Nachweis (PDF)
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Ziel mit Stand, Risiko mit Maßnahme, Beschluss mit Umsetzung – drei Nachweise, drei Fragen.
Auftrag bis Rechnung: der rote Faden
Ein einziger Auftrag, von der Anfrage bis zur Rechnung verfolgt, deckt acht Normpunkte ab – ohne dass einer davon genannt werden muss. Deshalb nehmen Sie drei Aufträge als Stichprobe: einen abgeschlossenen, einen laufenden, einen mit Problem (Verzug, Änderung, Reklamation).
Die Stationen und ihre Nachweise
| Station | Frage | Nachweis | Normpunkt |
|---|---|---|---|
| Anfrage | „Wie kam die Anfrage herein, und wo steht, was der Kunde wollte?“ | Anfrageblatt, Mail, Gesprächsnotiz | 8.2.1 |
| Angebot | „Wer hat geprüft, dass Sie liefern können, was Sie zusagen?“ | Angebot mit Freigabevermerk, Machbarkeitsnotiz | 8.2.2, 8.2.3 |
| Auftrag | „Wo ist die Bestätigung an den Kunden?“ | Auftragsbestätigung oder gegenbestätigte Kundenbestellung | 8.2.3 |
| Änderung | „Hat der Kunde zwischendurch etwas geändert – wie kam das in die Fertigung?“ | Änderungsmail in der Akte, Vermerk auf dem Fertigungsauftrag | 8.2.4, 8.5.6 |
| Fertigung/Leistung | „Welches Maßblatt lag am Arbeitsplatz, und ist es das aus der Akte?“ | Fertigungsauftrag mit Revisionsstand | 8.5.1 |
| Rückverfolgung | „Welches Material, welche Charge steckt in diesem Auftrag?“ | Lieferschein des Lieferanten, Chargen-/Seriennummer | 8.5.2 |
| Freigabe/Übergabe | „Wer hat vor der Auslieferung geprüft, und wo steht das?“ | Endkontrolle mit Kürzel, Übergabeprotokoll mit Kundenunterschrift | 8.6 |
| Rechnung | „Stimmen Rechnung, Angebot und Zeiterfassung überein?“ | Rechnung im Abgleich | 7.5.3 |
Zählen, nicht fühlen
Fehlt die Auftragsbestätigung in einer von drei Akten, ist das ein Hinweis. Fehlt sie in zwei von drei, ist es eine Abweichung – wenn das Handbuch sie verlangt. Die Zahl entscheidet, nicht der Eindruck. Deshalb immer drei Vorgänge, nie nur einen.
Der Lieblingsfehler der Betriebe
Für das Audit wird der beste Auftrag herausgesucht. Nehmen Sie ihn gern – und dazu den letzten in der Liste und den mit der Reklamation. Sagen Sie das in der Eröffnung an, dann ist es kein Misstrauen.
📄 Fragenkatalog Teil 3 – Auftrag bis Rechnung, 18 Fragen mit Nachweis (PDF)
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Drei Aufträge, acht Stationen, jede mit Nachweis. Die Zahl entscheidet über die Einstufung.
Einkauf, Mitarbeiter und Prüfmittel, Reklamationen
Drei Bereiche, in denen Kleinbetriebe am häufigsten Feststellungen bekommen – und in denen die Fragen am einfachsten sind.
Einkauf: die drei Fragen (8.4)
- Auswahl: „Zeigen Sie mir Ihren letzten neuen Lieferanten: Woran haben Sie festgemacht, dass er liefern kann?“ – Erstlieferung, Muster, Freigabevermerk.
- Bewertung: „Nehmen wir Ihre drei wichtigsten Lieferanten: Wann haben Sie zuletzt bewertet, ob sie weiter gut genug liefern, und was ist daraus gefolgt?“ – Liste mit Datum und Kriterien (Qualität, Termin, Reklamationen). Kein Punktesystem nötig; eine Konsequenz („Lieferant C: Lieferzeit bemängelt, Gespräch 03/2026“) ist mehr wert als Schulnoten.
