Dokumentenlenkung nach ISO 9001 Kap. 7.5: Stand, Freigabe, Ablage, Aufbewahrung – ohne Bürokratie
Darum geht es
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Was dieser Kurs nicht leistet (aufklappen)
Was Kapitel 7.5 verlangt: vier Punkte, keine Bürokratie
Kapitel 7.5 lässt sich in vier Fragen zusammenfassen – mehr prüft der Auditor nicht:
| Frage | Normstelle | Im Kleinbetrieb erfüllt durch |
|---|---|---|
| Erkennt man, was es ist und ob es gilt? (Kennzeichnung) | 7.5.2 a) | Nummer, Titel, Stand im Dateinamen und in der Fußzeile |
| Hat es jemand geprüft und freigegeben? (Freigabe) | 7.5.2 c) | Kürzel der freigebenden Funktion mit Datum – in Kopfzeile oder Dokumentenliste |
| Findet jeder die gültige Fassung – und nur die? (Verfügbarkeit, Änderung, Verteilung) | 7.5.3.1 a), 7.5.3.2 a), c) | Ein Ablageort mit Leserechten für alle; alte Stände im Archivordner; Aushänge in der Liste |
| Bleibt es erhalten und unverändert, solange nötig? (Schutz, Aufbewahrung, Nachweise) | 7.5.3.1 b), 7.5.3.2 d), letzter Absatz | Backup, Schreibrechte für wenige, PDF für Nachweise, Aufbewahrungsliste |
Zwei Arten dokumentierter Information:
| Vorgabedokument | Nachweis (Aufzeichnung) | |
|---|---|---|
| Sagt | wie es sein soll | was war |
| Beispiel | Handbuch, Prozessblatt, AA, Formblatt-Vorlage, Prüfplan | ausgefülltes Prüfprotokoll, Reklamationsblatt, Auditbericht, Lieferschein |
| Wird | gepflegt, hat einen Stand, wird ersetzt | nicht mehr geändert, hat eine Aufbewahrungsfrist |
| Schutz | gegen Verwendung alter Stände | gegen Veränderung und Verlust |
ISO 9001:2026 spricht nur noch von „als dokumentierte Information verfügbar“ (statt „aufrechterhalten“ für Vorgaben und „aufbewahren“ für Nachweise) und ergänzt Hinweise zu digitalen Medien: Zugriffsrechte, Versionierung, Sicherung, Lesbarkeit über die Aufbewahrungsfrist. Die Unterscheidung oben bleibt für die Praxis sinnvoll – sie bestimmt, ob ein Dokument einen Stand oder eine Frist braucht.
Nicht verlangt: ein Dokumentenmanagementsystem, Unterschriften, Verteilerlisten, Änderungshistorie in jedem Dokument, Deckblätter, eine „Verfahrensanweisung Dokumentenlenkung“. Eine Seite im Handbuch (Kapitel 7) mit den Regeln dieses Kurses erfüllt 7.5 vollständig.
Ordnerstruktur und Namensregel: eine Ablage, die sich selbst erklärt
Die Fünf-Ordner-Struktur (Cloud oder Server, ein Ort für alles):
| Ordner | Inhalt | Rechte |
|---|---|---|
| 01 Handbuch und Prozesse | Handbuch, Prozessblätter, Organigramm, Politik, Ziele | lesen: alle · schreiben: QMB, GL |
| 02 Anweisungen und Vorlagen | VA, AA, Formblatt-Vorlagen, Checklisten-Vorlagen (leer) | lesen: alle · schreiben: QMB, Prozessverantwortliche |
| 03 Nachweise – je Jahr ein Unterordner, darin je Thema (Audit, Managementbewertung, Reklamationen, Schulung, Prüfmittel, Lieferanten …) | ausgefüllte Formblätter, Protokolle, Berichte – als PDF | schreiben: wer den Nachweis erzeugt · ändern: niemand |
| 04 Externe Dokumente | Normen (Pflichtexemplar), Kundenvorgaben, Zeichnungen, Herstelleranleitungen, Gesetze/Verweise | lesen: alle · schreiben: QMB |
| 05 Archiv | ersetzte Stände von Vorgabedokumenten (ein Unterordner je Jahr) | lesen: QMB · schreiben: QMB |
Auftragsbezogene Nachweise (Angebot, AB, Lieferschein, Prüfprotokoll des Auftrags) bleiben beim Auftrag – im ERP oder im Auftragsordner – und werden nicht in 03 kopiert. Die Dokumentenliste verweist auf den Ort.
