Verfahrensanweisung oder Arbeitsanweisung – was brauchen wir wirklich?
Eine Verfahrensanweisung (VA) beschreibt einen kompletten Ablauf über Abteilungen hinweg – das Wer macht was wann (z. B. Reklamationsbearbeitung). Eine Arbeitsanweisung (AA) beschreibt eine einzelne Tätigkeit am Arbeitsplatz im Detail – das Wie (z. B. Maschine rüsten). Pflicht ist seit der ISO 9001:2015 keine von beiden.
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AUFBAUDie schlanke Verfahrensanweisung
Vier Bausteine, eine Seite: Zweck und Geltungsbereich (2 Sätze), Ablauf als nummerierte Schritte oder einfaches Flussdiagramm mit Verantwortlichen, mitgeltende Dokumente/Formulare, Versionsvermerk. Die besten VAs passen auf ein Blatt am Schwarzen Brett – alles Weitere senkt die Chance, dass sie gelesen werden.
TABELLEWann VA, wann AA, wann gar nichts?
| Situation | Dokument |
|---|---|
| Abteilungsübergreifender Ablauf mit Schnittstellen (Reklamation, Auftragsabwicklung) | Verfahrensanweisung |
| Einzelner Handgriff mit Fehlerpotenzial (Rüsten, Prüfschritt) | Arbeitsanweisung – gern mit Fotos |
| Routine erfahrener Mitarbeiter ohne Risiko | Keine Anweisung – die dokumentierte Qualifikation ist der Nachweis |
So bleibt das System schlank: dokumentierte Information nur dort, wo Fehler ohne sie wahrscheinlich wären (Kap. 7.5.1).
LENKUNGAnweisungen richtig lenken
VA und AA sind gelenkte Dokumente: Version, Datum, Freigabe, zentraler Ablageort – Details auf unserer Seite zur Dokumentenlenkung. Praxis-Tipp: Nummerieren Sie nach Prozess (VA-08-01 = Kapitel 8, laufende Nr. 1), dann findet jeder Auditor und Mitarbeiter sofort das richtige Dokument.
O-TON · AUS ÜBER 1.000 AUDITSAus der Beratungspraxis
So klingen die Fragen echter Kunden – und die Antworten, die sich im Audit bewährt haben:
„Wie aktualisieren wir unsere Prozessbeschreibungen?"
„Ich arbeite heute nur noch mit Lucid Charts, online. Das ist unabhängig vom Handbuch als Word-Datei. Ich mache eine komplette Lucid-Datei mit allen Prozessen als verschiedene Blätter. Für Änderungen kann ich euch für eine Woche Zugang geben, ihr könnt selbst Änderungen vornehmen. Ich nehme eure alte Visio-Version als Grundlage, ergänze den neuen Personalprozess, aktualisiere das Datum und ihr habt die neue Version."
Dienstleistung
„Wie gehen wir die Prozessbeschreibungen durch?"
„Schaut euch die zwei Prozesse an - Angebots-/Auftragsprozess und Projektumsetzung. Wenn ich voll daneben bin, passen wir das an. Wenn es zu 70% passt, machen wir einen Termin und gehen den Prozess anhand eines echten Projekts durch. Wichtig: Sucht euch ein Projekt aus, das gut gelaufen ist und nachvollziehbar ist. Ihr konzentriert euch auf euer Projekt, ich passe die Prozessbeschreibung im Hintergrund an. Nicht umgekehrt!"
Unternehmensberatung, M&A-Beratung, Corporate Finance
„Wie detailliert müssen Prozessbeschreibungen sein?"
„So einfach wie möglich, so viel wie nötig. Ich habe aus mehreren alten Dokumenten ein übersichtliches Dokument gemacht. Begriffe wie 'freigegebene Lieferanten' braucht ihr nicht - das ist für große Unternehmen. Bei euch bestellt die Geschäftsführung direkt, also beschreiben wir genau das."
Dienstleistung (Glasreparatur/Glasschäden)
„Wie gehen wir mit der Prozessbeschreibung vor?"
„Erster Entwurf muss nicht perfekt sein, nicht zu viel Zeit investieren. Wir müssen mit was anfangen. Sie schreiben die Prozessschritte runter, mein Backoffice erstellt daraus ein Flussdiagramm in Lucidchart. Dann gehen wir das anhand eines echten Projekts durch und passen die Prozesse Ihrer Praxis an. So nähern wir uns langsam, wie Sie wirklich arbeiten."
IT / Softwareentwicklung
„Wie detailliert müssen die Prozessbeschreibungen sein?"
„Es kommt nur eine einzige Seite, wo beschrieben wird wie läuft der Prozess. In Lucid Chart wird nur eine Seite erstellt, den Prozess zu beschreiben. Es kommt eine Anfrage rein, wer macht das bei uns in der Organisation, mit welcher Software nehmen wir das auf - in kurzen Worten die Hauptprozesse beschreiben."