- Wareneingang: „Nehmen wir die letzte Lieferung: Was haben Sie geprüft, wo steht das, und was ist beim letzten Problem passiert?“ – Lieferschein mit Haken, Kürzel, Datum; ein Reklamationsfall mit Rückmeldung an den Lieferanten.
Die vierte Frage, die jeden Chef trifft: „Was passiert, wenn dieser Lieferant morgen ausfällt?“ – Plan B in der Risikoliste.
Mitarbeiter, Schulung, Prüfmittel (7.1.5, 7.2)
Fragen werden am Arbeitsplatz gestellt, mit dem Gerät in der Hand. „Nehmen wir den Gesellen, der heute an der CNC steht: Wann wurde er eingewiesen, wo steht das?“ – Einweisungsnachweis mit Unterschrift. „Welches Messmittel wird hier am häufigsten benutzt – woran sehe ich, dass es geprüft ist?“ – Kennzeichnung und Prüfmittelliste. Interne Prüfung gegen ein Endmaß ist zulässig; ein Labor braucht niemand. Und: „Nehmen wir einen Mitarbeiter, dessen Qualifikation nächsten Monat abläuft: Woher wissen Sie das?“ – Fristenliste oder Qualifikationsmatrix mit Ablaufdaten.
Reklamationen: die letzte Reklamation als Prüfstein (10.2)
„Nehmen wir Ihre letzte Reklamation: Wie lief sie vom Eingang bis zum Abschluss, was war die Ursache, und woran haben Sie gemerkt, dass die Maßnahme gewirkt hat?“ Kapitel 10.2 verlangt genau diese drei Dinge – Ursache ermitteln, Maßnahme umsetzen, Wirksamkeit bewerten – aber kein Formular. Fehlt in der Liste die Spalte „Ursache“, ist das eine Verbesserung; kann niemand die Ursache nennen, ist es ein Hinweis.
📄 Fragenkatalog Teil 4 – Einkauf (PDF) · 📄 Teil 5 – Mitarbeiter, Schulung, Prüfmittel (PDF) · 📄 Teil 6 – Reklamationen (PDF)
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Einkauf: Auswahl, Bewertung, Wareneingang. Personal: am Arbeitsplatz fragen. Reklamation: Ursache, Maßnahme, Wirkung.
Branchen-Spezial: Produktion, Dienstleistung, Handel, Dienste
Die Norm ist für alle gleich, die Nachweise sind es nicht. Vier Branchenfamilien, vier Schwerpunkte – jede mit einer Sammlung von 25 echten Auditfragen samt Nachweis.
Produktion und Handwerk
Schwerpunkte: Rückverfolgbarkeit (welche Charge steckt im Auftrag), Prüfung (Anfahrteil, Endkontrolle, Messmittel am Arbeitsplatz), Ausschuss und Sperrung (Kennzeichnung, Sperrplatz), Zeichnungsstand (liegt am Arbeitsplatz dieselbe Revision wie in der Akte?). Typische Schwachstelle: ein Messmittel „aus dem Schrank“, das in keiner Liste steht.
📄 Branchenfragen Produktion und Handwerk (PDF)
Dienstleistung, Beratung, IT
Ohne Maschine bleibt zu prüfen: Kompetenz (Qualifikationsmatrix, Onboarding, Zugänge), Freigabe von Arbeitsergebnissen (Vier-Augen-Prinzip bei Bericht, Angebot, Release), Kundendaten und Backups (wann wurde zuletzt eine Wiederherstellung getestet?), Projektsteuerung (Soll-Ist-Termine, Kundeninformation bei Verzug). Typische Schwachstelle: der Backup-Test, der nie stattgefunden hat.