Namensregel Vorgabedokumente: Nummer_Titel_Stand.ext → AA-04_Endpruefung-Pruefplatz-2_2026-10.docx. Der Stand
ist JJJJ-MM; bei mehreren Änderungen im Monat JJJJ-MM-TT. Keine Umlaute im Dateinamen (Cloud-Synchronisation),
keine Leerzeichen, keine „final_final_neu“.
Namensregel Nachweise: JJJJ-MM-TT_Vorgang_Bezug.pdf → 2026-10-14_Reklamation_R-2026-07_Kunde-X.pdf. Datum
vorn, damit die Sortierung die Zeitfolge zeigt.
E-Mails und Chats sind Nachweise, wenn sie eine Entscheidung tragen (Kundenfreigabe, Änderungswunsch, Lieferantenzusage): als PDF in den Auftrag oder in 03 – nicht im Postfach lassen. Regel: Was ein Auditor sehen könnte, liegt nicht in einem Postfach.
Stand und Freigabe: Fußzeile, Kürzel, keine Unterschriftenmappe
Fußzeile jedes Vorgabedokuments (eine Zeile, Schriftgröße 8): AA-04 · Endprüfung Prüfplatz 2 · Stand 2026-10 ·
Freigabe Meister/mk · Seite 1 von 1. Das erfüllt 7.5.2 a) (Kennzeichnung) und c) (Freigabe) auf einmal. Bei
Word: Fußzeile in der Vorlage, Felder für Dateiname und Seite.
Wer gibt frei?
| Dokument | Freigabe durch |
|---|---|
| Handbuch, Politik, Ziele, Organigramm | Geschäftsleitung |
| Prozessblätter | Geschäftsleitung (oder Prozessverantwortlicher, wenn festgelegt) |
| Verfahrens-/Arbeitsanweisungen, Checklisten | Verantwortlicher des Prozesses (Meister, Vertriebsleitung …) |
| Formblatt-Vorlagen | QMB |
Der Schreiber gibt nicht selbst frei – Vier-Augen-Prinzip in einer Zeile. Freigabe heißt: gelesen, passt zur Praxis, Datum und Kürzel. Keine Unterschriftenmappe, kein Deckblatt mit drei Unterschriften. Wer digital freigibt, schreibt das Kürzel in die Fußzeile oder trägt „freigegeben am/von“ in der Dokumentenliste ein – beides ist ein Nachweis.
Entwürfe tragen im Dateinamen _ENTWURF und liegen nicht im Ordner 01/02, sondern beim Bearbeiter. Erst mit
Freigabe wandert die Datei an den Ablageort und bekommt den Stand.
Formblätter: Die Vorlage hat einen Stand (in der Fußzeile: FB-07 Reklamationsblatt · Stand 2026-05). Der
ausgefüllte Nachweis trägt das Datum des Vorgangs – nicht den Stand der Vorlage ändern. So sieht der Auditor,
ob ein alter Nachweis mit der damals gültigen Vorlage entstand.
Version oder Datum? Beides ist zulässig. Das Datum (JJJJ-MM) zeigt im Audit sofort, ob das Dokument aktuell ist; Versionsnummern (2.1) brauchen die Liste zum Nachschlagen. Für Kleinbetriebe: Datum.
Die Dokumentenliste: das einzige Verzeichnis – und was hineingehört
Eine Tabelle, zehn Spalten, alles drin – das ist die Dokumentenliste. Sie ersetzt Verteilerlisten, Änderungshistorien in jedem Dokument und die Frage „Haben wir dafür was?“.