IT-Dienstleistung (Cyber-Schadensbearbeitung für Versicherungen)
„Was gehört alles in die Prozessbeschreibung beim Angebots- und Auftragsprozess?"
„Bei euch gehört rein: Vertrieb, dann die Technik - Muster vom Lieferanten überprüfen, Verpackung gestalten - und zwischendurch gibt es Freigaben. Das muss alles drin stehen. Die Technik war zu kurz beschrieben, das dehne ich noch aus. Und wichtig: Der Prozess ist unabhängig von der Software - heute Excel, morgen ERP-System - dem Prozess ist das egal. Ich schreibe immer 'EDV-System' hin."
Textilhandel/Großhandel mit Kleidung
„Kann ich bestehende Audit-Dokumente von Kunden als Basis für meine Prozessbeschreibungen verwenden?"
„Ja, das liebe ich! Wenn die Information schon da ist und ein Kunde bereits ein Audit gemacht hat, können wir damit arbeiten. Du musst nicht immer etwas Neues vorbereiten. Die Arbeit ist schon gemacht, also nutzen wir sie für die Zukunft. Das ist viel besser als bei Null anzufangen."
Produktion
SCHNELLE ANTWORTENHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Verfahrensanweisung und Arbeitsanweisung?
Die VA regelt einen Ablauf über mehrere Stellen (wer macht was wann), die AA eine einzelne Tätigkeit im Detail (wie genau wird sie ausgeführt).
Sind Verfahrensanweisungen nach ISO 9001:2015 Pflicht?
Nein. Sie erstellen dokumentierte Information nur dort, wo Ihr Unternehmen sie zur Prozesssicherheit braucht.
Wie lang sollte eine Verfahrensanweisung sein?
Ideal eine Seite: Zweck, Ablaufschritte mit Verantwortlichen, mitgeltende Dokumente, Version.
Brauchen erfahrene Mitarbeiter Arbeitsanweisungen?
Nicht zwingend – bei risikoarmer Routine ist die dokumentierte Qualifikation der Nachweis. AAs lohnen sich dort, wo Fehler wahrscheinlich oder teuer sind.
Wie viele Verfahrensanweisungen braucht ein KMU?
So wenige wie möglich. Typisch sind 5–10 VAs für die Kernabläufe – mehr deutet auf Überdokumentation hin.
Werden beim Audit die Musterdokumente und Vorlagen eingefordert, die in der Prozessbeschreibung aufgeführt sind?
Nein, der Auditor schaut sich ein reales, abgeschlossenes Projekt an. Wir machen vorher ein internes Audit an einem Vorgang, damit ihr das üben könnt. Dann zeigt ihr dem Auditor ein Beispielprojekt mit allen zugehörigen Dokumenten - Angebot, Auftrag, Lieferschein etc.
Wie detailliert muss die Prozessbeschreibung werden?
Nicht zu detailliert. Wir passen die Prozessbeschreibungen noch an, gehen die an Beispielen durch, aber die Erfahrung zeigt: Wir kriegen das nicht hundertprozentig hin. Da müsste man viel mehr Zeit reinstecken. Also gehen wir den anderen Weg: Beim externen Audit konzentriert ihr euch auf das vorliegende Beispiel.
Müssen die Mitarbeiter die Swimlanes/Prozessbeschreibungen auswendig können wenn der Auditor kommt?
Nein, auf keinen Fall auswendig lernen. Die Mitarbeiter sollen NICHT anhand der Prozessbeschreibung erklären 'Das ist Schritt 1, Schritt 2, Schritt 3'. Das geht meistens schief. Die sollen sich 100% auf ihre Tagestätigkeit konzentrieren und das an einem REELLEN VORGANG zeigen - so wie sie es täglich machen.
Wie gehe ich mit Qualitätsanforderungen bei Kandidaten um (z.B. Sprachniveau)?
Sie haben das gut im Griff: Minimum ist B1, darunter führen Sie gar keine Gespräche. Sie prüfen im Erstinterview, ob das Niveau passt. Bei Indern achten Sie besonders drauf, weil die fürs Zertifikat lernen. Dann kommen Konversationskurse dazu - das macht Dr. Holdorf.
Wir schreiben Ihre Verfahrens- und Arbeitsanweisungen aus Ihren gelebten Abläufen – schlank, verständlich, audit-sicher. Der Weg dazu: Beratung zum Festpreis.
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Holger Grosser berät seit 1994 Unternehmen zur ISO 9001 und hat über 1.000 Zertifizierungsaudits begleitet – jedes davon im ersten Anlauf bestanden. Sein Grundsatz: so wenig Dokumentation wie möglich, so viel wie nötig. Mehr über den Autor
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