📄 Branchenfragen Dienstleistung, Beratung, IT (PDF)
Handel und Logistik
Vom Wareneingang (Menge, Zustand, Artikelnummer gegen Lieferschein) über Bestandsführung (Mindestbestand, Inventurdifferenz), Kennzeichnung und Lagerbedingungen bis zur Retoure und zur Liefertreue. Dazu die Disposition: Hat der eingesetzte Mitarbeiter die geforderten Berechtigungen – und wurde das vor der Zuteilung geprüft? Typische Schwachstelle: der Shop zeigt lieferbar, das Lager ist leer.
📄 Branchenfragen Handel und Logistik (PDF)
Reinigung, Sicherheit, Pflege, Personaldienstleistung
Verteilte Standorte heißen verteilte Nachweise: Objektanweisung vor Ort, Einweisung und Unterweisung mit Unterschrift, Geräteprüfung (DGUV) mit Plakette, Dosierung und Sicherheitsdatenblatt am Einsatzort, Kontrollprotokolle der Objektbegehungen. Typische Schwachstelle: der neue Mitarbeiter, der seit drei Monaten allein im Objekt steht, ohne dass ein Einarbeitungsplan ausgefüllt ist.
📄 Branchenfragen Reinigung, Sicherheit, Pflege, Personal (PDF)
Zum Merken
Gleiche Norm, andere Nachweise. Wählen Sie vor dem Audit drei Fragen aus Ihrer Branche – nicht 25.
Abweichung, Hinweis, Verbesserung – richtig einstufen; die acht Fehlvermutungen
Die Regel ist kurz: Nur was die Norm oder der Betrieb selbst verlangt, kann eine Abweichung sein. Alles andere ist Verbesserung – oder in Ordnung.
Der Entscheidungsbaum
- Verlangt die Norm das – oder hat der Betrieb es sich selbst vorgeschrieben? Nein → Verbesserung oder in Ordnung. Ja → weiter.
- Habe ich einen Beleg (Dokument, Nummer, Ort, Datum)? Nein → Beobachtung, Beleg suchen; ohne Beleg keine Feststellung. Ja → weiter.
- Ist die Forderung im Kern nicht erfüllt – systematisch (mehrere Fälle) oder mit Folge (Kunde, Sicherheit, Produkt)? Ja → Abweichung.
- Einzelfall, Forderung im Kern erfüllt, aber Lücke mit Risiko? Ja → Hinweis. Nein → Verbesserung.
Zwei Faustregeln: Bricht der Betrieb seine eigene Regel, ist das eine Abweichung – die Alternative ist, die Regel zu ändern, nicht sie zu ignorieren. Und: ein Fall von zehn ist ein Hinweis, drei von zehn sind eine Abweichung. Deshalb immer mehrere Vorgänge prüfen.
Die acht Fehlvermutungen
Was Auditoren gern fordern, obwohl es in ISO 9001:2015 nicht steht:
| Vermutung | Was die Norm sagt |
|---|---|
| Schriftlich benannter QM-Beauftragter | 5.3: Rollen zuweisen und bekannt machen – der „Beauftragte der obersten Leitung“ ist seit 2015 gestrichen; Organigramm reicht |
| Ein QM-Handbuch ist Pflicht | 7.5: dokumentierte Information im Umfang, den der Betrieb für wirksam hält – das Wort Handbuch kommt nicht vor |
| Jeder Prozess braucht eine Beschreibung | 4.4: Prozesse bestimmen, dokumentieren „im erforderlichen Umfang“ – eine Prozessliste reicht |
| Lieferanten müssen zertifiziert sein | 8.4.1: Kriterien für Auswahl und Bewertung legt der Betrieb fest |
| Versionsnummer und Freigabevermerk auf jedem Blatt | 7.5.3: Lenkung – verfügbar, geeignet, geschützt; Ablage im System mit Datum ist Lenkung |
| Prüfmittel müssen extern kalibriert werden | 7.1.5.2: kalibrieren oder verifizieren – auch intern gegen ein Endmaß |
| Formulare für Kontext, interessierte Parteien, Risiken | 4.1, 4.2, 6.1: bestimmen und berücksichtigen – keine dokumentierte Information gefordert |
| Kundenzufriedenheit per Fragebogen | 9.1.2: Wahrnehmung überwachen – Methode frei (Gespräche, Reklamationen, Folgeaufträge, Übergabeprotokolle) |
Aber: Hat der Betrieb eines dieser Dinge selbst festgelegt, gilt die Festlegung – und ihr Fehlen ist eine Feststellung. Deshalb: weniger versprechen, mehr halten.