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| Nr. | HB, PB-W1, VA-03, AA-04, FB-07, CL-02, EXT-01 |
| Titel | wie in der Fußzeile |
| Art | HB Handbuch · PB Prozessblatt · VA · AA · FB Formblatt · CL Checkliste · EXT extern |
| Stand | JJJJ-MM |
| Freigabe | Funktion/Kürzel, Datum |
| Ablageort | Ordner oder System |
| Hängt in / Verteilung | Prüfplatz 2, Mappe CNC, Tablet Montage – oder „–“ |
| Letzte Prüfung | Datum der jährlichen Durchsicht |
| Geändert am / was | „2026-10: Toleranz Länge“ – die Änderungshistorie in einer Zelle |
| Quelle (nur EXT) | Hersteller, Kunde, DIN Media; Revisionsstand; wann zuletzt auf Aktualität geprüft |
Pflege: Bei jeder Freigabe eine Zeile anfassen – drei Minuten. Ohne diese Disziplin ist die Liste in einem Jahr wertlos; deshalb gehört „Dokumentenliste aktualisiert“ als letzter Schritt in die Änderung (Modul 7).
Streichliste (zweites Blatt): Nr., Titel, entfernt am, Grund, entschieden von. Sie belegt im Audit, dass Dokumente bewusst entfernt wurden – und beantwortet „Wo ist Ihre VA für …?“.
Wie der Auditor damit arbeitet: Er nimmt die Liste, geht an drei Arbeitsplätze und vergleicht Stand am Platz mit Stand in der Liste. Dann nimmt er ein externes Dokument (Zeichnung, Norm) und fragt, wie der Betrieb erfährt, dass es sich geändert hat. Beides steht in der Liste.
Externe Dokumente: Normen, Zeichnungen, Kundenvorgaben, Herstelleranleitungen, Gesetze
Externe Dokumente stellt der Betrieb nicht selbst her, muss sie aber kennen und in der gültigen Fassung verwenden. Die Norm verlangt: kennzeichnen (als extern erkennbar, mit Quelle und Stand) und lenken (wissen, wo sie liegen, wann sie geprüft wurden).
| Gruppe | Beispiele | Stand / Aktualität prüfen |
|---|---|---|
| Normen | ISO 9001 (Pflichtexemplar, kein Kopiertext), Produktnormen, DIN-Normen für Prüfungen | Jährlich bei DIN Media / Beuth: Ausgabedatum vergleichen; neue Fassung → Delta prüfen |
| Kundenvorgaben | Zeichnungen mit Revision, Spezifikationen, Lieferantenhandbücher, QSV | Bei jedem Auftrag: Revisionsstand aus Bestellung = Zeichnung in der Mappe; alte Revision einziehen |
| Lieferanten/Hersteller | Montageanleitungen, Datenblätter, Sicherheitsdatenblätter, Softwarehandbuch | Bei Neubezug prüfen; SDB jährlich beim Lieferanten anfragen |
| Gesetze und Regeln | ArbSchG, GefStoffV, Vergaberegeln, Branchenregeln | Normen-/Gesetzesliste mit Quelle (gesetze-im-internet.de) und Prüfdatum; jährliche Durchsicht |
Kennzeichnung: Externe Dokumente liegen im Ordner 04, tragen im Dateinamen EXT- und stehen in der
Dokumentenliste mit Quelle und Revisionsstand. Ausdrucke bekommen den Stempel „extern – Stand geprüft am …“ oder
die Zeile in der Liste.
Zeichnungen vom Kunden sind der häufigste Auditfund: Rev. A am Arbeitsplatz, Rev. B in der Bestellung. Regel: Die Auftragsmappe trägt die Revision aus der Bestellung; der Werker arbeitet nur mit der Zeichnung aus der Mappe; bei Änderung druckt die Arbeitsvorbereitung neu und zieht die alte ein (Änderungsvermerk).
Die jährliche Prüfung (30 Minuten vor dem internen Audit): Normen – Ausgabedatum prüfen; Gesetze – Liste durchgehen; Herstellerdokumente – bei Produktwechsel. Datum in die Spalte „Letzte Prüfung“. Wer eine Normen-/Gesetzesliste hat (Kurs „ISO 9001 entscheiden“, Rechtskataster), führt sie als Blatt der Dokumentenliste.
Papier, Aushänge, Tablets, Cloud: Verteilung und Schutz in der Praxis
Digital ist der Regelfall: Ein Ablageort (Cloud oder Server), Ordnerstruktur aus Modul 2, Leserechte für alle, Schreibrechte für wenige. Versionierung ergibt sich aus dem Stand im Dateinamen – alte Stände wandern ins Archiv (05), nicht in „_alt“-Ordner überall.