📄 Einstufungs-Spickzettel und die acht Fehlvermutungen (PDF)
Zum Merken
Forderung – Beleg – Häufigkeit. Ohne Forderung keine Abweichung, ohne Beleg keine Feststellung.
Feststellung schreiben: Beleg, Forderung, Lücke – und was gut läuft, gehört auch rein
Eine Feststellung ist drei Sätze lang. Erster Satz: Was habe ich gesehen (Beleg). Zweiter: Was ist gefordert (Forderung – Handbuchstelle, Normpunkt in Klammern). Dritter: Was fehlt, wie oft, mit welcher Folge (Lücke). Dann die Einstufung.
Schlecht und gut
❌ „8.2.3 nicht erfüllt. Vertrieb arbeitet unsauber.“
✓ „Auftrag 2026-118 (Angebot 30.04., Fertigungsauftrag 06.05.) enthält keine Auftragsbestätigung; Auftrag 2026-131 wurde auf eine Kundenbestellung hin gefertigt, ohne dass sie gegenbestätigt wurde. Handbuch Kap. 7.2 Schritt 4 verlangt die Auftragsbestätigung vor Anlage des Fertigungsauftrags (ISO 9001 8.2.3). Betroffen 2 von 3 geprüften Aufträgen; Folge im Fall 2026-118: Reklamation R-26-03. – Abweichung.“
Die gute Feststellung nennt Nummern, Daten, die Handbuchstelle, die Zahl 2 von 3 und die Folge. Sie ist nachprüfbar, und sie beschuldigt niemanden.
Wörter, die Sie streichen
| Streichen | Stattdessen |
|---|---|
| „unsauber“, „mangelhaft“, „schlecht“ | Zahl und Beleg: „2 von 3 Akten ohne …“ |
| „muss verbessert werden“ | Lücke benennen – die Maßnahme kommt vom Betrieb |
| „nicht normkonform“, „8.2.3 nicht erfüllt“ | Eigene Festlegung zitieren, Normpunkt in Klammern |
| „teilweise“, „oft“, „manchmal“ | „in 2 von 3“, „seit 11/2024“ |
| „sensibilisieren“, „darauf achten“ | Ursache plus Änderung am Ablauf (Pflichtfeld, Termin, Vorlage) |
Was gut läuft, gehört auch rein
Mindestens drei Stärken, konkret: „Auftragsakte 2026-104 lückenlos von Anfrage bis Rechnung – eignet sich als Vorlage für die Einarbeitung im Vertrieb.“ Nicht: „Die Dokumentation ist gut.“ Stärken stehen im Bericht vor den Feststellungen. Sie motivieren den Betrieb – und der Zertifizierer liest sie als Zeichen, dass der Auditor hingesehen hat.
📄 Formulierungsmuster: sechs Paare schlecht/gut (PDF)
Zum Merken
Beleg, Forderung, Lücke – drei Sätze. Keine Wertungen. Drei Stärken vor den Feststellungen.
Auditbericht in 45 Minuten, Maßnahmenplan, Managementbewertung
Der Bericht ist das einzige, was vom Audit übrig bleibt. Er wird von zwei Menschen gelesen: der Geschäftsführung und dem Zertifizierer. Für beide gilt: 2 bis 4 Seiten, Ergebnis vorn.
Aufbau in fünf Abschnitten
- Umfang und Methode – welche Prozesse, welche Stichproben (Auftragsnummern, Prüfmittel, Personen), wer hat was auditiert.
- Ergebnis in einem Satz – „Das QM-System ist eingeführt und wirksam; zwei Abweichungen betreffen Festlegungen, die der Betrieb sich selbst gegeben hat.“
- Stärken – drei, konkret.
- Feststellungen – je drei Sätze, nummeriert (A1, A2, H1, H2, V1), mit Einstufung.
- Hinweis für die Managementbewertung – Ziele im Rückstand, Trends, Themen für die nächste Sitzung.
Weggelassen wird: die Normstruktur als Gliederung, Beschreibungen von Prozessen, die funktionieren (ein Satz mit Stichprobe reicht), Empfehlungen ohne Bezug zu einer Feststellung.
Maßnahmenplan: Ursache vor Maßnahme
| Spalte | Was hineingehört | Was nicht |
|---|---|---|
| Ursache | vom Betrieb benannt: „Fertigungsauftrag lässt sich ohne Auftragsbestätigung anlegen“ | „Nachlässigkeit“ |
| Maßnahme | ändert den Ablauf: Pflichtfeld, Termin im Kalender, Vorlage | „Mitarbeiter sensibilisiert“ |
| Wer / bis wann | eine Person, ein Datum | „Vertrieb“, „zeitnah“ |
| Wirksamkeitsprüfung | wer prüft wann woran: „QMB prüft 10 Akten ab 12/2026 im Februar“ | leer |
Kapitel 10.2 verlangt genau das: Ursache ermitteln, Maßnahme umsetzen, Wirksamkeit bewerten. Eine Maßnahme ohne Wirksamkeitsprüfung ist beim nächsten externen Audit die erste Frage.
Managementbewertung aus dem Audit ableiten
Das Auditergebnis ist Pflichteingabe (9.3.2 c). Ein Absatz genügt: Anzahl und Art der Feststellungen, Stand der Maßnahmen, Trend zum Vorjahr. Im Kleinbetrieb genügt für die Managementbewertung ein Bericht oder Protokoll – eine Sitzung ist möglich, aber nicht gefordert: Eingaben nach 9.3.2 der Reihe nach, dann Beschlüsse mit Verantwortlichem und Termin, beim nächsten Mal der Umsetzungsstand.
Die Vorlagen für Auditbericht (Word), Maßnahmenplan (Excel) und Managementbewertung (Word) stellt die Akademie im Firmenpaket bereit. Übung 4 am Ende des Praxisfalls nutzt sie.
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2 bis 4 Seiten, Ergebnis vorn. Ursache vor Maßnahme. Jede Maßnahme mit terminierter Wirksamkeitsprüfung.
Praxisfall: Internes Audit bei der Schreinerei Waldner – Übungen 2 bis 4
Die Lage: Schreinerei Waldner GmbH, 14 Mitarbeiter, Fenster und Haustüren, Innenausbau und Möbel nach Maß, zertifiziert seit 2024. Sie sind der interne Auditor. Die Mappe aus Modul 1 enthält Organigramm, Prozessliste, Handbuchauszug, drei Auftragsakten, Reklamationsliste, Lieferantenliste, Schulungsnachweise, Prüfmittelliste und die letzte Managementbewertung. Der QMB (T. Waldner) leitet zugleich die Montage.
Übung 2: Zehn Fragen an den Fertigungsleiter
Formulieren Sie zehn Fragen für das Gespräch mit R. Hadar – alle nach der Grundregel, alle mit dem Nachweis, den Sie sehen wollen. Beispiel: „Nehmen wir den Fertigungsauftrag FA-2026-131, der gerade läuft: Woran sehen Sie am Arbeitsplatz, welches Maßblatt gilt, nachdem nach dem Putz nachgemessen wurde?“ – Nachweis: Maßblatt mit Nachmaß-Eintrag vom 08.07. am Arbeitsplatz.
Übung 3: Sechs Beobachtungen einstufen
Aus der Mappe ergeben sich sechs Beobachtungen. Stufen Sie jede ein und begründen Sie mit Forderung und Beleg – bevor Sie weiterlesen.
- Aufträge 2026-118 und 2026-131 ohne Auftragsbestätigung bzw. Gegenbestätigung; Handbuch 7.2 Schritt 4 verlangt sie vor Fertigungsbeginn.