Papier und Aushänge sind „kontrollierte Kopien“: Jeder Aushang und jede Mappe steht in der Dokumentenliste (Spalte „hängt in“). Bei Änderung wird am selben Tag getauscht; der alte Aushang kommt weg. Ausdrucke ohne Eintrag in der Liste sind „unkontrolliert“ – auf ihnen darf nicht gearbeitet werden (Hinweis in der Fußzeile: „Ausdruck nur gültig mit Stand in der Dokumentenliste“).
Tablet oder Bildschirm am Platz mit Link auf den Ablageort löst das Aushang-Problem vollständig: Es zeigt immer den aktuellen Stand. QR-Code an der Maschine → PDF der AA. Für Werkstatt und Montage die beste Lösung.
Schutz – drei Richtungen:
| Schutz vor | Maßnahme |
|---|---|
| Verlust | 3-2-1-Backup: drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus (Cloud-Anbieter erledigt das meist; einmal im Jahr Wiederherstellung testen und als Nachweis ablegen) |
| Veränderung (Integrität) | Nachweise als PDF; Schreibrechte in 03 nur „hinzufügen“, nicht „ändern/löschen“ (Cloud-Einstellung); Vorgaben nur über die Änderung aus Modul 7 |
| Vertraulichkeit | Kundenzeichnungen und Personalnachweise in Ordnern mit eingeschränkten Rechten; keine Weitergabe an private Geräte; Verschwiegenheit im Arbeitsvertrag |
Private Kopien auf Laptops, in Mailanhängen oder WhatsApp sind der zweithäufigste Auditfund („Ich hab’s mir mal runtergeladen“). Regel im Handbuch: Gearbeitet wird am Ablageort oder mit dem Link – nie mit Kopien.
Homeoffice (2026, 7.1.3): Zugriff über VPN/Cloud mit denselben Rechten, keine Kundendaten auf Privatgeräten. Softwarewechsel: vor der Umstellung alle Nachweise als PDF exportieren und die Lesbarkeit über die Aufbewahrungsfrist sichern (2026 nennt das ausdrücklich).
Die Änderung in drei Schritten: kopieren, freigeben, tauschen
| Schritt | Was | Wer | Nachweis |
|---|---|---|---|
| 1 Ändern | Datei kopieren, Stand im Namen hochsetzen (_2026-10), ändern; was geändert wurde, in einem Satz notieren |
Bearbeiter (meist QMB oder Prozessverantwortlicher) | Datei mit neuem Stand |
| 2 Freigeben | Verantwortlicher liest, prüft gegen die Praxis, setzt Kürzel/Datum in die Fußzeile; Dokumentenliste: Stand, Freigabe, „geändert am/was“ | Freigebende Funktion | Fußzeile, Liste |
| 3 Tauschen | Alten Stand nach 05 Archiv; Aushänge/Mappen tauschen (Spalte „hängt in“); Betroffene informieren – bei AA: Einweisung mit Protokollzeile | QMB | Archiv, Einweisungsprotokoll |
Dauer: zehn Minuten für eine Arbeitsanweisung, eine Stunde für ein Handbuchkapitel. Der Schritt, der vergessen wird, ist immer 3 – deshalb steht „hängt in“ in der Liste.
Dringende Änderung (Rotstift-Regel): Ist eine Korrektur sofort nötig (falscher Sollwert), darf der Verantwortliche sie handschriftlich mit Datum und Kürzel auf dem Aushang eintragen – und löst damit Schritt 1 bis 3 innerhalb einer Woche aus. Das ist normkonform (Änderung ist gelenkt), wenn es die Ausnahme bleibt und in der Liste vermerkt wird.
Beispiel ISO 9001:2026: Die Umstellung ändert Handbuch Kap. 1, 2, 4, 5, 7, die Risikenanalyse und zwei Vorlagen. Alle laufen durch dieselben drei Schritte; die Dokumentenliste zeigt danach in der Spalte „geändert am/was“ überall „2027-01: Umstellung ISO 9001:2026“ – das ist für den Auditor der Nachweis der Umstellung.