- Lieferantenbewertung zuletzt 11/2024; Handbuch 8.4 sagt „jährlich im November“; Lieferant E seit 02/2026 ohne Bewertung.
- Messschieber MS-03 im Einsatz für ±0,5 mm, ohne Prüfdatum und ohne Kennzeichnung; die übrigen fünf Prüfmittel sind in Ordnung.
- Einarbeitungsplan des Monteurs, der seit 03/2026 im Betrieb ist, enthält nur den Namen.
- Reklamationsliste ohne Spalten „Ursache“ und „Maßnahme“; Auswertung nur jährlich.
- Keine schriftliche Benennung des QMB – nur im Organigramm und in der Stellenbeschreibung.
Auflösung: 1 und 2 sind Abweichungen (eigene Festlegung systematisch nicht eingehalten; bei 1 mit Folge: Reklamation R-26-03). 3 und 4 sind Hinweise (Einzelfälle, Forderung im Kern erfüllt). 5 ist eine Verbesserung (10.2 verlangt Ursachenermittlung, aber keine Spalte). 6 ist in Ordnung – ISO 9001:2015 kennt keinen benannten Beauftragten mehr; das ist die Falle aus den Fehlvermutungen.
Übung 4: Bericht und Maßnahmenplan
Schreiben Sie den Waldner-Bericht auf 2 bis 4 Seiten und den Maßnahmenplan mit Ursache, Maßnahme, Verantwortlichem, Termin und Wirksamkeitsprüfung. Achten Sie darauf, dass die Maßnahme zu A1 den Ablauf ändert („Pflichtfeld AB-Datum im Fertigungsauftrag“), nicht das Bewusstsein. Vergleichen Sie dann mit der Musterlösung.
📄 Musterlösungen Ü1 bis Ü4 (PDF) · 📄 Maßnahmenplan Waldner (Excel)
Zum Merken
Zwei Abweichungen, zwei Hinweise, eine Verbesserung, eine Falle – wer die Falle erkennt, hat die Einstufung verstanden.
Das externe Audit überstehen: 20 Stellen, Umstellung auf ISO 9001:2026, Abschlussprojekt
Was der Zertifizierer mit Ihrem Bericht macht
Er liest ihn in Stufe 1 – auf Vollständigkeit, Unabhängigkeit, Belege und Wirksamkeit der Maßnahmen. In Stufe 2 nutzt er Ihre Feststellungen als Einstieg für eigene Fragen: Wer eine Abweichung zur Auftragsbestätigung im internen Bericht hat, bekommt im externen Audit drei Auftragsakten vorgelegt. Das ist gut so – ein ehrlicher interner Bericht mit nachverfolgten Maßnahmen ist das beste Argument, das Sie haben. Ein interner Bericht ohne jede Feststellung macht Auditoren dagegen misstrauisch.
Die 20 Stellen, an denen Kleinbetriebe scheitern
Verdichtet aus über 1 000 Audits: Ziele ohne Messwert · Managementbewertung ohne Beschlüsse · Risikoliste seit Jahren unverändert · keine Vertretung der Geschäftsführung · Aufträge ohne Auftragsbestätigung · Änderungen nur mündlich · Termintreue nicht gemessen · Lieferantenbewertung veraltet · neue Lieferanten ohne Freigabe · Wareneingang ohne Prüfvermerk · ein Lieferant ohne Plan B · falscher Zeichnungsstand am Arbeitsplatz · Endkontrolle ohne Aufzeichnung · fehlende Rückverfolgbarkeit · Prüfmittel ohne Prüfdatum · Wartung nicht nachweisbar · neue Mitarbeiter ohne Einweisungsnachweis · ablaufende Qualifikationen nicht überwacht · Reklamationen ohne Ursache · Vorjahresfeststellungen offen. Zu jeder Stelle gibt es einen Nachweis, der sie abräumt – die Checkliste nennt ihn.
📄 Checkliste 20 Stellen mit Nachweis (PDF)
ISO 9001:2026 – was sich für das Audit ändert
Die Revision ist am 16.09.2026 erschienen. Die Struktur bleibt, die Prozesse bleiben. Zusätzlich in den Blick kommen: Klimawandel als Kontextthema (bereits seit dem Amendment 2024), Qualitätskultur, Ethik und Integrität als Verantwortung der Leitung, die Planung von Änderungen und eine klarere Verknüpfung von Risiken und Chancen mit den Zielen. Für das interne Audit heißt das: dieselben Fragen, plus „Haben Sie bewertet, ob der Klimawandel für Sie relevant ist?“ und „Nehmen wir Ihre letzte größere Änderung: Wie haben Sie Folgen und Ressourcen vorher bewertet?“ Bis zur Umstellung im eigenen Zyklus sind die neuen Anforderungen der Fassung 2026 Verbesserung, keine Abweichung – ausgenommen der Klimawandel, den die Norm schon seit dem Amendment 2024 verlangt. Die Übergangsfrist beträgt 36 Monate ab Veröffentlichung (voraussichtlich bis 30.09.2029); verbindliche Termine nennt Ihre Zertifizierungsstelle.
📄 Kurzübersicht ISO 9001:2026 fürs Audit (PDF)
Abschlussprojekt: Ihr erstes eigenes Audit
Ein Vormittag im eigenen Betrieb – oder ein zweites Waldner-Audit (Montage, Reklamation, Schulung). Sieben Schritte, Bewertungsraster mit zehn Kriterien je 0/1/2 Punkten, bestanden ab 14 von 20. Die meisten Punkte gehen bei der Formulierung der Feststellungen und bei Maßnahmen ohne Ursache verloren – beides lässt sich am Schreibtisch nachbessern.
📄 Projektanleitung und Bewertungsraster (PDF) · 📄 FAQ-Blatt: die 15 häufigsten Fragen zum internen Audit (PDF)
Zum Merken
Der Zertifizierer sucht in Ihrem Bericht Einstiege, keine Fehler. Geben Sie ihm ehrliche.
Verfahren im eigenen Haus
Dieses Modul füllt Ihr Unternehmen aus. Der allgemeine Teil der Schulung endet hier — wie interne Audits bei Ihnen konkret laufen, weiß nur Ihr Haus.
Diese Angaben gehören hinein:
| Punkt | Was einzutragen ist |
|---|---|
| Leitung des Auditprogramms | Wer plant das Auditprogramm (QMB, Geschäftsführung)? Wo liegt die aktuelle Mehrjahresmatrix? |
| Interne Auditoren | Namen, Bereiche, Qualifikation; wer darf welchen Bereich auditieren — und welchen nicht (Unabhängigkeitsregel) |
| Auditplan-Vorlage | Wo liegt die Vorlage, wie viele Tage vorher wird sie versendet, an wen? |
| Einstufung der Feststellungen | Welche Kategorien verwendet das Haus (Konformität, VP, Minor, Major oder eigene), wer entscheidet im Zweifel? |
| Auditbericht | Vorlage, Frist nach dem Audit, Verteiler, wer gibt frei? |
| Maßnahmenverfolgung | Welche Liste (Maßnahmenplan, Ticketsystem), wer verfolgt, wann wird Wirksamkeit geprüft? |
| Ablage und Aufbewahrung | Wo liegen Programm, Pläne, Berichte; wie lange werden sie aufbewahrt? |
| Zertifizierer und Termine | Wer zertifiziert, wann ist das nächste externe Audit, bis wann müssen interne Audits abgeschlossen sein? |
| Besonderheit Ihres Hauses | z. B. mehrere Standorte, Kunden-Audits, kombinierte Audits ISO 9001 / 14001 / 45001 |
Für die Führung
Die Unabhängigkeitsregel ist der Punkt, der im Kleinbetrieb am häufigsten unklar bleibt. Legen Sie schriftlich fest, wer wen auditiert — und wer das QM-System selbst prüft, wenn der QMB es aufgebaut hat.