📄 Die Änderung in drei Schritten als Ablaufblatt mit Rotstift-Regel und Checkliste je Änderung
Aufbewahrung und Entsorgung: Fristen aus Handel, Steuer, Haftung – die Aufbewahrungsliste
Die ISO 9001 nennt keine Fristen – sie verlangt nur, dass der Betrieb welche festlegt (7.5.3.2 d). Die Fristen kommen aus Handels- und Steuerrecht, Haftung, Kundenverträgen und dem Zertifizierungszyklus.
| Nachweis | Frist (gängig) | Grund |
|---|---|---|
| Buchungsbelege (Rechnungen, Kontoauszüge) | 8 Jahre (seit 2025; vorher 10) | § 147 AO, § 257 HGB |
| Handels-/Geschäftsbriefe: Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine, Kundenmails mit Vereinbarungen | 6 Jahre | § 257 HGB |
| Jahresabschlüsse, Bilanzen, Inventare | 10 Jahre | § 257 HGB |
| Prüfprotokolle, Freigaben, Rückverfolgbarkeit (Chargen, Seriennummern) | 10 Jahre nach Lieferung | Produkthaftung (ProdHaftG, § 199 BGB); bei Gewährleistung mindestens 5 Jahre (Bau) |
| Reklamationen, Fehlersammelliste, Maßnahmen | mindestens 3 Jahre (ein Zertifizierungszyklus), bei Produktbezug 10 | Audit-Rückblick, Haftung |
| Auditprogramm, Auditpläne, interne Auditberichte, Auditberichte des Zertifizierers | mindestens 3 Jahre (ein Zertifizierungszyklus) | Zertifizierungsstelle (17021-1), Rückblick im Rezertifizierungsaudit |
| Managementbewertung, Zertifikate | 10 Jahre | Nachweiskette |
| Schulungs-/Einweisungsnachweise, Qualifikationsmatrix | Dauer der Beschäftigung + 3 Jahre | Kompetenznachweis 7.2; Unterweisungen nach ArbSchG mind. bis zur nächsten |
| Prüfmittelnachweise (Kalibrierzertifikate) | bis zum nächsten Zertifikat + 10 Jahre bei Produktbezug | Rückverfolgbarkeit von Messungen |
| Lieferantenbewertung, Wareneingangsprüfungen | 3 Jahre, bei Produktbezug 10 | Zyklus, Haftung |
| Personenbezogene Daten ohne Pflichtfrist (Bewerbungen, Gäste) | löschen, sobald Zweck entfällt (Bewerbung: 6 Monate) | DSGVO Art. 5, § 61b ArbGG |
Die Fristen gelten „ab Ende des Kalenderjahres, in dem …“ – einfach: Jahr + Frist + 1. Im Zweifel die längste anwendbare Frist nehmen; Rechtsberatung ersetzt die Tabelle nicht.
Aufbewahrungsliste: Nachweis · Ort · Frist · Grund · Entsorgung durch · Löschfrist (bei Personendaten). Sie ist eine Seite, hängt im Handbuch Kapitel 7 und wird jährlich mit der Dokumentenliste geprüft.
Entsorgung: Papier mit Kundendaten in den Datenschutz-Container, digital endgültig löschen (auch Backup- Zyklus beachten). Ein Vermerk „Jahrgang 2015 entsorgt am … durch …“ reicht als Nachweis. Nichts aufheben „für alle Fälle“ – das ist bei Personendaten ein Datenschutzverstoß und bei allem anderen Aufwand.
Dokumentenlenkung im Audit: die zehn Fragen – und die Antworten in zwei Minuten
| Nr. | Frage des Auditors | Antwort in zwei Minuten |
|---|---|---|
| 1 | „Woran erkenne ich, dass das die gültige Fassung ist?“ | Fußzeile mit Stand + Zeile in der Dokumentenliste |
| 2 | „Wer hat das freigegeben?“ | Kürzel/Datum in der Fußzeile; Freigaberegel im Handbuch Kap. 7 |
| 3 | (am Arbeitsplatz) „Ist das der aktuelle Stand?“ | Spalte „hängt in“; Tauschdatum = Änderungsdatum |
| 4 | „Nehmen wir diese Kundenzeichnung – welche Revision gilt?“ | Bestellung → Auftragsmappe → Revision auf der Zeichnung; Änderungsvermerk |
| 5 | „Was passiert, wenn der Server ausfällt?“ | Backup-Regel, letzter Wiederherstellungstest (Nachweis) |
| 6 | „Wie lange bewahren Sie Prüfprotokolle auf – und warum?“ | Aufbewahrungsliste mit Grund |
| 7 | „Arbeitet jemand mit heruntergeladenen Kopien?“ | Regel im Handbuch; Tablet/Link am Platz |
| 8 | „Dieses Reklamationsblatt von 2024 – war das damals die gültige Vorlage?“ | Stand der Vorlage auf dem Nachweis; Archiv 05 |
| 9 | „Was wurde im Handbuch zuletzt geändert, und wer weiß davon?“ | Spalte „geändert am/was“; Einweisungsprotokoll |
| 10 | „Wie entsorgen Sie Unterlagen mit Kundendaten?“ | Entsorgungsvermerk, Datenschutz-Container |
Die drei häufigsten Feststellungen: alter Stand am Platz (Nebenabweichung 7.5.3) · externe Zeichnung ohne Revisionskontrolle (Nebenabweichung 7.5.3.2, bei Folgen für das Produkt Haupt) · Nachweise ohne festgelegte Frist („wir heben alles auf“) (Hinweis bis Nebenabweichung 7.5.3.2 d, bei Personendaten Datenschutzproblem).