Nachweisführung: Auditorenkompetenz und Auditnachweise
Zum Schluss das, was diese Schulung zu einem Nachweis macht — und was der Zertifizierer zum Thema interne Audits sehen will.
Nachweis der Auditorenkompetenz (Kap. 7.2)
ISO 9001 verlangt dokumentierte Information als Nachweis der Kompetenz. Für interne Auditoren bedeutet das in der Praxis:
- Schulungsnachweis — dieses Zertifikat mit Datum, Inhalten und Ergebnis
- Eintrag in der Qualifikationsmatrix oder im Schulungsplan: „interner Auditor ISO 9001"
- optional: Teilnahme an einem Audit unter Anleitung, Bewertung durch die Leitung des Auditprogramms (ISO 19011, 7.6)
- Auffrischung: Die Norm nennt keine Frist. Üblich ist eine Auffrischung bei Normrevision (ISO 9001:2026!), nach längerer Pause und spätestens alle drei Jahre.
Ein Zertifikat allein macht noch keinen Auditor — aber ohne Zertifikat oder gleichwertigen Nachweis fehlt dem Zertifizierer die Grundlage, die Kompetenz anzuerkennen.
Nachweise des Auditprogramms (Kap. 9.2.2 f)
| Nachweis | Was er belegt |
|---|---|
| Auditprogramm (Matrix) | alle Bereiche und Normkapitel sind im Zyklus abgedeckt |
| Auditpläne | Kriterien und Umfang je Audit wurden festgelegt |
| Auditberichte | Ergebnisse wurden an die Leitung berichtet |
| Maßnahmenplan mit Wirksamkeitsprüfung | Korrekturmaßnahmen ohne ungerechtfertigte Verzögerung |
| Managementbewertung | Auditergebnisse wurden von der Leitung bewertet (Kap. 9.3.2 c) |
Was auf diesem Zertifikat steht
Name, Kurs, Datum, Ergebnis, die vollständige Liste der Schulungsinhalte mit Normbezug und eine prüfbare Zertifikatsnummer. Damit ist der Nachweis das, was ein Auditor selbst verlangen würde: verifizierbar.
Zum Merken
Der Zertifizierer stellt zwei Fragen: „Wer hat das interne Audit gemacht — und womit weisen Sie dessen Kompetenz nach?" Zertifikat plus Qualifikationsmatrix beantworten beide.
Abschlusstest
35 Fragen, je eine richtige Antwort. Zum Bestehen brauchen Sie 28 richtige (80 %). Die Auswertung erfolgt auf dem Server — hier auf der Seite steht keine Lösung.
Ihr Ergebnis
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Wie es weitergeht
Vorab das Methodentraining: Online-Training „Interner Auditor ISO 9001“ in der Akademie – kostenlos, mit Zertifikat als Kompetenznachweis nach Kap. 7.2.
Betriebsspezifischer Zusatzteil: Modul „Verfahren im eigenen Haus“ als Festpreis-Anpassung mit Ihren Vorlagen, Ihrer Unabhängigkeitsregel und Ihrer Einstufung.
Internes Audit extern durchführen lassen: Wenn im Haus niemand unabhängig auditieren kann: Wir führen das interne Audit nach ISO 9001 für Sie durch – inklusive Bericht, Maßnahmenplan und Managementbewertung.
Üben mit KI-Auditor: Probeaudit ISO 9001 und Praxistraining Interner Auditor mit KI-Auditor in der QM-Guru Akademie.
Weitere kostenlose Unterweisungen finden Sie in der Online Akademie. Fragen zur Umsetzung im eigenen Betrieb beantworten wir über das Kontaktformular.
Fachliche Rückfragen zu dieser Unterweisung: Holger.grosser@iso9001.info · Telefon 0911-49522541. Eine Online-Unterweisung erfüllt die Unterweisungspflicht nur, wenn Rückfragen an eine unterweisende Person möglich sind.