Fünf-Minuten-Check vor dem Audit: drei Aushänge gegen die Liste · eine Kundenzeichnung gegen die Bestellung · Datum des letzten Backup-Tests · Aufbewahrungsliste aktuell · Archivordner enthält keine gültigen Dokumente.
Praxisfall: Schreinerei Waldner – eine gewachsene Ablage in zwei Stunden aufräumen
Schreinerei Waldner GmbH (erfunden; Ähnlichkeiten mit bestehenden Betrieben sind zufällig), 14 Mitarbeiter, Fenster und Haustüren, Innenausbau und Möbel nach Maß, zertifiziert seit 2024. Der Server hat einen Ordner „QM“ mit sieben Unterordnern und 37 Dateien – gewachsen über drei Jahre, zwei QMB-Wechsel. Beispiele:
| Datei | Problem |
|---|---|
Handbuch.docx, Handbuch_neu.docx, Handbuch_final_2025.docx |
Drei Fassungen, keine mit Stand in der Fußzeile; welche gilt, weiß nur die GL |
Pruefprotokoll_Auftrag_2026-131.docx |
Nachweis als Word – änderbar; liegt in „Vorlagen“ |
Zeichnung_Kunde-Meier_RevA.pdf (Werkstatt), …_RevB.pdf (Mail der GL) |
Zeichnungsstände unkontrolliert; Rev. A hängt am CNC |
AA Oberflaeche.pdf (Aushang Lackiererei, 2023) |
Kein Stand, keine Freigabe, in der Liste nicht geführt |
Reklamationen 2022.xlsx bis … 2026.xlsx |
Nachweise, aber keine Frist; 2022 „kann weg?“ |
ISO_9001_2015_Kopie.pdf |
Kopie der Norm aus dem Internet – kein Pflichtexemplar |
Bewerbungen/ mit 40 Lebensläufen seit 2021 |
Löschfrist überschritten (DSGVO) |
| Backup: „macht der Server“ – niemand hat je zurückgespielt | Kein Nachweis |
Aufgabe (120 Minuten):
- Legen Sie die Fünf-Ordner-Struktur an und sortieren Sie alle 37 Dateien (Download 06 listet sie): gültig (01/02) – Archiv (05) – Nachweis (03) – extern (04) – löschen. Je Datei ein Wort Begründung.
- Vergeben Sie für die gültigen Vorgabedokumente Nummer, Stand und Freigabe nach der Namensregel.
- Füllen Sie die Dokumentenliste (Download 02) und die Aufbewahrungsliste (Download 04) für Waldner.
- Beantworten Sie die Auditfragen 3, 4 und 6 aus Modul 9 für Waldner – mit dem Nachweis, den Sie angelegt haben.
📄 Waldner: alle 37 Dateien mit Ort, Datum und Auffälligkeit, Aufgabenstellung
Lernpunkt: Von 37 Dateien bleiben 16 gültige Vorgabedokumente, 11 Nachweise bekommen eine Frist, 4 externe Dokumente bekommen Quelle und Stand, 3 wandern ins Archiv, 3 werden gelöscht (darunter die Bewerbungen). Die Ablage ist danach nicht größer, sondern kleiner – und der Auditor braucht zwei Minuten statt zwanzig.
Nachweise und Jahrespflege: was der Auditor sieht, was einmal im Jahr zu tun ist
| Nachweis | Belegt |
|---|---|
| Dokumentenliste mit Stand, Freigabe, Ablageort, „hängt in“, „geändert am/was“ | 7.5.2, 7.5.3.2 a), c) |
| Aufbewahrungsliste mit Fristen und Grund | 7.5.3.2 d) |
| Archivordner 05 mit ersetzten Ständen | Änderungen nachvollziehbar; alte Stände nicht im Umlauf |
| Backup-Wiederherstellungstest (Datum, was, Ergebnis) | 7.5.3.1 b) Schutz vor Verlust |
| Entsorgungsvermerk je Jahrgang | 7.5.3.2 d) Entsorgung; DSGVO |
Jahrespflege in einer Stunde (Termin: zwei Wochen vor dem internen Audit, im Auditprogramm eingetragen):
- Dokumentenliste Zeile für Zeile: Gilt es noch? Stand = Datei? Letzte Prüfung eintragen. (20 Min.)
- Rundgang: Aushänge und Mappen gegen die Liste. (10 Min.)
- Externe Dokumente: Normen-Ausgabedatum, Gesetzesliste, Herstellerdokumente. (10 Min.)
- Aufbewahrungsliste: abgelaufene Jahrgänge entsorgen, Vermerk. (10 Min.)
- Backup: eine Datei aus dem Vorjahr wiederherstellen, Ergebnis notieren. (10 Min.)
Das Ergebnis – fünf Nachweise mit Datum – ist der Abschnitt „7.5“ im internen Auditbericht und spart dem Auditor der Zertifizierungsstelle eine halbe Stunde, die er sonst mit Suchen verbringt.
📄 Prüfraster Dokumentenlenkung: 15 Kriterien (reif/fast/noch nicht) und Jahrespflege-Checkliste
Verfahren im eigenen Haus
Dieses Modul füllt Ihr Unternehmen aus. Der allgemeine Teil der Schulung endet hier; was folgt, kennt nur Ihr Betrieb:
| Punkt | Was festgehalten wird |
|---|---|
| Ansprechpartner | Wer ist QM-Beauftragter bzw. Ansprechpartner für QM-Fragen? Wer vertritt ihn? |
| Dokumente und Vorlagen | Wo liegen Handbuch, Prozessblätter und die Vorlagen, die zu diesem Thema benutzt werden (Ordner, Cloud, Papier)? |
| Nachweise | Wo werden die Nachweise zu diesem Thema abgelegt, und wie lange werden sie aufbewahrt? |
| Freigabe | Wer gibt Dokumente, Änderungen und Entscheidungen zu diesem Thema frei? |
| Termine | Welche festen Termine gelten (internes Audit, Managementbewertung, externes Audit)? |
Betriebe mit Firmenkonto der Akademie erhalten dieses Modul mit ihren eigenen Angaben; die Teilnehmer sehen dann Namen, Termine und Ablageorte ihres Unternehmens. Ohne Anpassung gilt: Fragen Sie Ihre Geschäftsführung oder Ihren QM-Beauftragten, wo diese Angaben in Ihrem Betrieb festgelegt sind – in der Regel im QM-Handbuch.
Abschlusstest
30 Fragen, je eine richtige Antwort. Zum Bestehen brauchen Sie 24 richtige (80 %). Die Auswertung erfolgt auf dem Server — hier auf der Seite steht keine Lösung.
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Wie es weitergeht
Ablage aufräumen lassen: Durchsicht Ihrer Dokumentation und Ablage mit Ordnerstruktur, Dokumentenliste und Aufbewahrungsliste als Festpreis-Baustein der ISO-9001-Beratung.
Weiter in der Reihe: Kurse „Verfahrens- und Arbeitsanweisungen“ und „QM-Handbuch in 5 Tagen“ in der QM-Guru Akademie.
Weitere kostenlose Unterweisungen finden Sie in der Online Akademie. Fragen zur Umsetzung im eigenen Betrieb beantworten wir über das Kontaktformular.
Fachliche Rückfragen zu dieser Unterweisung: Holger.grosser@iso9001.info · Telefon 0911-49522541. Eine Online-Unterweisung erfüllt die Unterweisungspflicht nur, wenn Rückfragen an eine unterweisende Person möglich sind.